03.08.2009 | Sport Löw hofft auf Ballack - «Keine Experimente»

Joachim Löw hat den verletzten Kapitän Michael Ballack für das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball- Nationalmannschaft nächste Woche in Aserbaidschan noch nicht abgeschrieben. «Ich habe noch Hoffnung.

Löw hofft auf Ballack - «Keine Experimente»
Joachim Löw und Michael Ballack (l) vor dem WM-Qualifikationsspiel in Cardiff.
Joachim Löw hat den verletzten Kapitän Michael Ballack für das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball- Nationalmannschaft nächste Woche in Aserbaidschan noch nicht abgeschrieben.

«Ich habe noch Hoffnung. Bei einem Zehenbruch kann niemand eine genaue Prognose abgeben. Das ist sehr schmerzhaft, aber es gibt sehr unterschiedliche Heilungsverläufe», sagte der Bundestrainer in einem Interview im «kicker». «Anfang dieser Woche» wollte sich Löw beim Mittelfeldchef noch einmal erkundigen, ob dieser für die Partie am 12. August in der Kaukasus-Republik gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan ein Thema ist.

Für die Nominierung in dieser Woche, bei der mit Spannung erwartet wird, welche Torhüter Löw in das Aufgebot beruft, kündigte der Bundestrainer zum Auftakt der WM-Saison keine großen Überraschungen an. Jetzt sei nicht der Zeitpunkt für Experimente, betonte er. «Wir haben eh nur zwei, drei Tage Vorbereitung auf das Spiel in Baku.»

Löw wird für das erste der vier ausstehenden Qualifikationsspiele, darunter der Showdown am 10. Oktober in Russland, also auf bewährtes Personal zurückgreifen. «Dieser Kader wird nach den generellen Kenntnissen nominiert, die wir über die Nationalspieler haben, da es nach einem Pokalspieltag noch keine großen neuen Erkenntnisse geben kann», sagte der 49-Jährige, der mit seinem Stab aus der «Distanz» einige Eindrücke sammelte. «Tendenzen, wer die Vorbereitung durchgängig absolviert hat, wer in guter Frühform ist.»

Ballack kann noch nicht in bester Frühform sein, denn in einem Testspiel mit dem FC Chelsea vor zwei Wochen in den USA hatte er sich einen kleinen Zeh gebrochen. Ein Ausfall wäre selbst gegen den Fußball-Zwerg Aserbaidschan für die Planungen des Bundestrainers schlecht, denn erst kürzlich hatte er noch einmal den besonderen Stellenwert des «Kapitäns in der Hierarchie» betont. Ballack arbeite hart in der Reha, berichtete Löw in dem Interview.

Aber selbst bei einem Ausfall des 32-jährigen Ballack sollte die deutsche Mannschaft in Baku keine Probleme bekommen. Aserbaidschans Nationalcoach Vogts, der noch auf das erste eigene Tor wartet, sieht den Spitzenreiter der Qualifikations-Gruppe als stärkste Mannschaft dieser Gruppe an. «Sie wird ohne Wenn und Aber Gruppensieger und ist in meinen Augen zudem einer der großen Anwärter auf den WM-Titel», sagte der ehemalige Bundestrainer in einem DFB-Interview.

Bei der Nominierung in dieser Woche dürfen sich die U-21- Europameister, die bislang (noch) nicht zum erweiterten Kreis der DFB-Auswahl zählten, nicht allzu große Hoffnungen auf eine Reise nach Aserbaidschan machen. Ob es für die Weltmeisterschaft in Südafrika reichen wird, will auch Löw abwarten. «Ob von ihnen jetzt schon einer auf den WM-Zug springen kann, wird sich im Laufe der Saison zeigen», meinte der Bundestrainer, für den schon jetzt das Spiel gegen Russland «im Blickpunkt» steht. Erst einmal muss aber die gesamte Konzentration der Partie in Baku gelten. «Bei solchen Spielen spielt die mentale Komponente die wichtigste Rolle. Das beginnt in der Vorbereitung. Wenn man einen Gang zurückschaltet, dann geht es in der Regel schief», warnte er.

Zum Start in die WM-Saison sind nach Ansicht von Löw auch die Kompetenzen mit Sportdirektor Matthias Sammer «absolut abgestimmt», was während der U-21-EM für Wirbel gesorgt hatte. Neben den vier ausstehenden Qualifikations-Partien ist für den 5. September ein Test in Leverkusen gegen Südafrika terminiert, wo man sich für den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Bernd Schneider «etwas ganz Besonderes einfallen lassen» möchte.

Vogts hofft bei der Partie gegen den Vize-Europameister auf das erste Tor seiner Mannschaft. «Der erste Treffer jetzt ausgerechnet gegen einen Top-Gegner wie Deutschland würde der Mannschaft noch mehr Power geben. Doch ein Tor gegen Deutschland, das ist wie ein erstrangiger Lottogewinn», erklärte der 62-Jährige. (Quelle: München (dpa/lby))