05.03.2019 | Deutschland Chronologie zum Fall Rebecca: Hatte Rebecca im Internet einen Mann kennengelernt?

Vor über drei Wochen verschwand die 15-jährige Rebecca in Berlin. Bis heute fehlt von dem Mädchen jede Spur, trotz intensiver Suche. Die Kripo geht davon aus, dass sie getötet wurde und hat den Mann von Rebeccas Schwester im Verdacht, der Mörder zu sein. Doch jetzt sagt die Mutter, Rebecca hatte im Internet einen Mann kennengelernt. Die Chronologie eines Falls, der ganz Deutschland bewegt.

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa (Porträt Rebecca: Polizei Berlin)

Dieser Fall bewegt ganz Deutschland: Seit 18. Februar 2019 ist die 15-jährige Rebecca in Berlin spurlos verschwunden. Trotz intensiver Suche wurde das Mädchen bisher weder lebend gefunden noch ihre Leiche entdeckt.

Noch immer läuft eine große Suchaktion der Berliner Polizei in Brandenburg. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass Rebecca getötet wurde und sie nimmt dabei den Mann von Rebeccas Schwester ins Visier. 

+++ Neueste Entwicklung +++

Hatte Rebecca einen Mann im Internet kennen gelernt? Das hat Rebeccas Mutter jedenfalls in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" angedeutet (Ausgabe 12/2019, ab dem 14. März). „Es gab da wohl tatsächlich jemanden. Einen Max oder Maxi,“ so die Mutter. Das habe ihr Rebecca im Januar erzählt.

Auch am Mittwoch (13. März) setzt die Polizei die Suche nach der vermissten Rebecca fort. In einem Waldstück bei dem Ort Rieplos, 50 km südöstlich von Berlin sind Mitglieder der Mordkommission und das THW im Einsatz.

Auch am Dienstag (12. März) sucht die Polizei in einem Waldstück bei Storkow nahe Kummersdorf weiter nach Rebecca. Mit dabei sind die Spurensicherung der Kriminaltechnik, Beamte der Mordkommission, das Technische Hilfswerk (THW) und Bereitschaftspolizisten. Laut der Berliner Zeitung soll die Spurensicherung dort Gipsabdrücke von Reifenspuren genommen haben. Diese will die Polizei offenbar mit den Reifenabdrücken des roten Renault Twingo des tatverdächtigen Schwagers abgleichen.

Von der Fahndung nach dem Auto, das der Schwager benutzte, erhofft sich die Polizei wichtige Hinweise. Der himbeerrote Renault Twingo mit Berliner Kennzeichen (siehe Bild unten) wurde am 18. Februar um 10.47 Uhr und am 19. Februar um 22.39 Uhr auf der Autobahn 12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) von einem automatischen Kennzeichenerfassungssystem registriert.

„Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte zu diesen Zeiten allein der 27-jährige Schwager Zugriff auf diesen Pkw“, teilte die Polizei mit.

Die ermittelnde Mordkommission hält diese Spur für so relevant, dass sie am Mittwoch nicht nur Fotos des Autos, sondern auch Fotos des verdächtigen Schwagers ins Internet stellte, obwohl der Mann bereits in Untersuchungshaft sitzt.

Foto: Polizei Berlin Twingo (Ansicht von vorn)

Die Polizei fragt nun, wer Angaben zu Aufenthaltsorten des Mannes zu den beiden Zeiten machen kann. Außerdem geht es um die Frage, ob Bekannte des Schwagers etwas über Orte in Brandenburg wissen, wo sich der Mann auskennt. Außerdem wird nach der lila Fleece-Decke, die mit Rebecca verschwand, gefragt. Im Kofferraum des Autos soll die Polizei Haare der Schülerin und Faserspuren dieser Decke gefunden haben.

Unter der Rufnummer 030 / 46 64 911 333 können sich Augenzeugen melden, die das Auto zwischen den genannten Zeiten gesehen haben oder Angaben zu den Aufenthaltsorten des Tatverdächtigen machen können.

Wann genau ist Rebecca verschwunden?

Rebecca wurde zuletzt im Haus ihrer ältesten Schwester Jessica (27) und deren Mann Florian R. (27) am Maurerweg in Berlin-Neukölln lebend gesehen. Sie hatte in der Nacht zum 18. Februar, einem Montag, dort im Wohnzimmer übernachtet. Am Morgen war sie nicht mehr da und tauchte auch nicht in der Schule auf. 

Was geschah am Tag von Rebeccas Verschwinden?

Die letzten Stunden vor Rebeccas Verschwinden sind ungeklärt. Die Aussagen ihrer Familienangehörigen gegenüber den Medien lassen bisher auf folgenden zeitlichen Ablauf am Morgen des 18. Februar schließen.

5.45 Uhr

Um diese Zeit soll Rebeccas Schwager Florian R. (27) von einer Firmenfeier nachhause gekommen sein. Er arbeitet als Koch in einem Hotel am Berliner Kudamm.

