21.04.2009 | Sport Haug: Wir sind nicht da, wo wir sein wollen

Ohne direkte Schuldzuweisung an Partner McLaren, aber schonungslos offen hat Norbert Haug den bisher enttäuschenden und ernüchternden Formel-1-Auftritt des Top-Teams kommentiert.

Haug: Wir sind nicht da, wo wir sein wollen
Der Rennwagen von McLaren-Mercedes ist noch nicht konkurrenzfähig.
Ohne direkte Schuldzuweisung an Partner McLaren, aber schonungslos offen hat Norbert Haug den bisher enttäuschenden und ernüchternden Formel-1-Auftritt des Top-Teams kommentiert.

«Wenn alles so klappen würde wie unser KERS und Motor, würden wir um den Titel fahren», sagte der Mercedes-Motorsportchef in einer Telefonkonferenz in Stuttgart. «Das ist aber keine Kritik.» Als Haupt-Defizit nannte Haug den Chassis-Bereich: «Wir hätten aerodynamisch einen besseren Job machen können.» Das schließt die von den dafür verantwortlichen Briten verschlafene Entwicklung des Doppel-Diffusors mit ein. Der bislang dominierende Mercedes-Motor-Kunde BrawnGP feierte mit diesem «magischen» Unterboden schon zwei Siege.

Die Silberpfeile um Titelverteidiger Lewis Hamilton sind laut Haug derzeit kein WM-Kandidat: «Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir nicht da sind, wo wir sein wollen.» Das Team müsse große Schritte machen, um in die Top Drei zu kommen. «Das ist nicht unmöglich», meinte der Mercedes-Mann, wies aber zugleich auf die mindestens vier schnelleren Konkurrenten BrawnGP, Red Bull, Toyota und Williams hin. Bis auf den Rennstall des österreichischen Energy-Drink-Milliardärs Dietrich Mateschitz treten alle mit dem Doppel-Diffusor an.

«Jungstier» Sebastian Vettel hatte mit seinem beeindruckenden Galopp über das Wasser auf dem Shanghai International Circuit am Sonntag bewiesen, dass das «Doppel-D»-Trio mit einem guten Rennwagen schlagbar ist. Dies beweist laut Haug: «Es geht auch ohne Wunder- Diffusor.» Jeder müsse sich deshalb bezüglich seines Technik-Standes «an die eigene Nase fassen». Die Entwicklung dieses Kniffes stellt die Konkurrenz vor eine große Herausforderung, so dass frühestens in Barcelona am 10. Mai mit adäquaten Modellen zu rechnen ist.

Haug kündigte an, dass McLaren-Mercedes beim Großen Preis von Bahrain praktisch mit dem gleichen Auto antreten werde. Hamilton, der über seinen sechsten Platz von Shanghai hinter Teamkollege Heikki Kovalainen «etwas enttäuscht» war, sagte in einem Interview auf seiner Homepage: «Wir werden ein paar neue Komponenten haben und können hoffentlich unsere Fortschritte fortsetzen.»

Die Silberpfeile werden beim Wüsten-Grand-Prix auf jeden Fall mit dem Kinetischen Energie-Rückgewinnungs-System antreten. «Wir sehen KERS als strategischen Vorteil», versicherte Haug. «Uns hilft es, deshalb setzen wir es ein.» Zuletzt in Shanghai fuhr außer den Silberpfeilen nur noch BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld mit dem Hybrid- System. KERS bringt bis zu 82 Zusatz-PS und darf insgesamt 6,6 Sekunden pro Runde aktiviert werden. Allerdings kämpfen viele Teams mit technischen Problemen und haben die Neuerung wieder ausgebaut. Die Team-Vereinigung FOTA will für 2010 aus Kostengründen ein Einheits-KERS. «Wir hätten Interesse, das zu liefern», sagte Haug.

Bis auf weiteres verzichtet Mercedes darauf, seinen Stern auf den Boliden der beiden Triebwerk-Kunden BrawnGP und Force India zu platzieren. «Das könnte das falsche Signal sein und opportunistisch wirken», begründete Haug dies, auch wenn angesichts der Krise der Automobil-Industrie positive Werbung wie mit Jenson Buttons beiden Siegen im Brawn-Mercedes durchaus sinnvoll sein könnte. Mercedes wolle in der schwierigen Phase, in der das Team stecke, zu seinem Partner stehen, an dem ihm schließlich 40 Prozent gehörten.

«McLaren-Leute haben uns gebeten: Gebt uns eine Chance. Wir wollen uns in den nächsten fünf, sechs Rennen so aus der Affäre ziehen, dass wir die Nummer 1 verdienen», wies Haug darauf hin, dass das Team den WM-Titel gewonnen habe. Zudem weise Hamilton seit seinem Formel-1- Einstieg in 38 Grand Prix die erfolgreichste Bilanz aller Fahrer auf. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Stuttgart ) (Quelle: )