12.06.2019 | Sport Fünfer-Pack: Starstürmerin Morgan führt USA zu Rekordsieg

Reims (dpa) - Nach ihrer Galavorstellung tröstete Alex Morgan ihre frühere Teamkollegin Miranda Nild, der die Tränen in den Augen standen. Beide hatten einst gemeinsam im College-Team der California Golden Bears gespielt.

Alex Morgan führte die USA zum Sieg. /AP
Foto: Francois Mori Alex Morgan führte die USA zum Sieg. /AP

Reims (dpa) - Nach ihrer Galavorstellung tröstete Alex Morgan ihre frühere Teamkollegin Miranda Nild, der die Tränen in den Augen standen. Beide hatten einst gemeinsam im College-Team der California Golden Bears gespielt.

Am Dienstagabend waren sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich Gegnerinnen. Nild, die unter dem Namen Suchawadee Nildhamrong für Thailand auflief, kassierte die höchste Niederlage bei einer WM-Endrunde. Morgan war beim 13:0 (3:0) des dreimaligen Weltmeisters USA in Reims die Spielerin des Spiels, trug mit fünf Toren und drei Vorlagen gleich zu mehreren Rekorden bei.

Mit einer eindrucksvollen Leistung gegen einen allerdings zu jederzeit überforderten und körperlich unterlegenen Gegner startete der Weltrangliste-Erste als letztes Spitzenteam in das Turnier. Vor allem im zweiten Durchgang nahm die Mannschaft von Trainerin Jill Ellis den Gegner auseinander und feierte jeden Treffer euphorisch.

Die gezeigte Freude habe jedoch nichts mit Respektlosigkeit vor dem Gegner zu tun, stellte US-Starstürmerin Morgan klar. «Wir sind einfach nur gut ins Spiel gekommen und wollten uns gut darstellen. Jedes Tor zählt bei diesem Turnier. Daran arbeiten wir.»

Mit ihrem Fünferpack stellte Morgan einen Rekord ein, der fast so alt ist wie sie selbst. Im Jahr 1991, also vor 28 Jahren, hatte die US-Spielerin Michelle Akers im Viertelfinale gegen Taiwan ebenfalls fünf Mal getroffen. Morgan wird am 2. Juli 30 Jahre alt - und liegt dann genau im Altersschnitt der US-Mannschaft, die das älteste Team des Turniers stellt.

Die Angreiferin, die für Orlando Pride aufläuft, trug mit ihren Treffern zudem entscheidend dazu bei, dass die Amerikanerinnen Deutschland die Bestmarke des höchsten WM-Sieges (11:0 gegen Argentinien 2007) wegschnappten. Dass gleich sieben verschiedene Spielerinnen trafen, gab es ebenfalls noch nie. «Angst hat mir das nicht gemacht. Aber ich war schon beeindruckt», urteilte die ehemalige deutsche Weltklasse-Stürmerin Inka Grings, die für das ARD-Morgenmagazin als TV-Expertin engagiert und vor Ort ist.

Der Sieg übertüncht zumindest vorübergehend die Misstöne, die es im US-Fußballverband zuletzt gab. 28 Nationalspielerinnen, darunter auch Morgan, hatten am Weltfrauentag gegen ihren Verband Klage wegen Diskriminierung erhoben. Die Vorwürfe reichen von schlechterer Bezahlung im Vergleich zu Männern bis hin zum schlechteren Zustand der Spielfelder, auf denen sie ihrem Job nachgehen.

Die unterschiedlichen Bewertungen von Männern und Frauen waren jedoch auch nach dem Spiel gegen Thailand ein Thema. Als Trainerin Ellis mit der Frage konfrontiert wurde, ob es denn fair gewesen sei, dass ihre Mannschaft die hilflosen Thailänderinnen in Grund und Boden gespielt habe, wollte sie wissen, ob diese Frage auch aufgekommen wäre, wenn ein Männerteam bei einer WM zweistellig gewonnen hätte. «Das ist eine Weltmeisterschaft, jedes Team war fantastisch, um hierher zu kommen. Da denke ich, es ist respektvoll für Gegner, wenn man mit vollem Einsatz gegeneinander spielt.»