27.01.2020 | Deutschland Kita in Erfurt verbietet an Fasching Kostüme: „Kultursensibler Umgang“ ist der Grund

Fasching im Februar fällt an einer Erfurter Kita dieses Jahr aus. Der Grund: Der Betreiber verbietet Faschingsverkleidungen, um einen „kultursensible[n] Umgang miteinander“ zu gewährleisten.

An Rosenmontag und Faschingsdienstag laufen keine kleinen Cowboys, Piraten und Prinzessinnen durch die Kita „Campus Kinderland“ in Erfurt. „Mitgebrachte Faschingskostüme bleiben an beiden Tagen im Fach des Kindes“, schreibt der Betreiber der Kita, das Studierendenwerk Thüringen, in einem Elternbrief.

Kostüme fördern Stereotype

Durch die Verkleidungen verwandeln sich die Kinder in ihre persönlichen Helden oder in Figuren, die sie selbst gerne wären. Auf der einen Seite brauche es Stereotype „um die Komplexität der Welt der Welt zu reduzieren“, anderseits sei wichtig zu „sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, zum Teil sogar entwürdigend sein können.“

Die Schlussfolgerung: Am Rosenmontag und Faschingsdienstag sind Verkleidungen unerwünscht. Der Grund: „kultursensibler Umgang miteinander“, teilt das Kita-Team mit.

Ersatz-Faschingsfeier

Ganz fällt der Fasching im „Campus Kinderland“ aber nicht aus. Vergangene Woche hat eine „Winter-Wonderland-Faschingsparty“ stattgefunden – mit Hindernisparcours, Schminkstand und Hüpfburg. Hier waren Kostüme erlaubt.

Allgemeine Kostümkritik

Immer wieder werden Faschingsverkleidungen kritisiert. Viele sehen es problematisch, wenn etwa Spielzeugpistolen mit Platzpatronen oder Plastikschwerter zu Kostümen gehören, wie etwa bei Cowboys oder Rittern. Diese Fake-Waffen verherrlichen Gewalt, so ein häufiges Argument von Kostümkritikern. Außerdem besteht Verletzungsgefahr.

Verkleiden sich Kinder und Erwachsene als Figuren aus anderen Kulturen, etwa als Indianer, stützen sie sich dabei häufig auf Klischees. Das sei diskriminierend gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern, die selbst häufig gar keinen Federschmuck oder Gesichtsbemalung tragen, erklärt etwa der Verein "Native American Association of Germany".