12.03.2019 | Deutschland Nach Absturz in Äthiopien: Deutscher Luftraum für umstrittene Boeing gesperrt

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max 8 zieht Deutschland Konsequenzen. Der komplette Luftraum wird für diesen Flugzeugtyp gesperrt.

Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Nach dem zweiten Absturz einer neuen Boeing 737 innerhalb weniger Monate verhängen immer mehr Länder Start- und Landeverbote, jetzt auch Deutschland. Der deutsche Luftraum wird für den Maschinentyp 737 Max 8 gesperrt, wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bestätigt. Zuvor hatte Minister Andreas Scheuer (CSU) dies dem Sender ntv gesagt.

Viele Airlines und Luftfahrtbehörden hatten aus Furcht vor einem technischen Problem ebenfalls von diesem Flugzeugmodell Abstand genommen. Fast die Hälfte der rund 350 seit 2017 ausgelieferten Maschinen bleibt infolge des Flugzeugabsturzes in Äthiopien am Sonntag mit 157 Toten inzwischen am Boden.

Auch der weltgrößte Reisekonzern Tui hatte zuvor alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp gestoppt. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, teilte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Hannover mit. Kunden, die von diesem Mittwoch an auf Flüge mit einer der 15 Boeing-Max-Maschinen gebucht sind, will der Konzern auf seiner Internetseite über Änderungen der Reisepläne informieren.

Mehrere Länder bereits mit Startverboten

Zuvor hatte die britische Luftfahrtbehörde mitgeteilt, dass sie nach dem Absturz in Äthiopien den Luftraum Großbritanniens für Maschinen des Typs 737 Max 8 sperrt. Die Anordnung werde bis auf Weiteres in Kraft sein, hieß es. Tui betonte nun, das Unternehmen folge dieser Anordnung. Davor hatten bereits mehrere Länder ein Startverbot gegen den Maschinentyp oder die gesamte Serie der 737 Max-Flieger verhängt. Darunter sind China, Indonesien, Großbritannien, Singapur, Australien, Malaysia und der Oman. Allein in China sind von dem Verbot knapp 100 Flugzeuge betroffen.

Noch keine Maschinen bei deutschen Airlines im Einsatz

Tui hat bei seinen Airlines in Großbritannien und den Benelux-Ländern insgesamt 15 Maschinen des Typs im Einsatz. Die deutsche Tochter Tuifly soll ihre erste Maschine der Reihe erst in einigen Wochen bekommen. Zuvor hatte Tui wiederholt betont, dass die Jets sicher seien und der Konzern sie weiterhin in der Luft lasse.

Lagebewertung europäischer Luftfahrtbehörde steht aus

Viele Airlines wie die norwegische Airline Norwegian und Luftfahrtbehörden wenden sich vom neuen Boeing-Typ ab. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA stellte für Dienstagabend eine Bewertung der Situation aus ihrer Sicht in Aussicht. Ein Sprecher der Behörde mit Sitz in Köln widersprach allerdings Gerüchten, dass eine Sperrung des europäischen Luftraums für den Maschinentyp geplant sei.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA erließ bisher kein Startverbot für die Maschinen. «Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen», hatte die FAA am Montag (Ortszeit) mitgeteilt.