30.06.2009 | Sport Bundestrainer Becker hält an Tierarzt fest

Bundestrainer Otto Becker hält trotz des Doping-Falls Isabell Werth an der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierarzt Hans Stihl fest. «Ich kenne ihn seit 30 Jahren und arbeite mit ihm gut zusammen», sagte der Coach der deutschen Springreiter in Aachen.

Bundestrainer Becker hält an Tierarzt fest
Bundestrainer Otto Becker bei den Deutschen Meisterschaften in Balve.
Bundestrainer Otto Becker hält trotz des Doping-Falls Isabell Werth an der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierarzt Hans Stihl fest. «Ich kenne ihn seit 30 Jahren und arbeite mit ihm gut zusammen», sagte der Coach der deutschen Springreiter in Aachen.

Auch bei einigen deutschen Top-Springreitern und im Stall des größten deutschen Pferdehändlers Paul Schockemöhle arbeitet Stihl. Der Veterinär ist in der Kritik, weil er ein für Pferde nicht zugelassenes Medikament bei Werths Wallach Whisper eingesetzt hatte. Die gesperrte Dressurreiterin will nach Angaben ihres Anwalts die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Tierarzt beenden.

«Ich habe mit ihm gute Erfahrungen gemacht», berichtete Becker, der seine aktive Karriere Ende vergangenen Jahres beendet hatte. Er betreibt weiter einen Turnierstall in Sendenhorst bei Münster, seine Pferde werden von Franz-Josef Dahlmann geritten. «Es gehören immer zwei dazu, alles wird genau abgesprochen», sagte Becker. Er arbeitet nach eigenen Angaben mit mehreren Tierärzten zusammen: «Das kommt auf das jeweilige Fachgebiet an.»

Werth will entgegen ihren ersten Aussagen nicht mehr mit dem Schweizer zusammenarbeiten. Der Veterinär hatte nach ihren Angaben die Abbauzeit der Substanz Fluphenazin falsch eingeschätzt. Das Vertrauensverhältnis ist daher zerstört. Stihl ist aber besonders deshalb umstritten, weil das von ihm bei Whisper angewandte Medikament Modecate für Pferde gar nicht zugelassen ist. Es handelt sich um ein Psychopharmakon aus der Humanmedizin. Zudem steht es auf der Dopingliste der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI).

Auch Schockemöhle will seine Pferde weiter von Stihl behandeln lassen, «es sei denn, man nimmt ihm die Lizenz». Er arbeite seit rund 40 Jahren mit dem Schweizer zusammen. «Er ist einer der seriösesten Tierärzte, die ich kenne», sagte der ehemalige Europameister.

Stihl ist nicht das erste Mal an einem Dopingfall einer deutschen Reiterin beteiligt. Er hatte unter anderem das Pferd Rusty von Ulla Salzgeber behandelt, die 2003 wegen Dopings ihren Weltcup-Sieg aberkannt bekam. Stihl habe bei Rusty ohne ihr Wissen das Präparat Testosteron-Proprionat wegen einer Hauterkrankung eingesetzt, hatte die Reiterin damals erklärt. Der Schweizer hatte auch Toni Haßmanns Classic H behandelt, bei dem im Februar 2005 in Bordeaux die im Wettkampf verbotenen Substanzen Betamethason und Methylprednisolon gefunden wurden. (Quelle: Aachen (dpa/lby))