03.08.2009 | Sport Bayern noch nicht titelreif - Rensing bleibt Nr. 1

Die glanzlose Pflichterfüllung gegen Pokal-Zwerg Neckarelz hatte der FC Bayern München schnell abgehakt, Gesprächsstoff bot vor allem die eigentlich entschiedene Torwart- Frage.

Bayern noch nicht titelreif - Rensing bleibt Nr. 1
Der Neckarelzer Heiko Throm (r) erzielt gegen Bayerns Michael Rensing dasTor zum 1:2.
Die glanzlose Pflichterfüllung gegen Pokal-Zwerg Neckarelz hatte der FC Bayern München schnell abgehakt, Gesprächsstoff bot vor allem die eigentlich entschiedene Torwart- Frage.

«Es nervt mich, dass jetzt die Diskussion vielleicht wieder losgeht», sagte Michael Rensing, der beim mühseligen 3:1 (0:0) in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Fußball-Verbandsligist SpVgg Neckarelz den Gegentreffer verantwortete. Und das, nachdem Trainer Louis van Gaal das zuletzt meist diskutierte Thema eigentlich vor dem Anpfiff demonstrativ zu den Akten gelegt und den 25-Jährigen nach langem Positionskampf mit Jörg Butt zum Stammtorhüter erklärt hatte. Trotz Rensings Lapsus' ließ sich der Niederländer dann auch (vorerst) zu keiner neuen Debatte hinreißen. «Er bleibt die Nummer 1», betonte er.

Doch nicht nur wegen des Rensing-Patzers hinterließ der Meisterschafts-Favorit eine Woche vor dem Liga-Start in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena noch bei weitem keinen titelreifen Eindruck. «Wir haben heute nicht gut gespielt, das war kein schöner Tag für uns. Das Ergebnis war letztendlich egal, aber es ging um die Art und Weise», mahnte Doppel-Torschütze Mario Gomez. Tags darauf konnte er der holprigen Vorstellung aber schon wieder etwas Positives abgewinnen. «Vielleicht war das Spiel zum richtigen Zeitpunkt», sagte der 24-Jährige, nachdem Trainer und Team die Partie «ganz normal» analysiert hatten.

Coach van Gaal hatte die ziemlich blutleere Vorstellung der mit Spannung erwarteten Formation, die nun auch gegen 1899 Hoffenheim gesetzt scheint, schon nach dem Abpfiff milde beurteilt. «Wir haben gegen einen sehr gut organisierten Gegner gespielt», sagte der sonst gestrenge Niederländer. Nach den ersten Pflichtspiel-Treffern von Gomez (51., 57./Handelfmeter) hatte dennoch erst Rensing den 30 017 Zuschauern noch spannende Momente beschert, als er eine abgefälschte Hereingabe nicht festhielt und Heiko Throm (80.) den Ball zum Ehrentreffer für Neckarelz über die Linie schob. Und das, obwohl der Underdog nach Gelb-Rot für Christian Fickert (73.) in Unterzahl war. Erst nach Hamit Altintops Tor (82.) war der Rekord-Pokalsieger aller Sorgen gegen den rangtiefsten Wettbewerber ledig.

Van Gaal entschuldigte sein Team mit dem zuletzt straffen Pensum. «Wir hatten zehn Spiele in viereinhalb Wochen: Das war zu viel.» Wie die Partien in der Vorbereitung dürften dem 57-Jährigen aber auch die neben Rensings Fehler diskussionswürdigen Aspekte zu zahlreich gewesen sein. Jungprofi Thomas Müller konnte als «Zehner» die Sehnsucht nach Franck Ribéry ebenso wenig lindern wie die Außen Schweinsteiger und Altintop, den van Gaal Elf-Millionen-Neuzugang Timoschtschuk vorzog. Und die Innenverteidigung mit van Buyten und dem überraschend für Holger Badstuber nominierten Martin Demichelis wirkte selbst gegen die Neckarelzer Nobodies nicht unverwundbar.

Insgesamt fehlte dem Bayern-Spiel der von Passspiel-Fan van Gaal geforderte Fluss, den man bei den Siegen gegen den AC Mailand und Manchester United wenige Tage zuvor noch zu erkennen glaubte. «Da haben wir den Ball laufen lassen und das Spiel mit ein oder zwei Kontakten schnell verlagert. Heute nicht», konstatierte auch Mark van Bommel, den van Gaal als Kapitän bestätigte.

Richtig happy waren nur die Unterlegenen. «Ich bin unendlich stolz auf meine Mannschaft. Wir haben dem großen FC Bayern Paroli geboten», sagte SpVgg-Trainer Peter Hogen. «Irgendwie fühlt man sich nicht als Verlierer, sondern eher als Sieger.» Das dürfte manchem Münchner genau andersherum gegangen sein. (Quelle: Sinsheim (dpa/lby))