08.06.2021 | Deutschland Kein gewöhnlicher Blitzer: Section Control wird in Deutschland zugelassen

In anderen Ländern wird diese Art von Geschwindigkeitskontrolle schon seit Jahren eingesetzt. In Deutschland ist Section Control jetzt auch rechtlich zugelassen worden. Wie das System funktioniert und was sich für euch ändert, erfahrt ihr hier.

Foto: Peter Steffen/dpa Das Streckenradar Section Control misst die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer. Das bundesweit erste Modell steht auf der Bundesstraße 6 zwischen Gleidingen und Rethen bei Hannover.

Mit dieser Blitzerart wird nicht punktuell gemessen, sondern in einem gewissen Abschnitt. Das System ist deutlich teurer und kostet den Staat etwa drei Mal so viel wie die gewohnte Blitzeranlage. Aber es soll sich lohnen, denn Section Control bietet eine Unfallreduzierung, weniger Umweltbelastung durch Geschwindigkeitssenkung und ein faireres Kontrollsystem. 2018 begann die Probephase für Deutschland in Niedersachsen - nun kann Section Control offiziell durchstarten.

Unser Nachbar Österreich, verwendet das System, besonders in Tunnel-Bereichen, schon seit 2003. In England wurde es schon vor 20 Jahren eingesetzt. Warum also die lange Verzögerung in Deutschland? Rechtlich gesehen, musste das System mit den Datenschutzrechtlinien erstmal übereinstimmen und vom Bundesverwaltungs- und Bundesverfassungsgericht für rechtmäßig erklärt werden. Das liegt daran, dass ein üblicher Blitzer nur dann Daten speichert (Foto von Auto & Autofahrer), wenn der unmittelbare Verdacht eines Geschwindkeitsverstoßes vorliegt - durch die gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung. Bei der Section Control werden alle Daten so oder so erfasst und zwischengespeichert. Aber: Sie werden verschlüsselt, anonymisiert und direkt wieder gelöscht, wenn kein Verstoß erkannt wird.

Wie funktioniert's?

Auf Strecken, die zwei bis fünf Kilometer lang sein können, werden am Anfang, Ende und manchmal zwischendrin Kameras aufgestellt. Damit wird nicht direkt die Geschwindigkeit gemessen, sondern de facto die Zeit, die das Fahrzeug für die erfasste Strecke braucht. Diese wird dann in eine Durchschnittsgeschwindigkeit umgerechnet. Hierfür werden die Kennzeichen automatisch durch optische Zeichenerkennung registriert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird dann mit der erlaubten Geschwindigkeit verglichen. Bleibt Kamera-ready: Im Falle von einem Verstoß, wird dann eine Kamera von vorne beim Ausgang angeschaltet um Fahrer*innen wie gewohnt festzuhalten.

Damit laut Datenschutzrechtlinien die „informationelle Selbstbestimmung“ der Autofahrer nicht beeinträchtigt wird, werden die Daten, die zwischen den Kameras verschlüsselt und anonymisiert werden, direkt nach einer verstoßlosen Berechnung gelöscht. Somit können keine Informationen zu den Fahrer*innen zurückgeführt werden.

Wie sinnvoll ist Abschnittskontrolle?

Sorgen über die Datenerfassung gibt es bei manchen trotzdem. Gleichzeitig gibt es auch vielversprechende Ergebnisse aus Österreich über eine insgesamte - wenn auch nicht gerade dramatische - Unfallverminderung bei Strecken mit Section Control Einsatz. Bei den Probekontrollen in Niedersachsen wurden von November 2019 bis Ende November 2020, laut ntv, mehr als 1.750 Geschwindigkeitsüberschreitungen geahndet. Bei ungefähr 85 Prozent folgten Verwarnungsgeldstrafen, somit fuhren die einzelnen Fahrer max. 20 km/h zu schnell.

Eine Bemängelung: Ein*e Raser*in wird nicht unbedingt von Abschnittskontrollen ausgebremst und kann sogar eine niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeit erlangen, indem sie bei der zweiten Kamera deutlich unter der angegebenen Geschwindigkeit fährt.

Wie betrifft euch die neue Geschwindigkeitskontrolle?

Erstmal ändert sich nichts. Ob und wann die Anlagen in Bayern installiert werden, ist bislang nicht bekannt.