07.10.2020 | Deutschland Vor Familienbesuchen: Virologe Drosten rät zu "Vorquarantäne"

Familienfeiern galten in den letzten Wochen des öfteren als Hotspot für Corona-Infektionen. Der Virologe Christian Drosten bringt jetzt einen Vorschlag der Vorquarantäne vor Familienbesuchen.

Foto: Michael Sohn/POOL AP/dpa

Trotz der Corona-Pandemie hält der Berliner Virologe Christian Drosten Familientreffen in der aktuellen Lage im Herbst und Winter für vertretbar - aber unter gewissen Voraussetzungen. "Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden", sagte der Wissenschaftler der Berliner Charité in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Wochenzeitung «Die Zeit».

In der Zeit mit weniger sozialen Kontakten sinkt auch das Risiko sich mit dem Corona-Virus anzustecken. "Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich", so der Experte der Charité. "Das könnte ein Ansatz sein für die kommende Zeit, jetzt für die Herbstferien und vielleicht auch für Weihnachten."

Drosten mit Vorschlag zu Infektionszahlen 

Bei Krankheitsanzeichen, wie einem leichten Halskratzen oder einer laufenden Nase sollte man nach Aussagen des Virologen lieber daheim bleiben und Besuche absagen. Im Hinblick auf die aktuelle Situation riet Drosten zur gespannten Aufmerksamkeit. Im Moment gebe es keine überfüllten Krankhäuser oder Intensivstationen, man müsse aber aufpassen, dass es nicht so weit kommt. 

Weiter brachte der Berliner Virologe den Vorschlag, neben den Infektionszahlen die Infizierten über 50 Jahren in den Zahlen gesondert auszuweisen. "Anhand dieser Zahl könnte man gut prognostizieren, mit wie viel schweren Verläufen man demnächst rechnen muss.", so Drosten.