09.02.2010 | Sport America's Cup: Segeln ohne Wind und Wonne

Valencia (dpa) ­ Der 33. America's Cup wird kein Publikumsknüller. Ausgetragen zwischen mehreren Gerichtsterminen und zur falscher Zeit im Winter vor Valencia, fehlen der Regatta entscheidende Zutaten zum Zuschauermagneten.

America's Cup: Segeln ohne Wind und Wonne
Die Alinghi wartet am Tag der ersten geplanten Wettfahrt vor der Küste Valencias auf Wind.
Valencia (dpa) ­ Der 33. America's Cup wird kein Publikumsknüller. Ausgetragen zwischen mehreren Gerichtsterminen und zur falscher Zeit im Winter vor Valencia, fehlen der Regatta entscheidende Zutaten zum Zuschauermagneten.

«Obszöne Veranstaltung, Zeitverschwendung, Beleidigung für den Segelsport», fasst Bruno Troublé das Duell um die begehrteste Segelsporttrophäe der Welt zusammen. Der ehemalige Organisationschef des einst so glamourösen Spektakels kann kaum fassen, was aus «seinem» America's Cup geworden ist.

Weil der Streit zwischen Verteidiger Alinghi und Herausforderer BMW Oracle Racing aus dem Ruder gelaufen ist, wird der Cup 159 Jahre nach seiner Premiere nicht mehr von Sport und Spannung, sondern von erbittertem Streit und erschwerten Rahmenbedingungen geprägt. «Wir wollten nie im Februar vor Valencia segeln», gab auch Titelverteidiger und Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli zu Protokoll, «zu dieser Jahreszeit sollten wir lieber zu Hause Skifahren.»

Doch ein New Yorker Gericht hat es anders gewollt. Die vom US-Team BMW Oracle Racing vor zweieinhalb Jahren initiierte Klagewelle gegen das Schweizer Team mündete in fatale Urteile: Das 33. Cup-Duell wird mangels Einigung zwischen den beiden Streitparteien zur falschen Zeit und nach Regeln von 1887 ausgetragen. So konnte das am Montag aufgrund einer Flaute ausgefallene Auftaktrennen nicht etwa bei besten Windbedingungen am Dienstag wiederholt werden, sondern darf erst am Mittwoch gestartet werden. Dann soll laut Wetterexperten wieder Flaute herrschen.

«Gut, dass heute keine Fernsehbilder angeboten werden», meinte Troublé im gut gefüllten Pressezentrum, «die Menschen würden uns ja umbringen, wenn sie die schönen Segelbedingungen hier sehen würden ­ leider ohne Segelsport.» Die angestaubte Stiftungsurkunde hat das umstrittene Timing vorgegeben, weil ein Ruhetag bis zum nächsten angesetzten Rennen eingehalten werden muss.

Ein amerikanischer Sportjournalist formulierte seine Erinnerung an die 32. Cup-Auflage vor drei Jahren mit elf Teams aus zehn Ländern sehnsüchtig: «Der Sommer der Liebe nach dem Vorbild der Sechziger ­ das war einmal.» Tatsächlich herrscht Eiszeit in Valencia. Im heute wenig belebten Cup-Hafen haben sich die beiden verfeindeten Teams so weit entfernt voneinander wie möglich eingerichtet. Ihre Protagonisten verweigern gemeinsame öffentliche Auftritte, kein Tag vergeht ohne gegenseitige Verbalattacken.

Die verlassenen Hauptquartiere früherer Cup-Teams, die für diesen Zyklus vom Geschehen ausgeschlossen wurden, wirken wie Mahnmale. Fans, Journalisten und auch Segler hadern mit dem Cup. Es könnte noch Wochen dauern, bis die zwei oder maximal drei Rennen absolviert sind und ein Endergebnis fest steht.