17.04.2009 | Sport Ferrari trotzig: «Hissen nicht die weiße Flagge»

Ferrari fährt in der Formel 1 nur noch hinterher. Das «springende Pferd» ist vor dem Großen Preis von China gewaltig ins Straucheln geraten.

Ferrari trotzig: «Hissen nicht die weiße Flagge»
Kimi Räikkönen droht auch in Shanghai der Konkurrenz nur hinterherfahren zu können.
Ferrari fährt in der Formel 1 nur noch hinterher. Das «springende Pferd» ist vor dem Großen Preis von China gewaltig ins Straucheln geraten.

«Ich will nicht, dass sich Ferrari bei jedem zur Komödiantentruppe macht», polterte Fiat- und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo nach den beiden peinlichen Pleiten zum WM-Auftakt in Australien und Malaysia. Teamchef Stefano Domenicali räumte vor dem dritten Saisonrennen in Shanghai ein: «Wir sind natürlich nicht glücklich. Es wird sehr schwierig in der WM.»

Erstmals seit 17 Jahren steht die ruhmreiche Scuderia wieder punktlos an letzter Stelle der Konstrukteurs-Wertung. Kimi Räikkönen, der Champion von 2007, ist Vorletzter; der aktuelle Vize-Weltmeister Felipe Massa dümpelt auf Platz 13. «Alle haben Schuld. Wir leben vielleicht noch zu sehr in der Vergangenheit. Da konnten wir solche Spielchen machen, weil wir so überlegen waren», urteilte der Brasilianer nach der kalten Dusche im Wolkenbruch von Sepang. «Wir müssen wieder bei Null anfangen. Das war jetzt der zweite Weckruf.»

Das Training auf dem Shanghai International Circuit, bestätigte, dass die «Roten» viel Arbeit vor sich haben. Räikkönen als 11. und 14. sowie Massa als 15. und dann 12. krebsten jeweils im hinteren Teil des Feldes herum. «Derzeit sind wir nicht fähig, um den Titel zu kämpfen», konstatierte der finnische «Iceman» nüchtern. «Wir sind einfach zu langsam.» Der Brasilianer Massa befand nach der erneuten Bauchlandung: «Wir sind in einer schwierigen Lage, was die Technik anbelangt. Diese Strecke kommt uns auch nicht entgegen.»

Ferrari hat inzwischen die von di Montezemolo bei einer Krisensitzung in Maranello vehement geforderten Konsequenzen gezogen und arbeitet fieberhaft an den technischen und personellen Baustellen. So entschied Domenicali, in Shanghai ohne das Energie- Rückgewinnungssystem KERS zu fahren. «Wir müssen erst verstehen, was passiert ist. Wir können nicht länger das Risiko eingehen, mit dem System zu fahren», sagte er. Im Training in Malaysia waren an Räikkönens Auto Probleme mit KERS aufgetreten.

Wesentlich mehr zu schaffen macht den Italienern jedoch die Legalisierung des Doppel-Diffusors. Ferrari gehörte zu den entschiedensten Gegnern dieser Unterbodenvariante und muss nun schleunigst versuchen, seinen Rückstand hier aufzuholen. «Das kostet Zeit und Geld», wies Domenicali auf die komplizierte Umrüstung des F60 hin. «Unser Ziel ist, es bis Barcelona zu schaffen.» Das bedeutet: Im besten Fall können Räikkönen und Massa beim fünften Lauf am 10. Mai mit modifiziertem Diffusor antreten.

Bis mindestens dahin ist Ferrari aus eigener Kraft wohl nicht siegfähig. «Ich erwarte, dass BrawnGP, Williams und Toyota davonfliegen. Wir versuchen, so schnell wie möglich aufzuholen», erklärte Domenicali. Doch trotz der Vorteile des Doppel-Diffusor- Trios sieht der Teamchef keinen Grund dafür, dass «wir schon jetzt die weiße Flagge hissen. Das entspräche nicht unserem Geist. Wir kämpfen so lange, bis mathematisch alles klar ist.»

Domenicali räumte zudem ein, dass der Diffusor nur ein Teil des Problems sei: «Wir hatten auch nicht die Performance und Zuverlässigkeit und zudem einige Fehler gemacht.» So versäumte es Ferrari in Sepang, Massa in Teil eins der Qualifikation auf eine zweite schnelle Runde zu schicken, was den vorzeitigen K.o. zur Folge hatte. Im chaotischen Rennen rüsteten die Strategen Räikkönen viel zu früh mit Regenreifen aus, der Finne rollte hoffnungslos hinterher.

Wegen dieses Chaos' am Kommandostand war auch Berater Michael Schumacher gewaltig in die Kritik geraten. Ob Ferrari den angeblich mit fünf Millionen Euro dotierten Vertrag mit dem Rekordchampion nach dieser Saison verlängern wird, steht in den Sternen. Dass Schumacher nicht in Shanghai ist, stand allerdings schon vor den beiden Auftaktdebakeln fest. Erstes «Bauernopfer» ist Luca Baldisserri: Der Teammanager muss sich in der Fabrik um die Weiterentwicklung des F60 kümmern, statt zu den Rennen zu reisen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Shanghai ) (Quelle: )