24.09.2017 | Deutschland CSU-Fiasko in Bayern: Partei stürzt auf 38,5 Prozent ab

Für die CSU und Horst Seehofer ist es ein Fiasko: Ein Jahr vor der Landtagswahl stürzen die Christsozialen bei der Bundestagswahl dramatisch ab. Auch die SPD erlebt ein Fiasko. Die AfD triumphiert.

Foto: Fotograf: Peter Kneffel

Die CSU unter Parteichef Horst Seehofer ist auf ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949 abgestürzt. Nach erster Hochrechnung erreichte die CSU am Sonntag nur noch 39,0 Prozent. Das bedeutet ein dramatisches Minus von mehr als zehn Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 (49,3 Prozent). Die SPD fuhr in Bayern ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis ein. Die AfD eroberte den dritten Platz, aber auch FDP, Grüne und Linke legten zu.

Die SPD sackte in Bayern laut Hochrechnung auf 15,5 Prozent (2013: 20,0) ab. Bisheriger historischer Tiefpunkt der Sozialdemokraten im Freistaat waren 16,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2009. Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen sprach deshalb von einer «schweren Niederlage» ihrer Partei. «Die dritte in Folge», sagte Kohnen. «Für die SPD heißt das: Wir nehmen die Rolle der Oppositionsführung an - ohne Hintertür.»

Auf dem dritten Platz in Bayern landete laut Hochrechnung die AfD mit 12,7 Prozent (2013: 4,3). Auch die FDP legte demnach stark zu: von 5,1 Prozent auf 9,7 Prozent. Die Grünen verbesserten sich der Hochrechnung zufolge von 8,4 auf 9,7 Prozent, die Linke von 3,8 auf 6,1 Prozent. «Damit habe ich selber nicht gerechnet», sagte der Spitzenkandidat der Linken im Freistaat, Klaus Ernst. Die Freien Wähler erreichten laut BR-Hochrechnung 2,5 Prozent (2013: 2,7).

Die Ergebnisse aus allen Wahlkreisen:

So reagiert die CSU auf das Ergebnis

«Es gibt nichts schönzureden», sagte Seehofer am Sonntagabend. «Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017 ist für uns eine herbe Enttäuschung, sowohl das gemeinsame Ergebnis von CDU und CSU als auch das Ergebnis der CSUin Bayern.» Man habe eine offene «Flanke auf der rechten Seite» gehabt, erklärte Seehofer. Es komme nun besonders darauf an, diese Flanke zu schließen, «mit klarer Kante und klaren politischen Positionen».

Seehofer ist seit Oktober 2008 CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Er hatte im April angekündigt, in diesem Herbst wieder als Parteichef und im Herbst 2018 wieder als Ministerpräsident zu kandidieren. Er will seine Partei trotz des schlechten Wahlergebnisses weiter führen. «Ich bin dazu bereit», sagte Seehofer. Angesichts der zu erwartenden innerparteilichen Angriffe forderte der Parteichef die CSU-Kollegen auf, «menschlich anständig» miteinander umzugehen.

Seehofer und die CSU hatten im Bundestagswahlkampf einen Spagat versucht: Nach langem Krach mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Flüchtlingspolitik hatte Seehofer Anfang des Jahres wieder den Schulterschluss mit Merkel gesucht. Diese «Schaukelpolitk» habe offenbar die Wähler irritiert, sagte der frühere CSU-Chef Erwin Huber.

Weitere Reaktionen der Parteien

Die Vorsitzende der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, sprach von einer «schweren Niederlage» ihrer Partei. «Die dritte in Folge», sagte Kohnen. «Für die SPD heißt das: Wir nehmen die Rolle der Oppositionsführung an - ohne Hintertür.»

Der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron kündigte eine «knallharte Oppositionspolitik» im Bundestag an. Die AfD sei bei erfreulich hoher Wahlbeteiligung drittstärkste Partei und werde der Regierung «keine Rechtsbrüche mehr erlauben und einen Merkel-Untersuchungsausschuss ins Spiel bringen», sagte Bystron. Besonders erfreulich sei das Ergebnis in Bayern mit starken Verlusten für CSU und SPD: «Die Altparteien haben die Quittung bekommen für ihre Politik».

In Bayern waren rund 9,5 Millionen Menschen zur Bundestagswahl aufgerufen. Dabei zeichnete sich schon bis zum Nachmittag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung ab als vor vier Jahren.