27.06.2009 | Sport Brasiliens letzter Kraftakt: «Wir werden Champion»

Noch einmal Samba Seleção - oder doch «Yes we can» durch die US-Boys? Brasilien ist vor dem Finale des Confederations Cups in Südafrika gewarnt, will aber mit einem letzten Kraftakt seinen Titel bei der WM-Generalprobe gegen den Außenseiter verteidigen.

Brasiliens letzter Kraftakt: «Wir werden Champion»
Brasiliens Aushängeschild Kaka im Spiel gegen Südafrika am Ball.
Noch einmal Samba Seleção - oder doch «Yes we can» durch die US-Boys? Brasilien ist vor dem Finale des Confederations Cups in Südafrika gewarnt, will aber mit einem letzten Kraftakt seinen Titel bei der WM-Generalprobe gegen den Außenseiter verteidigen.

«Die Amerikaner werden noch einmal absolut motiviert in das Spiel hineingehen. Sie haben unglaublich geschickt verteidigt bei ihrem Sieg im Halbfinale gegen die Spanier, aber ich glaube, dass sich die Brasilianer am Ende doch durchsetzen werden», sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Showdown. «Sie sind es ja so ein bisschen gewohnt, den Confed Cup zu gewinnen.»

Vor vier Jahren in Deutschland triumphierten Ronaldinho, Kaká und Co. mit 4:1 gegen den Erzrivalen aus Argentinien - zum zweiten Mal nach 1997. Ein Erfolg bei der Mini-WM ist jedoch längst kein Garant für ein erfolgreiches Abschneiden 2010, wie die Brasilianer seit dem bitteren Aus im WM-Viertelfinale 2006 gegen Frankreich wissen. «Wer hier gewinnt, wird im nächsten Jahr nicht Weltmeister. Das weiß doch jeder», hatte Italiens Trainer Marcello Lippi bereits vor dem Ausscheiden der Squadra Azzurra prophezeit.

Für Brasilien und die USA geht es im Ellis Park Stadion von Johannesburg nicht nur ums Prestige: Der Weltverband FIFA zahlt dem Turniersieger 2,7 Millionen Euro, der unterlegene Finalist bekommt 2,3 Millionen. Der Gewinner des «kleinen Finales» zwischen Europameister Spanien und Gastgeber Südafrika in Rustenburg kassiert 1,9 Millionen, der Verlierer 1,6.

Nach einer Serie von sieben Siegen geht die Mannschaft von Carlos Dunga mit enormem Selbstbewusstsein in die Partie. Die einzige Niederlage des Südamerika-Meisters gegen die USA in elf Duellen stammt von 1998 vom Gold-Cup (0:1). «Klar werden wir Champion», sagte Mittelfeldspieler Ramires. «Wir glauben an unsere Spielweise, wir glauben an den Sieg», meinte sein Kollege Gilberto Silva. Superstar Kaká warnte jedoch davor, die Amerikaner nach dem 3:0-Sieg in der Vorrunde auf die leichte Schulter zu nehmen: «Ich glaube, die haben aus dem ersten Spiel gelernt. Das wird dieses Mal viel härter.»

Nach dem mühevollen 1:0 im Halbfinale gegen die Bafana Bafana und dem sechsten Spiel innerhalb von 19 Tagen ist der fünfmalige Weltmeister jedoch müde - und die ohnehin athletischen Amerikaner, nach zwei Niederlagen in der Vorrunde von allen bereits abgeschrieben, wittern nach ihrem Halbfinal-Coup gegen Spanien Morgenluft. «Die USA haben eine sehr clevere Spielweise, die unangenehm sein kann», sagte Franz Beckenbauer über den Weltranglisten-14.

Dessen Coach Bob Bradley meinte vor dem Fight um den 7,5 Kilo schweren, mit vergoldetem Silber überzogenen Holzpokal: «Es wird für uns eine weitere große Herausforderung. Es ist aufregend, im Finale zu stehen. Und wenn man so weit gekommen ist, hat man auch eine Chance.» Sein Sohn Michael muss nach seinem Platzverweis gegen Spanien auf der Tribüne sitzen, der Bundesliga-Profi von Borussia Mönchengladbach versucht es, mit Fassung zu tragen: «Die Rote Karte ist egal. Das Team besteht aus 23 Spielern. Es ist im Finale, allein das zählt.» Für ihn soll der in Rio de Janeiro geborene Ex-Hamburger Benny Feilhaber auflaufen.

Nicht nur Kaká weiß, dass das Traumfinale eigentlich ein anderes war: «Jeder wollte Brasilien gegen Spanien sehen, jetzt ist es eine große Überraschung, dass es gegen die USA geht», sagte der 65- Millionen-Euro-Neuzugang von Real Madrid. Im Finale wird zudem der Torschützenkönig ermittelt: Die Spanier David Villa und Fernando Torres sowie Brasiliens Luis Fabiano liegen im Rennen um den «Goldenen Schuh» mit drei Toren vorn, Kaká, Clint Dempsey (USA) und Bernhard Parker (Südafrika) mit jeweils zwei dahinter.

Für die Spanier gerät der Finaltag zu einer lästigen Pflichtübung, auch wenn das keiner ausspricht. «Wir werden versuchen, das Spiel um Platz drei zu gewinnen», sagte Vicente del Bosque. Für Bundestrainer Löw ist der Europameister dennoch «das beste Team des Turniers», doch der Coach der Iberer mag das nicht mehr hören: «Ich mag diese Bezeichnung nicht, wenn man an die Potenziale von Nationen wie Brasilien oder England oder auch Deutschland denkt.» (Quelle: Johannesburg (dpa/lby))