17.11.2020 | Deutschland Kritik an Corona-Maßnahme: Bund erlaubt Mitarbeitern zwei Bahnplätze

Mitarbeitern von Behörden und Ministerien ist es derzeit erlaubt bei Dienstreisen zwei Sitzplätze zu buchen, damit der Nebenplatz frei bleibt. Kritik dafür kommt unter anderem von der Bahn, da die Maßnahme keinen Mehrwert bietet.

Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Als Corona-Schutzmaßnahme dürfen Beamte aus Behörden oder Ministerien für Dienstreisen mit der Bahn zwei Sitzplätze buchen, damit der Nebenplatz frei bleibt. Somit soll ein größerer Abstand zu Mitreisenden gewährleistet werden. Die Erstattungsmöglichkeit für Dienstreisen ist bis Ende März 2021 eingeräumt, sodass doppelte Kosten für Dienstreisen entstehen.

Bekannt geworden ist das Vorgehen durch ein Schreiben des Bundesinnenministeriums an Oberste Bundesbehörden. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet. Dass das Bundesinnenministerium den Doppel-Platz überhaupt ermöglichen will, passt nicht so recht zu wiederholten Aussagen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass die Bahn kein Hotspot sei. Auch eine Reservierungspflicht für Reisende, die in anderen Ländern überfüllte Züge verhindert, lehnt Scheuer ab.

Regelung hat einen Haken

Auf dpa-Anfrage will das Bundesverkehrsministerium von dieser Regelung keinen Gebrauch machen. Nach Aussagen der Deutschen Bahn macht die "Doppelbuchung" auch wenig Sinn. In den Beförderungsbedingungen heiße es, der Anspruch auf einen Sitzplatz erlösche 15 Minuten nach Abfahrt, wenn der Platz nicht eingenommen werde. Das gilt ausdrücklich nicht nur für Reservierungen, sondern auch Fahrkarten, so ein Bahnsprecher.

Nach Aussagen der Deutschen Bahn sind Züge aktuell keine Hotspots, da Fernzüge derzeit nur zu rund 20 bis 25 Prozent ausgelastet sind und das verpflichtende Tragen eines Mund-Nase-Schutzes gilt.