10.07.2009 | Deutschland Schüler bekommen vorerst kein Schulobst

Schüler bekommen vorerst kein Schulobst
Frisches Obst steht auf dem Tresen der Cafeteria eines Gymnasiums. Das Schulobst-Programm der EU soll von den Bundesländern finanziert werden. (Symbolbild)
Kinder in Deutschland werden vorerst kein kostenloses Obst und Gemüse in ihren Schulen bekommen. Der Bundesrat lehnte ein europäisches Schulobst-Programm ab, wonach Kindern zur gesunden Ernährung Äpfel, Orangen oder auch Bananen gratis angeboten werden sollten.

Die Länderkammer rief den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat an. Die Länder wehren sich dagegen, dass sie die EU-Hilfen für Deutschland von 20 Millionen Euro um zusammen 18,6 Millionen Euro aufstocken sollen. Sie fordern, dass der Bund die Kosten für das Programm übernimmt. Dies hatte der Bundestag zurückgewiesen. Die FDP rief dazu auf, die Differenzen noch vor Beginn des neuen Schuljahres beizulegen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) warnte die Länder zudem davor, dass die EU-Gelder verfallen könnten.

Um die Fettleibigkeit bei Kindern zu bekämpfen, hatten das Europaparlament und die EU-Agrarminister im vergangenen Jahr das Schulobst-Programm beschlossen. Brüssel stellt dafür jährlich 90 Millionen Euro zur Verfügung. Die freiwillig teilnehmenden Staaten müssen ihren Anteil aber noch einmal aufstocken. Seit April wird in einer Testphase an 18 Schulen in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz kostenlos Obst und Gemüse an 9000 Schüler verteilt, finanziert wird dies bis zu den Sommerferien vom Bund.

Nach Angaben des Verbraucherministeriums sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren in Deutschland zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass in Europa insgesamt etwa 22 Millionen Kinder fettleibig sind, 5 Millionen von ihnen gelten als schwer übergewichtig.

Die FDP fordert, dass sich Bund und Länder nun schnellstmöglich einigen und sich nicht den «Schwarzen Peter» zuschieben. Ansonsten könne das Programm nicht zum beginnenden Schuljahr starten, warnte ihr verbraucher- und ernährungspolitischer Sprecher Hans-Michael Goldmann. Der Deutsche Bauernverband erwartet, dass das Schulobst- Programm spätestens 2010 startet.

Unstrittig ist unter Experten, dass Kinder und Jugendliche zu wenig Obst und Gemüse essen. Das zeigte auch eine Umfrage im Auftrag des Verbraucherministeriums unter etwa 500 Schülern. Dabei bringen Gymnasiasten viel eher Gesundes mit in die Schule als Grund- und Hauptschüler. Am beliebtesten sind Erdbeeren, Äpfel, Kirschen und Gurken sowie Karotten und Tomaten. Pflaumen, Ananas, Kartoffeln und Rotkohl mögen Kinder und Jugendliche hingegen weniger. (Quelle: Berlin (dpa/lby))