27.06.2009 | Sport EM-Titel greifbar nah - Neuer Weltklasse

Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr, Siegtorschütze Andreas Beck jubelte ausgelassen, fast alle Spieler liefen auf Manuel Neuer zu, und Trainer Horst Hrubesch tanzte Arm in Arm mit seinem Torhüter.

EM-Titel greifbar nah - Neuer Weltklasse
Die deutsche Torwart Manuel Neuer (Mitte) wird nach dem Spiel gefeiert.
Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr, Siegtorschütze Andreas Beck jubelte ausgelassen, fast alle Spieler liefen auf Manuel Neuer zu, und Trainer Horst Hrubesch tanzte Arm in Arm mit seinem Torhüter.

Der Schlussmann des FC Schalke 04 hatte mit seinen glänzenden Reaktionen den 1:0-Sieg gegen Italien und damit den ersten Einzug ins Finale einer U 21-Europameisterschaft seit 27 Jahren gerettet. «Das ist eine Belohnung für uns alle. Jetzt freuen wir uns auf das Endspiel gegen England», sagte der überragende Neuer, der noch in der Nachspielzeit mit einer spektakulären Fußabwehr den Erfolg gegen das Nachwuchsteam des Weltmeisters verteidigte.

Auch auf der Ehrentribüne des altehrwürdigen Olympiastadions von Helsingborg sorgte der Finaleinzug für gelöste Stimmung. Doch Matthias Sammer mahnte trotz aller Freude gleich wieder höchste Konzentration an. «Das macht uns stolz und glücklich, aber wenn man ein Finale vor der Brust hat, muss erkennbar sein, dass es dort um alles geht», sagte der DFB-Sportdirektor im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Sammer erklärte unmissverständlich den Titelgewinn zur Pflichtnummer. «Platz zwei ist gut und schön, aber wir müssen unter allen Umständen dieses Finale gewinnen wollen», betonte der Sportdirektor.

Torhüter Neuer hielt sein Team im Spiel (Sammer: «Das war Weltklasse»), doch der Matchwinner war Andreas Beck. Sein Treffer in der 48. Minute sorgte nach einer schwachen ersten Halbzeit, in der die Italiener reihenweise beste Tormöglichkeiten vergaben, für den Einzug ins Finale gegen England am 29. Juni in Malmö. «Dieses Tor wird einen ganz besonderen Platz in meinem Leben einnehmen», sagte der Rechtsverteidiger.

Bis zu diesem Moment war die Mannschaft noch weit vom Finale entfernt. Die Abwehr stand zwar wie zuletzt meist gut, war aber bei Standardsituationen der Italiener nicht auf der Höhe. «Wenn die Italiener mit ihrer Masse von Eckbällen in Führung gegangen wären, hätten wir uns nicht beschweren dürfen», meinte Hrubesch, der allmählich zum Erfolgsgaranten für den DFB wird. Mit der U 19 beendete der Coach im Vorjahr mit dem EM-Gewinn die 16 Jahre dauernde titellose Durststrecke, nun schaffte er den ersten Einzug ins Finale mit der U 21 und im September startet Hrubesch mit der U 20 nicht aussichtslos in die Weltmeisterschaft.

Der 58 Jahre alte DFB-Coach war mit dem Auftreten seiner Mannschaft im zweiten Abschnitt hochzufrieden. «Der Schlüssel zum Sieg war, dass wir versucht haben, das Spiel selber zu bestimmen und in der Lage waren, die italienischen Stürmer aus dem Spiel zu nehmen», meinte Hrubesch. «Der Druck war nach der Vorrunde raus, wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt.» Vor dem zweiten Duell mit den Engländer sieht er sein Team in der besseren Ausgangssituation. «Im Finale haben wir den Vorteil, keine Verlängerung gespielt zu haben. Natürlich freuen wir uns, aber wir haben noch nichts erreicht», betonte Hrubesch, der sich mit seinen Jungs in der Nacht noch ein Bier gönnte. «Aber um zwei war der Letzte im Bett», verriet der Coach, ehe am der Umzug nach Malmö anstand.

Nur ein Spieler im deutschen Team war traurig: Ashkan Dejagah sah als einer von sieben vorbelasteten Spielern die zweite Gelbe Karte - wegen einer «Schwalbe». «So verrückt kann man eigentlich nicht sein, sich so eine Karte abzuholen. Da muss er nun mit leben und von der Tribüne aus mithelfen, dass wir den Titel gewinnen», meinte Hrubesch. Dafür steht Kapitän Sami Khedira, der wegen Verletzung fehlte, wohl wieder zur Verfügung. «Das war sehr schwierig von draußen zuzusehen, aber ich gehe davon aus, dass ich im Finale wieder dabei bin», sagte der Stuttgarter, der wegen eines Blutergusses im Knie pausieren musste. Offen ist noch der Einsatz von Marko Marin, der einen Schlag auf den Fuß erhielt. «Bei Sami sieht es gut aus. Er kann schon wieder trainieren. Und bei Marko ist es wohl nichts Großartiges», sagte DFB-Trainer Horst Hrubesch.

Die Engländer, gegen die es in der Vorrunde ein 1:1 gab, müssen nach ihrem 5:4 im Elfmeterschießen und einer zuvor verspielten 3:0- Führung gegen EM-Gastgeber Schweden, im Endspiel auf drei Spieler verzichten. Unter ihnen ist Torhüter Joe Hart, der einen Elfmeter verwandelte, den entscheidenden hielt und dann Gelb sah, weil mit den schwedischen Schützen während des Elfmeterschießens redete. (Quelle: Helsingborg (dpa/lby))