29.11.2009 | Deutschland Uruguay: Stichwahl zwischen Linken und Rechten

Uruguay: Stichwahl zwischen Linken und Rechten
Der linke Regierungskandidat José Mujica geht als Favorit in die Stichwahl.
Bei der Stichwahl um das uruguayische Präsidentenamt können die Uruguayer am Sonntag zwischen dem linken Regierungskandidaten José Mujica und dem konservativen Ex-Präsidenten Luis Alberto Lacalle entscheiden.

Mujica, ein früherer Tupamaru-Guerillero, geht als klarer Favorit in die Abstimmung und kann Umfragen zufolge mit etwa 50 Prozent der Stimmen rechnen. «Ich bin ganz entspannt. Hier sind keine großen Gefühle mehr im Spiel, das ist, als ob du mit deiner Schwester tanzt», meinte ein siegesgewisser Mujica lakonisch.

Im Falle eines Wahlsieges werde er direkt zum Volk sprechen, aber keine Pressekonferenz geben. «Was hätten wir da denn schon zu sagen? Da fragen sie dann, wen wir zu Ministern machen und solche Sachen. Und was weiß ich denn schon?», beschied er aufgeregt fragende Journalisten bei der Stimmabgabe. Eine Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments hatte sich das regierende Links-Bündniss Frente Amplio (FA, Breite Front) schon in der ersten Wahlrunde am 25. Oktober gesichert.

Damals hatte Mujica die für einen Sieg notwendige absolute Mehrheit mit 47,96 Prozent knapp verpasst. Lacalle kam mit 29,07 Prozent auf Platz zwei. Der Kandidat der Nationalen Partei vertritt die konservativen Kräfte, die das kleine Land 150 Jahre bis zum ersten Wahlsieg der Frente Amplio 2004 regiert hatten.

Mujica profitierte nach Einschätzung von Meinungsforschern von seiner Glaubwürdigkeit und den Erfolgen der zurückliegenden fünf Regierungsjahre unter Präsident Tabaré Vázquez, der gemäß der Verfassung nicht wieder antreten konnte. «Gewinner der Wahl ist auf jeden Fall das Volk», sagte der Arzt bei der Stimmabgabe. Zugleich schloss Vázquez eine erneute Kandidatur in fünf Jahren nicht aus: «Man soll nie nie sagen.»

Der Wahlkampf wurde von Wirtschafts- und Sozialthemen beherrscht. Tatsächlich aber liegen die beiden großen politischen Lager nach Einschätzung des Meinungsforschers Juan Carlos Doyenart gar nicht so weit auseinander, wie die kämpferische Rhetorik glauben mache. Lacalle und Mujica bekennen sich zur Marktwirtschaft, betonen die Notwendigkeit, Investitionen zu schützen und für klare und überschaubare Rahmenbedingungen zu sorgen. Mujica weist dem Staat jedoch eine wichtigere Rolle als Ordnungsfaktor in der Wirtschaft und bei der Bekämpfung der Armut zu. Lacalle hingegen würde den Staat lieber so schlank wie möglich machen.

Die FA hatte die Wahlen 2004 unter Vázquez mit absoluter Mehrheit gleich in der ersten Runde gewonnen. In den vergangenen fünf Jahren betrieb er eine gemäßigt linke Politik, die zahlreiche Reformen auf den Weg brachte. Der Politiker steht inhaltlich der europäischen Sozialdemokratie nahe. Er übergibt sein Amt am 1. März 2010 dem gewählten Nachfolger. (Quelle: Montevideo (dpa/lby))