29.05.2009 | Deutschland Nordkorea droht UN und feuert erneut Rakete ab

Nordkorea droht UN und feuert erneut Rakete ab
Nordkoreanische Rakete: Pjöngjang hat erneut eine Rakete abgeschossen.
Nordkorea setzt seine Provokationen gegen den Rest der Welt fort. Am Freitag feuerte die Armee des kommunistischen Landes bereits die sechste Rakete von kurzer Reichweite seit seinem weltweit verurteilten Atomtest vom vergangenen Montag ab.

Das Außenministerium in Pjöngjang sprach auch verbal weitere Drohungen aus. Sollten die Vereinten Nationen eine Strafe für den Atomtest vom vergangenen Montag aussprechen, werde Nordkorea weitere Maßnahmen zur «Selbstverteidigung» ergreifen. Den unterirdischen Atomversuch hatte das kommunistische Land als Teil von Maßnahmen für die atomare Abschreckung zur Selbstverteidigung bezeichnet.

Der Weltsicherheitsrat diskutiert gegenwärtig über eine Resolution zum nordkoreanischen Atomtest. Die Resolution könnte zu einer nochmaligen Verschärfung von Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang führen. Die UN hatten bereits nach dem ersten nordkoreanischen Atomtest im Oktober 2006 eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen das Land verhängt.

Nordkorea bezeichnete am Freitag die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - als «Heuchler». Der Test vom Montag sei weltweit der 2054. Atomversuch gewesen, wurde ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang von den staatlichen Medien zitiert. Davon entfielen 99,99 Prozent auf die fünf Länder. Falls der Sicherheitsrat «weitere Provokationen unternimmt, wird dies unvermeidlich zu stärkeren Selbstverteidigungsmaßnahmen führen».

«Feindseliges Verhalten» des Rates käme der Aufkündigung des Waffenstillstandsabkommens für die koreanische Halbinsel gleich, hieß es. Das Abkommen beendete den Korea-Krieg von 1950-53. Nordkorea hatte bereits am Mittwoch erklärt, es fühle sich nicht mehr an die Waffenstillstandsvereinbarungen gebunden. Zugleich hatte die nordkoreanische Volksarmee mit Militäraktionen gegen Südkorea gedroht. Grund dafür war, dass Südkorea als Reaktion auf den Atomtest seinen Beitritt zu einer US-geführten globalen Initiative gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen angekündigt hatte.

Nordkorea habe am Freitag vermutlich eine Boden-Luft-Rakete neuen Typs an der Ostküste des Landes gestartet, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsbeamten in Seoul. Die Reichweite dieses Raketentyps betrage schätzungsweise 160 Kilometer. Nordkorea hatte nach dem unterirdischen Atomtest und vor dem neuerlichen Raketenstart bereits fünf weitere Kurzstreckenraketen abgeschossen.

Wie Yonhap weiter unter Berufung auf Militärvertreter berichtete, verließen mittlerweile chinesische Fischerboote die Gegend an der umstrittenen innerkoreanischen Seegrenze im Gelben Meer. Der Rückzug erfolge offensichtlich aus Furcht vor möglichen Zusammenstößen zwischen Kriegsschiffen aus Süd- und Nordkorea. Südkoreas Militär wolle herausfinden, ob die Schiffe dies auf Betreiben Nordkoreas tun. An der Seegrenze war es in der Vergangenheit wiederholt zu Seegefechten zwischen beiden koreanischen Staaten gekommen.

Nach den Worten von US-Verteidigungsminister Robert Gates sieht Washington trotz der militärischen Drohungen Nordkoreas derzeit keinen Grund, die Truppenpräsenz der USA in Südkorea zu verstärken. «Ich weiß nichts von irgendwelchen militärischen Bewegungen im Norden, zumindest nicht über das Normale hinaus», sagte Gates nach einem Bericht der «New York Times» auf dem Flug zu einer Sicherheitskonferenz in Singapur.

Er sehe deshalb keine Notwendigkeit für eine Aufstockung der rund 28 000 Mann umfassenden US-Truppen in Südkorea. Sollte Pjöngjang «etwas Übereiltes und militärisch extrem Provozierendes unternehmen», hätten die USA bereits jetzt «die Macht, damit umzugehen». In dem zweiten nordkoreanischen Atomtest vom vergangenen Montag sehe die US-Regierung eine Aggression, aber keine Krise, so Gates weiter. Größere Sorge bereite ihm die mögliche Weiterverbreitung der Nukleartechnik durch die nordkoreanische Regierung. (Quelle: Seoul )