20.07.2009 | Sport WADA-Code: Nur noch Privat-Training für Pechstein

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein droht durch die Umsetzung des WADA-Codes das frühzeitige Olympia-Aus für 2010. Die fünfmalige Olympiasiegerin darf wegen ihrer Zwei-Jahres-Sperre ab sofort an keinen offiziellen Trainingsmaßnahmen eines Verbandes mehr teilnehmen, wie dies ein Zusatz zu Punkt 10.10.1 im Code der Welt- Anti-Doping-Agentur (WADA) vorschreibt.

WADA-Code: Nur noch Privat-Training für Pechstein
Bei Claudia Pechstein greift nun der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein droht durch die Umsetzung des WADA-Codes das frühzeitige Olympia-Aus für 2010.

Die fünfmalige Olympiasiegerin darf wegen ihrer Zwei-Jahres-Sperre ab sofort an keinen offiziellen Trainingsmaßnahmen eines Verbandes mehr teilnehmen, wie dies ein Zusatz zu Punkt 10.10.1 im Code der Welt- Anti-Doping-Agentur (WADA) vorschreibt.

Pechstein darf damit nur noch privat und auf eigene Kosten trainieren, falls die 37-Jährige nicht auf dem Eilweg über eine Einstweilige Verfügung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ihre Rückkehr ins Training erzwingen kann. «Wenn man konsequent weitergeht, ist das das sportliche Ende. Das eine ist die Unschuldsvermutung, aber die Chancen für Vancouver sind gering. Ohne Training geht kein Weg nach Vancouver», sagte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), Gerd Heinze.

Mit einer CAS-Entscheidung in der Hauptsache ist erst im Herbst zu rechnen, wenn die Olympia-Saison beginnt. «Erstmal greift der WADA- Code in aller Konsequenz. Sie ist verpflichtet, das einzuhalten», betonte Heinze nach Rücksprache mit der Internationalen Eislauf-Union (ISU). Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin war wegen auffälliger Blutwerte, aber ohne Vorliegen eines positiven Tests rückwirkend ab Februar gesperrt worden, sie bestreitet Doping. Auf ihrer Homepage hatte Pechstein in der vorigen Woche angekündigt, sich erst wieder bei einem neuen Erkenntnisstand auf einer Pressekonferenz zu äußern. Dafür gibt es bisher keinen Termin.

Die ISU bestätigte allerdings, dass Pechstein bei der WM 2004 ebenfalls in Hamar wegen eines hohen Hämoglobinwertes eine Schutzsperre drohte. «Das ist richtig», sagte Harm Kuipers von der Medizinischen Kommission der ISU. Die «Süddeutsche Zeitung» hatte berichtet, bei Pechstein sei mit 16,5 genau der zulässige Grenzwert gemessen worden. Als Konsequenz hätte es eigentlich ein zweites Blutmuster geben müssen. «Dafür braucht man den Athleten und ein Labor. Das Labor war sehr weit entfernt von Hamar, so dass es logistisch nicht möglich war», erklärte Kuipers. Eine zweite Probe einige Tage später habe mit 13,8 einen «dramatischen Rückgang» gezeigt. Zu dem hohen Wert meinte Kuipers: «Das kann ein Dopingverdacht sein, braucht es aber absolut nicht.»

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die Berlinerin vom Bundesinnenministerium vorläufig keine Förderung mehr erhalten soll. Offiziell bei der DESG eingegangen war laut Heinze bisher dazu nichts, doch die Nachricht ist im Zusammenhang mit dem Ausschluss vom offiziellen Training zu sehen. «Es geht in erster Linie um aus öffentlichen Mitteln gefördertes Training, daran darf sie nicht partizipieren. Sie kann ihr Training selbst finanzieren», erläuterte Heinze.

Er betonte, Pechstein habe sich auch bislang nicht regelmäßig an den Einheiten des ebenfalls in Berlin trainierenden Männerteams beteiligt. Allerdings könne ihr niemand verbieten, im Windschatten eines Mitgliedes aus dem Männerteam zu laufen. Hinfällig geworden ist nun auch die geplante Teilnahme an einem Sommerwettkampf in Berlin.

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann kündigte zunächst an, in dieser Woche beim CAS Berufung gegen die eigentliche Sperre einzulegen und zudem eine Einstweilige Verfügung zu beantragen, sollte Pechstein vom deutschen Verband nicht mehr zum Training zugelassen werden. «Durch das Trainingsverbot käme es zu einem irreparablen Schaden, der bei Aufhebung des ISU-Urteils nicht mehr gut gemacht werden könnte», sagte Bergmann nach einem Gespräch mit Pechstein in seiner Kanzlei.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf die Internationale Eislauf-Union berichtet, sei Pechstein noch mehrmals kontrolliert worden, nachdem sie Anfang Februar bei der WM in Hamar mit den auffälligen Werten konfrontiert wurde und den Wettkampf nach einem Tag beendet hatte. Die Befunde seien unauffällig gewesen, die Werte seien Ende Juni bei einer Anhörung in Bern ebenfalls vorgetragen worden. (Quelle: Berlin (dpa/lby))