21.07.2009 | Sport Helmut Haller: Ein «Fußballverrückter» wird 70

«Fußball ist mein Leben!» Helmut Haller nennt sich selbst einen Fußballverrückten. Als kleiner Junge übt der Augsburger zwischen zerbombten Häusern die ersten Schritte.

Helmut Haller: Ein «Fußballverrückter» wird 70
Helmut Haller im November 2008 in Augsburg.
«Fußball ist mein Leben!» Helmut Haller nennt sich selbst einen Fußballverrückten. Als kleiner Junge übt der Augsburger zwischen zerbombten Häusern die ersten Schritte. Und selbst als Senior kann er seinen Sport nicht loslassen.

In der Zwischenzeit gelingt ihm eine Karriere, in der er in den Sechzigern und Siebzigern zu einem Aushängeschild des deutschen Fußballs wird, drei italienische Meisterschaften gewinnt und im Finale der Weltmeisterschaft 1966 steht. Am 21. Juli wird der Ausnahmesportler 70 Jahre alt.

Ein Fußballverrückter, «das kann man wohl sagen», erklärt Uwe Seeler, der mit Haller zwei Weltmeisterschaften erlebt hat und ihn noch regelmäßig trifft, der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Er hat ja von klein auf nur Fußball gespielt. Er war nicht nur fußballverrückt, sondern auch ballverrückt», sagt Seeler und lobt: «Mit der Kugel konnte er alles machen.»

Als junger Spieler heißt Haller «Hemad» («Hemd»), später rufen die Fans ihn «Il Biondo» («Blondschopf»). Erst Augsburg, dann die Serie A in Italien - das sind die zwei Stationen, die den Weg des offensiven Mittelfeldspielers prägen. In der bayerischen Heimat steigt er als schmächtiger Hänfling bereits als 19-Jähriger zum Nationalspieler auf, zwischen 1962 und 1973 beim AC Bologna und bei Juventus Turin reift er zum gestandenen Weltklassespieler.

Die Zuschauer küren ihn stets zu ihrem Liebling. In seinem Geburtsort Augsburg gilt Haller, der 1973 noch einmal zurückkehrt und erst als 40-Jähriger einen Schlussstrich unter seine Karriere zieht, vielen gar als lokale Legende und Idol. An seinem Geburtstag soll der 33-fache Nationalspieler im Rathaus geehrt werden, sagt sein Tochter Karin. In Italien vermisst ihn so mancher noch nach Jahrzehnten, wie der spätere Besitzer eines Sportgeschäfts bei Besuchen erfährt: «Ach, Elmut Aller, wir brauchen wieder Spieler wie dich.»

In das Abenteuer Italien stürzt sich Haller 1962, um mit seinem Sport Geld zu verdienen. Nur zwei Jahre später gewinnt der feine Techniker mit Bologna die Meisterschaft - und holt damit als erster Deutscher in einer bedeutenden ausländischen Liga den Titel. Zwei weitere Meistertitel folgen mit Juve für den «Augsburger Bub», der nie in der 1963 gegründeten Bundesliga aufläuft.

Seeler nennt Haller, der seinen Geburtstag mit mehr als 100 Gästen feiern will, eine «Frohnatur» und «sehr, sehr lustig». «Er war immer für einen Witz aufgelegt, das fing schon morgens beim Frühstück an. Selbst im Trainingslager.» Unvergessen: Der Balldieb Haller beim WM- Finale 1966, in dem Deutschland nach dem berüchtigten «Wembley-Tor» mit 2:4 gegen England den Kürzeren zieht. Der Mittelfeldmann, dem das 1:0 gelingt, schmuggelt die Lederkugel als Geschenk für seinen Sohn unter dem Trikot aus dem Stadion. Erst zur Europameisterschaft 1996 in England rückt er ihn wieder raus. «Ja, ein kleines Schlitzohr ist er auch», sagt Seeler.

Vor zweieinhalb Jahren fürchten Familie und Fans nach einem Herzinfarkt kurzzeitig um Hallers Leben. Doch selbst danach schnürt er für gute Zwecke ab und an die Fußballschuhe. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn man das, was einem der Fußball gebracht hat, ein wenig zurückzahlen kann», sagt Haller. (Quelle: Hamburg (dpa/lby))