28.06.2009 | Sport Steffen mit Topzeit - Europarekorde zum Abschluss

Britta Steffen lässt sich von Weltrekordwelle und Wunderanzug zu neuen Taten tragen. «Ich kann vielleicht hinten raus noch eine Zehntel schneller schwimmen.

Steffen mit Topzeit - Europarekorde zum Abschluss
Nach ihrem Sieg über 50 Meter Freistil winkt Britta Steffen dem Publikum.
Britta Steffen lässt sich von Weltrekordwelle und Wunderanzug zu neuen Taten tragen. «Ich kann vielleicht hinten raus noch eine Zehntel schneller schwimmen. Aber das heben wir uns auf», kündigte die Weltklasseschwimmerin an.

Beim Rekordfestival in Berlin hatte Steffen ihre erst zwei Tage alte Welt-Bestzeit über 100 Meter Freistil in 52,56 Sekunden pulverisiert. Bei der WM in drei Wochen in Rom will die Doppel-Olympiasiegerin wieder angreifen und ihre Sammlung mit dem noch fehlenden WM-Titel komplettieren. Paul Biedermann (Halle/Saale) über 200 Meter Freistil und Marco Koch (Darmstadt) über 200 Meter Brust empfahlen sich am Schlusstag der deutschen Meisterschaften mit Europarekorden für Rom.

Neue Anzüge machen den Weg frei in eine andere Zeitrechnung: Drei Weltrekorde, drei Europarekorde sowie 13 nationale Bestmarken lassen das deutsche Team nach den Enttäuschungen von Peking wieder auf gute Zeiten hoffen. Bundestrainer Dirk Lange freute sich über die «Aufbruchstimmung» im Team, warnte aber auch: «Man darf das nicht überbewerten.» Leid ist er die Anzug-Diskussion. «Es braucht sich keiner zu entschuldigen, wenn er eine gute Zeit schwimmt. Alle nutzen nur das aus, was erlaubt ist.» Die große Frage: Greift die Strukturreform oder machen Kleider schnelle Schwimmer?

Britta Steffen verbeugte sich nach ihrem Fabelrekord vor ihren Fans. Nach ihren goldenen Aufholjagden in Peking hatte sie es mal mit einem Blitzstart probiert - und gewann das einsame Rennen gegen sich selbst und die Uhr. «Das Wichtigste ist, dass man Freude hat an dem, was man tut. Das ist eigentlich das ganze Geheimnis», verriet sie. Und: «Der Anzug macht nicht alles aus, schwimmen muss man alleine. Der Schwimmer muss die technische Entwicklung auch umsetzen.» Über 50 Meter zum Abschluss löste sie locker und ohne Rekord das WM-Ticket. «Heute war ein bisschen die Luft raus, aber das zeigt, dass ich auch nur ein Mensch bin», stellte sie fest. Rom bereitet ihr kein Kopfzerbrechen: «Ich weiß, dass ich für die WM die Favoritenrolle innehabe, aber ich werde daran wachsen.»

Biedermann (Halle/Saale) konnte nach seinem Europarekord über 200 Meter Freistil in 1:44,71 Minuten endlich aufatmen: «Das war ein optimales Rennen.» Trotz fünf Wochen Trainingsausfall wegen einer Viruserkrankung hatte er tags zuvor in 3:46,67 Minuten bereits den 21 Jahre alten deutschen Uralt-Rekord von Uwe Daßler über 400 Meter Freistil geknackt und eine neue Bestmarke über 100 Meter (48,39 Sekunden) hingelegt, dabei aber jeweils die WM-Norm verpasst. Biedermann, der im alten Outfit antrat: «Ich habe es satt, dass alle Welt nur von Neoprenanzügen spricht. Ich wollte zeigen, dass man auch mit normalen Anzügen schnell schwimmen kann.» Koch überraschte sich in 2:08,33 Minuten über 200 Meter Brust selbst: «Ich habe gewusst, dass ich schnell bin», sagte er, «aber dass es gleich so gut wird, hätte ich nicht gedacht.»

Nationale Bestmarken markierten Hendrik Feldwehr (Essen), der als erster Deutscher über 100 Meter Brust in 59,45 Sekunden unter einer Minute blieb, Benjamin Starke (Berlin/51,47 Sekunden) über 100 Meter Schmetterling), Helge Meeuw (Wiesbaden/53,08) über 100 Meter Rücken) und Annika Mehlhorn (Baunatal) in 58,45 über 100 Meter Schmetterling. Daniela Samulski (Essen) verpassten nach ihrem sensationellen Weltrekord über 50 Meter Rücken in 28,22 («Die Zeit dürfte für den WM-Titel nicht reichen») als Siegerin über 100 Meter die WM-Norm.

Das WM-Team dürfte trotz der «härtesten Kriterien der Welt» (Lange) größer ausfallen als erwartet. Am Wochenende lösten trotz hoher Qualifikationsnormen auch Siegerin Sarah Poewe (Wuppertal) und Caroline Ruhnau (Essen) über 100 Meter Brust, Isabelle Härle (Heidelberg/1500 Meter Freistil), Felix Wolf (Potsdam/ 200 m Rücken), Johannes Neumann (Riesa/100 Meter Brust) und Jan Wolfgarten (Würzburg/800 Meter Freistil) das Rom-Ticket. (Quelle: Berlin (dpa/lby))