6 bis 8 Uhr:

Zwischen 6 und 8 Uhr soll das Handy von Rebecca noch im WLAN-Router des Hauses der Schwester eingeloggt gewesen sein. Das melden mehrere Medien. Die Schwester Jessica war schon um 7 Uhr aus der Wohnung gegangen, um ihre Tochter (2) zur Kita zu bringen und dann zur Arbeit bei einer Immobilienfirma zu fahren, wie die B.Z. berichtet.

Um 7.15 Uhr ruft die Mutter von Rebeccas auf dem Handy ihrer Tochter an. Das Mobiltelefon ist aber ausgeschaltet. Anschließend soll die Mutter Jessica angerufen haben. Die Bitte der Mama an Jessica: Sie soll ihren Mann Florian anrufen, damit er Rebecca weckt und zur Schule schickt. Der Schwager behauptet später allerdings: Zu diesem Zeitpunkt sei das Wohnzimmer, in dem Rebecca übernachtet hat, schon leer gewesen. Weg waren auch Rebeccas Schulrucksack, ihre Handtasche und eine lilafarbene Fleecedecke.

Widersprüchlich in diesem Zusammenhang: Der Unterricht in Rebeccas Schule begann an diesem Tag erst um 9.50 Uhr. Für den Weg zur Walter-Gropius-Schule hätte sie nur eine halbe Stunde gebraucht. Warum also soll Rebecca schon so früh losgegangen sein? 

8.42 Uhr:

Um diese Zeit sendet Rebeccas Mutter ihrer Tochter eine WhatsApp-Nachricht. Darin will die Mama wissen, ob Rebecca pünktlich zur Schule gekommen ist. Die Nachricht kommt auf dem Handy an, wird aber nicht gelesen.

Nachmittag:

Am Nachmittag soll Rebecca wieder zuhause bei ihren Eltern sein. Mutter und Vater informieren die Polizei, als sie nicht kommt und melden die Tochter als vermisst.

Wie haben Polizei und Staatsanwaltschaft bisher ermittelt?

Einige Tage nach Rebeccas Verschwinden übernahm eine Mordkommission die Ermittlungen. Am Donnerstag, 28. Februar wird Florian R., der Schwager von Rebecca, nach einem Verhör erstmals von der Polizei festgenommen. Die Ermittlungen hätten „den Verdacht einer Straftat erhärtet“. Am Freitag wird er wieder freigelassen, weil ein Richter keinen dringenden Verdacht sah. Worauf sich der Verdacht gegen den 27-Jährigen stützt, sagt die Polizei nicht.

Am Montag, 4. März wird der Schwager zum zweiten Mal festgenommen, am Dienstagvormittag wurde ihm der Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts des Totschlags verkündet. Er sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hüllt sich der tatverdächtige Schwager von Rebecca in Schweigen. 348 Hinweise waren bis Dienstagmorgen bei der Polizei eingegangen, denen die Ermittler jetzt nachgehen.

So wurden im Kofferraum des Autos der Schwester Jessica und ihres Mannes Florian R. Haare von Rebecca gefunden, ebenso wurden Faserspuren der Decke sichergestellt, die mit dem Verschwinden der 15-Jährigen zu tun hat.

Am Mittwochabend (6. März) stellt das Landeskriminalamt Berlin den Fall in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" vor. Dort sagt der Beamte, aus dem Telefonverhalten Rebeccas und den Router-Daten im Haus des Schwagers ergebe sich, dass der tatverdächtige Schwager zur mutmaßlichen Tatzeit alleine mit Rebecca im Haus gewesen sein muss.

Am Donnerstag und Freitag (7. & 8. März) durchkämmt die Polizei mit einer Hundertschaft ein Waldgebiet bei Kummersdorf, nahe dem Ort Storkow 50 km südöstlich von Berlin.

Am Samstag, 9. März wird die Suche in dem Waldstück fortgesetzt. Laut einer Polizeisprecherin sind mittlerweile über 1000 Hinweise eingegangen. Später am Tag verlagert die Polizei ihr Suche weiter nach Westen in Richtung des Wolzinger Sees. Die "Welt" berichtet, Rebecca hat wohl noch kurz vor ihrem Verschwinden eine WhatsApp-Nachricht verschickt. Dann war ihr Handy aus und ihre Mutter konnte sie nicht mehr erreichen.

Am Sonntag und Montag (10. & 11. März) sind mittlerweile über 1200 Hinweise bei der Polizei zu dem Verschwinden von Rebecca eingegangen. Diese muss die Polizei erst auswerten. Die Suche wird an diesen beiden Tagen nicht fortgesetzt. 

Was sagen die Familienangehörigen von Rebecca?

Der Schwager schweigt bisher zu den Vorwürfen gegen ihn. Die Eltern und Schwestern von Rebecca halten ihn weiterhin für unschuldig. Rebeccas Vater sagte dem Sender RTL: „Die ganze Nummer hängt mit einer anderen Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf.“ Er bat seinen Schwiegersohn: „Florian, rede einfach! Klär das, damit die ganze Suche in die andere Richtung geht, und zwar in die richtige. Wir müssen Becky finden.“