06.03.2009 | Deutschland UN und Helfer befürchten neue Katastrophe in Darfur

UN und Helfer befürchten neue Katastrophe in Darfur
Tausende Flüchtlinge müssen im Sudan wie diese Frau in Flüchtlingslagern leben.
Nach der Ausweisung westlicher Hilfsorganisationen aus dem Sudan haben diese nachdrücklich vor einer drohenden humanitären Katastrophe gewarnt.

Die Entscheidung der Regierung in Khartum, nach dem internationalen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir 13 westlichen Hilfsorganisationen die Arbeitserlaubnis zu entziehen, setze das Leben von über einer Million Menschen auf dem Spiel, fürchtete Georgette Gagnon, Afrikadirektorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Der Sudan sei nach dem Völkerrecht verpflichtet, Menschen in Konfliktgebieten Hilfe zukommen zu lassen.

«Wir und die Bevölkerung von Darfur werden zu Geiseln des politischen Prozesses», sagte Christophe Fournier von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) International am Freitag in Genf. Allein MSF habe mehr als 20 000 Menschen behandelt, die nun ohne Hilfe zurückgelassen werden müssten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fürchtet unterdessen neue Flüchtlingsströme in der ohnehin konfliktgeladenen Region. «Unsere Erfahrung zeigt, dass eine hilfsbedürftige Bevölkerung auf der Suche nach Schutz und Hilfe weiterzieht, wenn sie die notwendige Hilfe nicht bekommen kann», sagte ein Sprecher.

Die Diakonie Katastrophenhilfe warnte vor den Folgen für die lebensnotwendige Versorgung von Flüchtlingen in Darfur. Das evangelische Hilfswerk betonte, dass die dort von dem seit sechs Jahren andauernden Konflikt betroffenen Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. Humanitäre Hilfe dürfe nicht «zum Spielball der Politik werden.»

«Ohne Unterstützung droht den Menschen im Nordsudan katastrophales Elend», sagte Thomas Schwarz von der von der Ausweisung betroffenen Hilfsorganisation CARE am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Sollte es bei dem Arbeitsverbot für die Helfer bleiben, werde sich die Situation für die Menschen zumindest mittelfristig extrem verschlechtern. «Allein CARE versorgt in Süd- und Westdarfur 500 000 Menschen mit Nahrung», sagte er. Die Hilfsorganisation Oxfam versorge dort rund 600 000 Menschen mit Wasser. Schwarz appellierte eindringlich an die sudanesische Regierung: «Lasst uns weiter arbeiten.»

Die sudanesische Regierung hatte am Mittwoch zunächst zehn internationalen Hilfsorganisationen die Arbeitserlaubnis entzogen und nun drei weiteren. Nach Angaben eines Regierungssprechers würden weitere Organisationen «überprüft». Hasabu Mohamed Abdel- Rahman, Leiter der Kommission für Humanitäre Angelegenheiten in Khartum, hatte den ausgewiesenen Hilfsorganisationen «Zusammenarbeit» mit dem Internationalen Strafgerichtshof vorgeworfen.

Das Haager Gericht hatte am Mittwoch Haftbefehl gegen Al-Baschir erlassen und verdächtigt ihn, in Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Al-Baschir ist das erste amtierende Staatsoberhaupt, gegen das der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehl erlassen hat. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - New York/Genf ) (Quelle: )