06.04.2009 | Sport Rummenigge stärkt Klinsmann vor Barcelona-Trip

Der FC Bayern München beschwört nach dem «Waterloo von Wolfsburg» das «Wunder von Barcelona».

Rummenigge stärkt Klinsmann vor Barcelona-Trip
Karl-Heinz Rummenigge fordert in der Champions League ein Trotzreaktion.
Der FC Bayern München beschwört nach dem «Waterloo von Wolfsburg» das «Wunder von Barcelona». Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat wie Trainer Jürgen Klinsmann die Mannschaft nach dem Liga-Debakel in die Pflicht genommen

Bei der «Mission Impossible» der Münchner in Barcelona setzten die Verantwortlichen auf eine Trotzreaktion der Versager vom Wochenende. «Jürgen ist nicht der Blitzableiter, sondern die Mannschaft muss Verantwortung übernehmen. Ich kann seinen Richtungswechsel nachvollziehen», sagte Rummenigge in München. Vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League versuchte er Zuversicht aus der Fußball-Geschichte zu ziehen. «In Bern stand 1954 eine Mannschaft auf dem Platz, die vorher acht Stück bekommen hat und nicht fünf; und ist trotzdem Weltmeister geworden», erinnerte der TV- Experte an das «Wunder von Bern» der deutschen Nationalmannschaft.

Am Sonntag hatte sich ein wütender Klinsmann die Mannschaft nach der 1:5-Demontage in Wolfsburg beim ehemaligen Bayern-Coach Felix Magath vorgeknöpft. Am Montagmorgen saß der Vorstand hinter verschlossener Tür zusammen und sprach über «keine einfache Situation», so Rummenigge. In der Bundesliga droht wie vor zwei Jahren das Verfehlen der Champions-League-Qualifikation. Und auch mit der Träumerei von einem Sieg in der Königsklasse könnte es schon nach dem Hinspiel gegen Barcelona, bei dem der verletzte Abwehrchef Lucio (Adduktorenzerrung) fehlt, so gut wie vorbei sein. «Das ist fast eine Mission impossible, aber aus der Erfahrung wissen wir, dass im Fußball Wunder oder Sensationen geschehen», betonte Rummenigge.

«Wir haben jetzt zwei Tage gelitten und versuchen in Barcelona aufzustehen. Jetzt liegt es an der Mannschaft», forderte Rummenigge, der den Kurswechsel Klinsmanns unterstützte. Oft genug hatte sich der 44-Jährige vor das Team gestellt und will auch «weiter den Kopf» hinhalten, aber nun wurden Lukas Podolski & Co. vermehrt in die Pflicht genommen. «Das war eine Entscheidung von Jürgen Klinsmann, die ich durchaus für sehr klug halte, den Druck auf die Mannschaft etwas größer werden zu lassen. Diese steht auf dem Platz, der Trainer hat genug Kritik abbekommen in der Öffentlichkeit», sagte der Vorstandsvorsitzende. «Wir erwarten jetzt ganz klar, dass die Mannschaft sich am Mittwoch zerreißt.»

Zwar wissen die Bayern-Bosse, dass sie im Falle einer titellosen Saison unter Zugzwang geraten, aber nach zwei Tagen eisernen Schweigens wurde erst einmal der Druck auf die Mannschaft erhöht. Einige Profis spielen in den kommenden Wochen auf Bewährung. «Wir werden jetzt ganz genau hinschauen, wie sich einzelne Spieler in der Drucksituation verhalten und im Zweifel mal den Finger in die Wunde legen», betonte Rummenigge, ähnlich wie am Tag zuvor Klinsmann. Nicht gilt das freilich für Franck Ribéry, der auf der Bühne Barcelona zwar wirbeln, aber nicht für einen neuen Club werben kann. «Franck bleibt auf jeden Fall bei uns, das ist von uns beschlossen», sagte Trainer Jürgen Klinsmann im «Münchner Merkur».

Wieder zurück im Kader ist für die Defensive neben dem in Wolfsburg gelbgesperrten Martin Demichelis auch Daniel van Buyten. Der Belgier war aus familiären Gründen in seine belgische Heimat gereist. Daniel entscheide ganz alleine, wann er wieder bereit sei, sagte Klinsmann, dessen Ansprache im Mannschaftskreis von Philipp Lahm positiv aufgenommen wurde. «Es ist wichtig, dass nach so einem Spiel ehrlich gesprochen wird. Das haben wir getan», sagte der Außenverteidiger.

Gegen Wolfsburg wurde Bayerns Wackelabwehr in der Schlussphase vorgeführt, und nun soll sie ausgerechnet gegen Barcelonas Offensiv-Wirbler halten? Denn dass Lionel Messi, Thierry Henry & Co. mit ihren 125 Pflichtspieltreffern in dieser Saison stärker sind als Grafite, Dzeko plus Gefährten steht außer Frage. «Ich habe weniger Sorge, weil wir einfach in Europa gezeigt haben, dass wir mithalten können», gab sich Bayern Klinsmann zuversichtlich. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - München ) (Quelle: )