19.03.2021 | Deutschland Impfstart AstraZeneca: Was sich jetzt alles ändert

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat AstraZeneca erneut empfohlen. Der Impfstoff war zuvor wegen möglicher Nebenwirkungen in Kritik geraten und wurde in vielen EU-Staaten vorsichtshalber ausgesetzt. Jetzt gehen die Impfungen weiter. Allerdings anders als zuvor.

Foto: Hannibal Hanschke/Reuters/Pool/dpa

Fünf Tage lang waren Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca in Deutschland ausgesetzt, in anderen EU-Staaten sogar noch länger. 

Mögliche Nebenwirkungen

Der Impfstoff stand im Verdacht schwere Blutgerinnsel bei einigen Patienten ausgelöst zu haben. Auch zwei Todesfälle ließen die Gemüter hochschrecken. 

EMA empfiehlt Weiterimpfung

Nachdem Wissenschaftler der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA den Sachverhalt genauer untersucht haben, wurde das Präparat erneut zur Impfung empfohlen. Die Vorteile würden die Risiken überwiegen, hieß es in der Begründung der Behörde.

Quote verhältnismäßig gering

Insgesamt 6 von 1.000.000 geimpften Menschen erlitten nach dem Pikser eine schwere Thrombose. Diskutiert wurde vor allem, ob für Frauen, die die Antibabypille nehmen, ein größeres Gesundheitsrisiko bestehe. Die Verhütungspille ist dafür bekannt Blutgerinnsel auslösen zu können, und das mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als der Impfstoff. 

Wissenschaft gibt grünes Licht

Mit wissenschaftlichem Rückenwind können jetzt auch in Deutschland die Impfungen wieder aufgenommen werden. Bei AstraZeneca handelt es sich immerhin um den zweitwichtigsten Impfstoff nach dem Präparat von Biontech/Pfizer, um die Impfstrategie der Regierung weiterverfolgen zu können. 

Impfstart am 19. März

So gab Bundesgesundheitsminister Spahn nur wenige Stunden nach der EMA-Freigabe bekannt, ab Freitag direkt weiterimpfen zu wollen:

„Unser Ziel ist es, dass schon morgen im Laufe des Tages mit Impfungen begonnen werden kann“

Ganz so wie davor wird das dann aber nicht mehr ablaufen. 

Impfdosen mit Warnhinweisen 

Jetzt sollen Impfungen nämlich mit einem Warnhinweis versehen werden, der Impfwille über ein sehr geringes aber mögliches Thromboserisiko informiert. Laut Spahn sollen auch Ärzte, die die Impfdosen verabreichen künftig besser aufklären können: 

„Ärztinnen und Ärzte müssen über das schwerwiegende Risiko von Hirnvenentrombosen bei Frauen unter 55 Jahren informiert werden, damit sie ihrerseits die Impfwilligen entsprechend aufklären können“
Spahn steht hinter Verfahren

Erst wurde der Impfstoff ausgesetzt, jetzt wird direkt weitergeimpft. Spahn verteidigt diese Vorgehensweise aber. So würden diese Entwicklungen zeigen, dass Bürger und Bürgerinnen darauf vertrauen könnten, dass transparent informiert und sorgfältig geprüft würde.

Der Beschluss im Wortlaut

Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder und der Bundesminister für Gesundheit vereinbaren auf der Grundlage der heutigen Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur und nach Konsultation mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die am 15. März 2021 auf Empfehlung des PEI vorsorglich ausgesetzten Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca ab dem 19. März 2021 wieder aufzunehmen mit folgender Vorgehensweise:

1. Die Impfungen mit AstraZeneca werden fortgesetzt, alle Impflinge werden ausdrücklich über mögliche Risiken aufgeklärt. 

2. In den Aufklärungsunterlagen zur Schutzimpfung gegen COVID-19 wird vermerkt, dass über alle bekannten möglichen Risiken und Nebenwirkungen, inklusive der neuesten Erkenntnisse, aufgeklärt wurde. Das entsprechende Aufklärungsblatt zum Vektorimpfstoff von AstraZeneca befindet sich bereits in der kurzfristigen Überarbeitung. Die erfolgte Aufklärung kann übergangsweise auch handschriftlich von dem aufklärenden Arzt vermerkt werden. Das PEI wird kurzfristig zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Informationen für die Ärzteschaft erstellen.

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