04.05.2022 | Deutschland Zensus 2022: So funktioniert die Volkszählung

2022 gibt es nach 11 Jahren Pause wieder eine Volkszählung. Von den Zensus-Ergebnissen hängt viel ab: Gesetze, Einteilung von Wahlkreisen, die Entscheidung über einen zusätzlichen Feiertag. Die Teilnahme ist Pflicht. Alles, was ihr zum Zensus 2022 wissen müsst, haben wir euch hier zusammengefasst.

Foto: dpa / Daniel Karmann

Wie viele Einwohner hat Bayern eigentlich genau? Wie leben die Menschen hier? Welchen Schulabschluss haben sie? Welchen Beruf üben sie aus? 

Diese Fragen werden alle 10 Jahre beim Zensus beantwortet. Obwohl der letzte Zensus im Jahr 2011 war, findet er erst in diesem Jahr statt. Grund dafür ist, dass die Befragungen, die eigentlich 2021 hätten stattfinden sollen, wegen der Corona-Pandemie diesmal um ein Jahr auf 2022 verschoben wurden. 

Wir klären eure wichtigsten Fragen und Antworten zur Volkszählung.

Alle Fragen auf einen Blick:

Hier kommen die Antworten auf eure Fragen zum Zensus 2022:

Wer wird befragt?

Bei der letzten wortwörtlichen «Volkszählung» 1987 wurde noch bei sämtlichen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland «durchgezählt». 2022 behilft man sich wie beim letzten Zensus 2011 mit einer zufällig ausgewählten Stichprobe. Im Freistaat wurden nach diesem Verfahren laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik rund 550.000 Anschriften ausgewählt. Deutschlandweit werden etwas mehr als 10 Prozent, also etwa 10,2 Millionen Menschen befragt. 

Wann finden die Befragungen statt?

Die ersten ausgewählten Personen werden am Montag, 16. Mai, befragt. Die Erhebungen sollen bis Mitte August abgeschlossen sein.

Wer befragt?

In Bayern sind rund 20.000 Erhebungsbeauftragte im Einsatz, die sich dafür gemeldet haben. Diese Interviewer absolvieren eine Schulung - mit den Befragungen können sie sich steuerfrei etwas dazuverdienen.

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Wann erfahre ich, ob ich ausgewählt wurde?

Die Interviewer können sich selbst einteilen, wann sie innerhalb des Befragungszeitraums wen befragen. Vorab informieren sie die ausgewählten Haushalte mit schriftlichen Terminankündigungen. Einige Bürgerinnen und Bürger in Bayern könnten diese schon im Briefkasten haben. Innerhalb der kommenden zwei Wochen sollten die meisten Ausgewählten Bescheid wissen. Terminankündigungen können aber auch noch nach dem Zensus-Start am 16. Mai eintreffen.

Wie läuft so eine Befragung ab? Wie lange dauert sie?

Der Interviewer kommt zum vorher angekündigten Termin. Allen ausgewählten Personen werden Fragen etwa zu Alter, Familienstand oder Haushaltsgröße gestellt. Das dauert fünf bis zehn Minuten.

Ungefähr der Hälfte der Personen werden zudem Fragen aus einem erweiterten Fragebogen gestellt. Dabei geht es etwa um Schulabschluss oder Beruf. Diese Befragung dauert nochmal 10 bis 15 Minuten. Man kann diese Fragen entweder direkt dem Interviewer beantworten, einen Papier-Fragebogen ausfüllen oder später online antworten.

Im Rahmen des Zensus werden außerdem - unabhängig von den Befragungen der Bürgerinnen und Bürger - Auskünfte aller Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnungen oder Gebäuden mit Wohnraum eingeholt.

Hier geht's zum Musterfragebogen

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Muss ich antworten?

Ja. Nach dem Zensusgesetz 2022 sind die ausgewählten Personen auskunftspflichtig. Kommt man auch Erinnerungen und Mahnungen nicht nach, wird im schlimmsten Fall ein Zwangsgeld von mindestens 300 Euro fällig - von der Auskunftspflicht ist man mit der Zahlung laut Statistikamt übrigens nicht entbunden. Beim Zensus 2011 war die Auskunftsbereitschaft demnach aber sehr hoch. Zwangsgelder habe es nur in Einzelfällen gegeben.

Unabhängig von der Verpflichtung sei der Zensus für eine Demokratie unverzichtbar. Er garantiere die gerechte und damit faire Verteilung demokratischer Teilhabe in Bund, Länder und Kommunen.

Ich gebe fremden Menschen Auskunft - was ist mit dem Datenschutz?

Ein Sprecher des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, Thomas Petri, teilte mit, man sehe derzeit keinen Anlass zur Sorge. Der Schutz der Daten sei durch Statistikgeheimnis oder Zweckbindungsgebot gewährleistet. Veröffentlicht würden nur zusammengefasste Ergebnisse, die keine Rückschlüsse auf einzelne Personen, Haushalte oder Gebäude zulassen. Beim Zensus 2011 seien in Bayern keine gravierenden Mängel festgestellt worden.

Das Bayerische Landesamt für Statistik betonte, die Erhebungsbeauftragten seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Verstöße hätten strafrechtliche Konsequenzen.

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Warum wird der Zensus gemacht? Wofür werden die Ergebnisse verwendet?

Mit dem Zensus soll zum einen die genaue Bevölkerungszahl ermittelt und Ungenauigkeit in den Melderegistern behoben werden. Für Aufsehen sorgte nach dem Zensus 2011, dass laut den Ergebnissen gut eineinhalb Millionen weniger Menschen in Deutschland lebten als angenommen. Der Zensus geht aber über eine bloße Zählung hinaus, die Ergebnisse sind Grundlage politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.

Die im Zensus 2011 ermittelten Einwohnerzahlen etwa wirkten sich auch auf den Länderfinanzausgleich aus. Bayern bekam mehr als 220 Millionen Euro zurück. Zudem erhielt der Freistaat bei der Bundestagswahl 2017 einen 46. Wahlkreis - während Thüringen einen abgeben musste.

Eine Rolle spielten die Daten auch zum Beispiel bei der Gesetzgebung zum Mindestabstand um Windräder. Mit den Zensus-Ergebnissen kann für den Wohnungsmarkt geplant oder ermittelt werden, wo es Schulen oder Altenheime braucht. Neue Ergebnisse könnten für einige Bayern über zusätzliche Belastung oder Erholung entscheiden: «Mariä Himmelfahrt» am 15. August ist in überwiegend katholischen Gemeinden ein gesetzlicher Feiertag - ermittelt wird das auf Basis des Zensus.

Wann liegen die Ergebnisse des Zensus 2022 vor?

Voraussichtlich ab Ende 2023.

Vorsicht, Betrüger - Wie erkenne ich Betrug? 

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat vor Trittbrettfahrern gewarnt, die den Zensus 2022 für kriminelle Machenschaften nutzen könnten. 

Die Interviewer, die die Befragungen durchführen, kommen demnach nie unangekündigt vorbei. Sie hätten offizielle Ausweise, die sie als Erhebungsbeauftragte kennzeichnen. Der erste Kontakt mit ihnen kommt ausschließlich über die Terminankündigungsschreiben zustande, die die ausgewählten Personen vorher in den Briefkasten bekommen. Die Interviewer dürfen nicht nach Einkommen, Religion, Bankinformationen, Ausweisdokumenten, Passwörtern, Unterschriften oder Impfstatus fragen, betonte das Amt. Bei Zweifeln solle man die Polizei oder das Bayerische Landesamt für Statistik kontaktieren.

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