05.08.2009 | Sport Wolfsburgs Veh vor Magaths Fußstapfen nicht bange

Die Trainerbank in der Wolfsburger Volkswagen Arena birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich. Wer zu heftig in die Höhe springt, wird von einer Abdeckung unfreiwillig schmerzlich auf den Boden zurückgeholt.

Wolfsburgs Veh vor Magaths Fußstapfen nicht bange
Wolfsburgs neuer Trainer Armin Veh (r) mit der Meister-Mannschaft.
Die Trainerbank in der Wolfsburger Volkswagen Arena birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich. Wer zu heftig in die Höhe springt, wird von einer Abdeckung unfreiwillig schmerzlich auf den Boden zurückgeholt.

«Da muss ich aufpassen. Der Felix hatte es da etwas leichter, er ist ja nicht ganz so groß wie ich», scherzte Trainer Armin Veh vom deutschen Fußball-Meister VfL Wolfsburg bei der Besichtigung seines neuen Arbeitsplatzes.

Magath ist zwar sieben Zentimeter kleiner als sein Nachfolger. Der Meistermacher hat in der niedersächsischen Fußball-Provinz, die scheinbar über Nacht zu einem Nabel der deutschen Fußball-Welt geworden ist, aber große Fußstapfen hinterlassen. Die sind zwar allgegenwärtig, für Veh aber keineswegs zu groß. Im Gegenteil: Es spornt ihn an. «Das macht den Reiz dieser Aufgabe aus», bestimmt der Fußball-Lehrer, dessen hintergründiger Humor nicht jedermanns Sache ist, unmissverständlich.

Trainer Veh, dem als Spieler die ganz große Karriere versagt war, ist vor schwierigen Aufgaben nie zurückgeschreckt. Der 48-Jährige führte seinen Heimatverein FC Augsburg in die Regionalliga, stieg mit Fürth und Reutlingen in die 2. Liga auf und ließ den FC Hansa Rostock begeisternden Erstliga-Fußball spielen, ehe er im Oktober 2003 an der Ostseeküste das Handtuch war. Ein Fehler, den er nie wieder machen würde, bekannte der gelernte Immobilienkaufmann später mit Reue.

Aber Veh kam zurück - mit einiger Verspätung zwar, dafür umso nachhaltiger. Am Ende stand 2007 der Meistertitel mit dem VfB Stuttgart und die Wahl zum Trainer des Jahres für einen Mann, der im Schwabenland 15 Monate zuvor als Übergangslösung vorgestellt worden war. Die Akte Veh beim VfB ist zwar schon acht Monate geschlossen. Der gebürtige Augsburger hat die wichtigsten Dokumente aber an seinen neuen Arbeitsplatz mitgenommen. Konkret: Die Übung, wie man mit einem Meister-Team umgeht. «Für mich ist es wichtig, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe», meinte der neue starke Mann im VW-Fußball- Land, der wie Vorgänger Magath Übungsleiter, Sportdirektor und Geschäftsführer in einer Person ist.

Und das mit großer Leidenschaft - wie überall, wo er seine Spuren hinterlassen hat. «Ich fühle mich unheimlich wohl hier», sagte der Neu-«Wolf», auch wenn er noch keine Gelegenheit hatte, seine augenblickliche Wahl-Heimat näher zu erkunden. Dafür hat er die Ärmel hochgekrempelt und Fakten geschaffen: Dass in Grafite, Edin Dzeko, Josué und Zvjezdan Misimovic die Architekten des Meistertitels langfristig verlängern würden, hätte kaum einer für möglich gehalten.

Mit dem Pfund will Veh wuchern. «Wir wollen den VfL in der Bundesliga-Spitze etablieren», lautet die klare Vorgabe. Dazu wäre ein perfekter Start hochwichtig, auch wenn da ein wenig Wehmut mitschwingt. «Ich bin mit dem VfB Meister geworden. Deshalb ist das kein Spiel wie jedes andere für mich.» Für Sentimentalitäten ist aber kein Platz im Bundesliga-Geschäft. Natürlich hat auch Veh das schon erfahren. Knallhart. Sein bis dato letztes Bundesliga-Spiel hatte er in Wolfsburg auf der Bank verbracht - auf der der Gäste: Nach dem 1:4 beim VfL wurde er tags darauf am 23. November 2008 vom VfB entlassen. (Quelle: Wolfsburg (dpa/lby))