29.10.2021 | Deutschland Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus: Aber was passiert eigentlich mit all dem Geld?

Im Schnitt zahlt jeder deutsche Arbeitnehmer 300 Euro Kirchensteuer pro Jahr. Zuviel sagen viele und treten aus der Kirche aus. Doch selbst der Austritt kostet in fast allen Bundesländern ebenfalls Geld - bis zu 75 Euro können es sein. Doch was passiert eigentlich mit all dem Geld, dass die Kirche mit den Steuern einnimmt?

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Durch die Corona-Krise haben die Kirchen einer Studie zufolge im vergangenen Jahr 800 Millionen Euro weniger Kirchensteuer eingenommen - ein Minus von sechs Prozent laut dem Institut für deutsche Wirtschaft. 

Die katholische und die evangelische Kirche bekamen im Corona-Jahr 2020 demnach 11,9 Milliarden Euro an Kirchensteuer. Der Grund für die Reduzierung sind die niedrigeren Einnahmen des Bundes durch die Lohn- und Einkommensteuer, weil eben auch die Wirtschaft eingebrochen ist, sinken auch die Einnahmen der Kirchensteuer. 

Kirchen müssen ans Ersparte ran

Der Rückgang wiegt für die Kirchen schwer, da sie nicht so einfach wie der Staat an günstige Kredite kommen könnten, sondern nun ihre Rücklagen anbrechen müssen. Auch langfristig stehen die Kirchen unter Druck: 

In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Mitglieder um ein Fünftel auf rund 43 Millionen Menschen gesunken. Auch der Umstand, dass es in Deutschland immer mehr ältere Menschen gibt, belastet die Kirche wirtschaftlich. 

Denn wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren in Rente gehen, zahlen sie auch weniger Steuern - kein gutes Geschäft für Kirche. Wie bei der Einkommenssteuer müssten also weniger Menschen den Steuerbedarf decken.

Große Herausforderungen

In den kommenden Jahrzehnten steht die Kirche vor einer großen Herausforderung, sagt Steuerexperte Tobias Hentze vom Institut für Wirtschaft.

"Sie muss einen Weg finden, ihre Einnahmen trotz des demografischen Wandels und sinkender Mitgliederzahlen zu sichern und gleichzeitig ihre Ausgaben kritisch überprüfen."
IW-Steuerexperte Tobias Hentze

Doch was passiert eigentlich mit all dem Geld?
Großteil landet direkt vor Ort:

Der größte Anteil der Kirchensteuer landet direkt bei euch vor Ort: In den Gemeinden. Zum Beispiel in die Gestaltung der Gottesdienste und zum Beispiel in die Jugendarbeit. Von diesem Geld müssen dann auch beispielsweise die Kirchenmusiker, Sekretäre und Hausmeister bezahlt werden.

Caritas und Diakonie

Wer in Not gerät, der kann sich bei der Caritas oder der Diakonie Hilfe suchen. Ein Teil der Kirchensteuer fließt deshalb in die so wichtige Beratungsarbeit für beispielsweise Obdachlose, Straffällige oder Suchtkranke.

Finanzierung von Bildungseinrichtungen

Auch kirchliche Kindergärten und Schulen müssen bezahlt werden. Eine kirchliche Einrichtung besuchen darf jeder, der es will – ganz egal ob er zur Kirche gehört oder nicht. Ein Teil des Geldes fließt auch noch in Fortbildungshäuser oder in Museen.

Entwicklungshilfe

Es gibt auch einen Fonds, der erstellt wurde, auf den alle Bistümer im Freistaat zurückgreifen können. Da geht es dann um die Finanzierung der Hochschulen oder der katholischen Unis – aber auch Missionsprojekte und Entwicklungshilfen im Ausland werden unterstützt.

Außerdem fließen weitere Gelder noch in die Struktur der Kirche, damit werden dann Verwaltungskosten bezahlt. Und: Für das Eintreiben der Kirchensteuer durch den Staat zahlt die Kirche wiederum anteilig auch Geld an den Staat zurück.