24.08.2021 | Deutschland Kurswechsel in der Corona-Politik: Die 50er-Inzidenz soll abgeschafft werden

Die Inzidenz ist für uns alle während Corona eine Richtlinie geworden. Darunter können wir uns irgendwie etwas vorstellen. Jetzt allerdings soll es künftig einen neuen Maßstab geben - die sogenannte "Hospitalisierungsquote". Was es damit auf sich hat und warum diese neue Quote sinnvoller sein soll, erklären wir euch im Folgenden.

Derzeit schreibt das Infektionsschutzgesetz vor, dass bei Überschreitung des Wertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen umfassende Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind. Künftig soll die Inzidenz nicht mehr als Maßstab für die Corona-Maßnahmen gelten. Viel eher soll man sich an der Zahl der Krankenhauseinweisungen orientieren. Einen neuen Parameter wird es geben: Die Hospitalisierungsquote. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt dazu am Montag in den ARD-«Tagesthemen»:

«Was klar ist: Die 50er Inzidenz, wie sie aktuell im Gesetz steht, hat ausgedient.»
Weg mit Inzidenz 50?!

Nach eigenen Angaben hat die Bundesregierung vor, den Inzidenzwert von 50 aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Bisher diente dieser als zentraler Indikator für Corona-Schutzmaßnahmen und BeschränkungenDie Vereinigung der Intensivmediziner begrüßt diesen Vorschlag der Politik. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx verweist hier auf die steigenden Impfquoten. Die Inzidenz solle trotzdem weiterhin beobachtet werden. Sie bleibe für die Entwicklung im Gesundheitswesen relevant. Das unterstützt auch Gesundheitsminister Jens Spahn: 

«Umso mehr sich infizieren, desto mehr werden natürlich auch weiterhin in den Kliniken behandelt werden müssen".
Lauterbach spricht sich gegen eine Abkehr von der Inzidenz aus

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach findet, dass die geplante Neuordnung «ein falsches Signal» sende. Er kritisiert, dass das Augenmerk jetzt nur noch auf der Zahl der Krankenhauseinweisungen liegt und es so scheint, als ob die Inzidenz nicht mehr wichtig wäre. Am Montag sagte er im Gespräch mit dem TV Sender Phoenix: 

«Das halte ich für falsch, weil auch viele derjenigen, die erkranken und nicht ins Krankenhaus müssen, schwer erkranken und langfristige Schäden davontragen.»