19.04.2009 | Sport F-1-Teams diskutieren über Gelder für BrawnGP

Das derzeit in der Formel 1 dank des Doppel-Diffusors dominierende Team BrawnGP muss um Gelder aus dem Grand-Prix-Topf bangen.

F-1-Teams diskutieren über Gelder für BrawnGP
Der Honda-Nachfolger BrawnGP muss um Gelder aus dem Grand-Prix-Topf bangen.
Das derzeit in der Formel 1 dank des Doppel-Diffusors dominierende Team BrawnGP muss um Gelder aus dem Grand-Prix-Topf bangen.

Besonders lautstark forderte Renault-Teamchef Flavio Briatore in Shanghai, dass der Honda-Nachfolger nicht in den Genuss der schätzungsweise 25 bis 30 Millionen Euro aus Vermarktung, TV-Rechten und Punkteprämien kommen solle. «Wir sollten ihnen den Geldhahn zudrehen», polterte der Italiener. BrawnGP genießt aber auch Unterstützung, speziell von McLaren-Mercedes. «Es wäre scheinheilig, wenn wir ihnen das Geld nicht zugestehen würden», sagte McLaren- Teamchef Martin Whitmarsh am Sonntag vor dem Großen Preis von China. «Es ist wichtig, dass BrawnGP in der Formel 1 ist.»

Strittig ist, ob BrawnGP ein neues Team ist und damit keinen Anspruch auf die Zuwendungen hat oder ob in dem Fall nur eine Namensänderung vorliegt. Die in der FOTA (Formula One Team Organisation) zusammengeschlossenen Rennställe wollen auf ihrer nächsten Sitzung Anfang Mai diskutieren, ob sie der Zahlung zustimmen. «Wir besprechen das nach dem Großen Preis von Bahrain», sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Dann werde auch verhandelt, ob Ross Brawn weiterhin Vorsitzender der Technischen Kommission der FOTA bleiben könne.

«Für mich ist klar, dass das Auto ohne Honda nicht existieren würde» sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. «Honda war seit Jahren dabei und ging dabei durch dick und dünn. Ohne deren Investitionen wäre BrawnGP nicht da.» Haug versicherte, seine Fürsprache habe nichts damit zu tun, dass sein Unternehmen den Briten die Triebwerke liefere.

BrawnGP hat angesichts seiner spektakulären Erfolge seit dem Saisonauftakt viele Neider. Die Mehrzahl der Rennställe nimmt es dem Emporkömmling übel, dass erwie auch Williams und Toyotaden Doppel-Diffusor einsetzt. Ein Berufungsgericht des Internationalen Automobil-Verbandes FIA hatte nach einem Protest von Ferrari, Renault, Red Bull und BMW-Sauber gegen diesen technischen Kniff am Unterboden den Doppel-Diffusor für legal erklärt.

Nun ist die Konkurrenz gezwungen, mit erheblichem finanziellen Mehraufwand nachzurüsten. «Da wird viel Geld verschleudert, bis alle auf einem in etwa gleichen technischen Stand sind», sagte Theissen. BMW sei davon überzeugt gewesen, dass der Diffusor illegal sei. «Wir hätten aber trotzdem früher mit der Entwicklung beginnen müssen.»

Haug bescheinigte dem Konkurrenten hingegen, «einen guten Job» gemacht zu haben: «Wir müssen uns fragen, ob wir die Regeln richtig interpretiert haben.» Whitmarsh wies darauf hin, dass BrawnGP nicht nur wegen des Doppel-Diffusors vorn liege, sondern generell über ein gutes Paket verfüge. Das McLaren-Mercedes-Duo appellierte, angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise, die besonders den Automobilbereich trifft, müsse die Formel 1 zusammenstehen.

Damit BrawnGP die Millionen zufließen, müssen laut Whitmarsh «70 Prozent der FOTA zustimmen». Bei zehn Grand-Prix-Teams könnte dies angesichts der vier Protestparteien schwierig werden. Letztendlich dürfte es auf einen Deal zwischen den Kontrahenten hinauslaufen: Ross Brawn dürfte bei gewissen Zugeständnissen die Millionen bekommen. Zudem hat der gewiefte Brite ein Trumpf-Ass in der Hinterhand: Sollte er aus der FOTA aussteigen, wäre das Gremium am Ende. Allerdings würden die Teams in ihrem ständigen Kampf gegen die FIA dann ohne einheitliche Organisation dastehen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Shanghai ) (Quelle: )