07.04.2009 | Deutschland Ruanda gedenkt des Völkermords vor 15 Jahren

Ruanda gedenkt des Völkermords vor 15 Jahren
Entsetzt steht die Besucherin einer Gedenkstätte vor den Schädeln von Opfern des Massenmords. (Archivbild)
Erinnerung an den Völkermord in Ruanda: Mit Feiern im ganzen Land begann am Dienstag eine Woche des Gedenkens an die Ermordung von 800 000 Tutsi und gemäßigten Hutu vor 15 Jahren.

Präsident Paul Kagame rief seine Landsleute auf, nach der Erfahrung ethnischen Hasses und Völkermords nach vorne zu blicken und eine gute Zukunft für Ruanda aufzubauen. Gleichzeitig erinnerte er wie viele Redner und Überlebende an das Versagen der internationalen Gemeinschaft.

Kagame warf den UN wegen ihres Verhaltens in Ruanda «Feigheit» vor. «Diejenigen, die die Menschen im Stich gelassen haben, die sie beschützen sollten, bevor auch nur ein Schuss gefallen istsind sie nicht schuldig?» fragte er vor 20 000 Menschen an der Gedenkstätte Nyanza Hill bei Kugali. Hier waren 5000 Menschen nach dem Abzug von UN-Blauhelmen ermordet worden. Die Menschen hatten vergeblich gehofft, die Blauhelme würden sie vor den mordenden Milizen beschützen. In Ruanda war 1994 zwar eine UN-Friedenstruppe stationiert, sie erhielt jedoch die Anweisung, nicht einzuschreiten.

Der brutale Massenmord hatte nach dem offiziell nie aufgeklärten Mordanschlag auf den ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana am 6. April 1994 begonnen. Die Opfer wurden oft mit Macheten zerstückelt, selbst Kirchen und Klöster waren keine sicheren Fluchtpunkte. Erst mit dem Einmarsch der von Kagame geführten Ruandischen Patriotischen Front (RPF), einer Organisation von Exil- Ruandern, die überwiegend der Tutsi-Minderheit angehörten, wurde dem Morden nach 100 Tagen ein Ende gesetzt.

Die ganze Woche lang werden Überlebende und Augenzeugen an die Ereignisse während des Massenmords erinnern. Am Dienstag gab es unter anderem Gedenkveranstaltungen bei den UN in Nairobi in Kenia, im tansanischen Arusha, wo ein UN-Tribunal über die Täter des Völkermords urteilt, und in Uganda. Dort wurden mehr als 900 Opfer des Völkermords in ein gemeinsames Massengrab umgebettet. Fischer und Dorfbewohner hatten 1994 die Leichen von rund 20 000 Ruandern, die im Viktoriasee trieben, aus dem Wasser geborgen und begraben. Bis zum Sommer sollen alle diese Toten ein würdiges Grab erhalten.

Nach einem Bericht ruandischer Traumaexperten leidet eine steigende Zahl der Überlebenden und Angehörige der Opfer an psychischen Störungen. Bereits im Vorfeld der Gedenkwoche hätten viele psychologische Hilfe gesucht, weil die Erinnerungen an die Tragödie zu übermächtig seien, berichtete der Verband ARCT-Ruhuka. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Nairobi/Kigali ) (Quelle: )