21.04.2009 | Sport Zwist um Urlaubsregel: WADA übt Schadensbegrenzung

Die Einheit im weltweiten Anti-Doping-Kampf droht zu zerbrechen: Nach der Kontroverse um die «Lex Fußball» ist die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) um Schadensbegrenzung bemüht.

Zwist um Urlaubsregel: WADA übt Schadensbegrenzung
WADA-Präsident John Fahey (l) spricht im Februar bei einem Symposium in Lausanne.
Die Einheit im weltweiten Anti-Doping-Kampf droht zu zerbrechen: Nach der Kontroverse um die «Lex Fußball» ist die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) um Schadensbegrenzung bemüht.

Die WADA fühlt sich missverstanden, doch die Kluft zwischen Mannschaftssportlern und individuellen Athleten wird immer größer. Das Drängen der FIFA nach einer meldefreien Phase für unverdächtige Profis während ihrer Ferien in der Sommer- und Winterpause sorgt für gewaltigen Zündstoff. «Wir haben keine separate Übereinkunft oder ein separates Arrangement mit der FIFA getroffen, die die Harmonie des Anti-Dopings-Kampfes beeinträchtigt», erklärte WADA-Generaldirektor David Howman der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bei dem Treffen zwischen der WADA und dem Fußball-Weltverband FIFA am 8. April sei nur über die neuen Melderegeln für Athleten (Whereabouts) und deren Umsetzung gesprochen worden.

Die WADA betonte zudem, dass die weltweiten Anti-Doping-Regeln nicht verändert worden seien: «Folglich müssen sich alle Mannschaftssportler, Fußball eingeschlossen, den Regeln ebenso wie Individual-Athleten fügen.» Die FIFA-Forderung nach einer modifizierten Urlaubs-Regelung wird jedoch zur Nagelprobe für das neue WADA-System, das seit dem 1. Januar in Kraft ist. «Die Top-Athleten müssen das ganze Jahr über unangemeldet außerhalb der Wettbewerbe kontrolliert werden können, und zwar in allen Sportarten», sagte Armin Baumert, Vorstandschef der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), «wenn das nicht gewährleistet ist, sind Dopingkontrollen nicht effektiv. Gerade Regenerations- oder individuelle Vorbereitungszeiten sind hochsensibel.»

Bei Mannschaftssportarten müssen nur Elite-Athleten 365 Tage zur Verfügung stehen, wenn sie im sogenannten Registered Testing Pool 1 (RTP 1) des jeweiligen internationalen Fachverbandes aufgeführt sind. «Jeder Fachverband muss einen Registered Testing Pool definieren, für den die individuelle Meldepflicht gilt. Er darf so groß sein, wie sich das jeder wünscht. Wir Mannschaftssportarten haben uns geeinigt, dass er relativ klein ist, weil das von der Praktikabilität her nicht anders geht», sagte Patrick Baumann, Generalsekretär des Basketball-Weltverbandes (FIBA).

Sein Verband hat bisher gerade mal 16 Spieler aus allen Ligen rund um den Globus für diesen Pool ausgewählt. Diese Athleten müssen drei Monate im Voraus ihren möglichen Aufenthaltsort melden und jeden Tag eine Stunde fixieren, während der sie für Doping-Kontrollen zur Verfügung stehen. Die FIFA zum Beispiel hat für den RTP 1 langzeitverletzte, gesperrte oder verdächtige Spieler vorgesehen.

«Man kann jeden Spieler zu jeder Zeit testen, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr», konterte Howman. Dazu müsse man auch nicht für den RTP 1 für Elite-Sportler vorgeschlagen sein, aber der Schaden war längst angerichtet. Die neue Whereabout-Regel könnte zu stillem Ungehorsam der Mannschaftssportarten führen. «Ich habe ein Problem damit, wie die WADA die Verbände behandelt. Es geht nicht mehr um eine Partnerschaft, sondern es ist ein Polizeistaat geworden», meinte Baumann, «dieser Code ist zu weit gegangen. Mit dem neuen WADA-Code wurden die Verhältnisse umgedreht. Alle Spieler werden als gedopt angesehen, und müssen beweisen, dass sie nicht gedopt sind. Das ist philosophisch nicht korrekt. Da haben wir einen Meinungsunterschied.»

Baumann heizt damit die Kritik an vermeintlichen Sonderrechten für Teamsportler und am neuen WADA-Code generell an. «Es gibt keine Einheitsgröße im Anti-Doping-Kampf. Wir brauchen ein System, das den Zweck erfüllt», sagte Martial Saugy, Direktor des WADA-Labors in Lausanne und zugleich WADA-und FIFA-Berater. Fußball-Profis könnten im Urlaub nach der Saison mindestens zwei Wochen lang ungetestet bleiben. «Vier Wochen ist vielleicht zu lang, aber zwei Wochen ist bestimmt akzeptabel», so Saugy.

Ob die Richtigstellung der WADA zutrifft oder sich am Ende doch die FIFA nach der vereinbarten Testphase bis 2010 durchsetzt, wird weiter für Unruhe sorgen. «Die FIFA hat Macht und die WADA keine Eier», fürchtet der momentan inaktive Radprofi und Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche. «Ich nehme nicht an, dass sich die Fußballer im Urlaub einer harten Anabolika-Kur unterziehen, aber unterschiedliche Richtlinien sind natürlich eine Sauerei.» Auch Präsidentin Christa Thiel vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) pocht auf einheitliche Regeln: «Eine Lex Fußball kann es meiner Ansicht nicht geben. Auch Individualsportler haben Anspruch auf Urlaub.» Ähnlich sieht es auch Schwimmer Thomas Rupprath: «In jeder Sportart kann gedopt werden, es darf nicht differenziert werden. Sport ist Sport.»

Während das Ringen zwischen FIFA und WADA weiter mit Argusaugen beobachtet werden wird, scheint eine gütliche Einigung im Streit zwischen Anti-Doping-Agentur und der Europäischen Gemeinschaft (EU) über Mängel des Datenschutzes im elektronischen Meldesystem in Sicht. Howman: «Wir diskutieren mit der EU und hoffen bei der nächsten WADA- Board-Sitzung Änderungen beschließen zu können. Es werden ganz kleine Änderungen sein, die die Substanz der bisherigen Bestimmungen nicht angreift.» Nur Stunden nach dieser Aussage erreichte ihn eine weitere Negativ-Nachricht aus Spanien. Die Madrider Regierung verabschiedete einen Erlass, der nächtliche Dopingkontrollen in Spanien untersagt. Das «Königliche Dekret» bestimmt, dass in der Zeit von 23.00 bis 08.00 Uhr Dopingtests auf spanischem Territorium verboten sind. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Kontrollen von einem nationalen Sportverband oder einem internationalen Gremium angeordnet werden. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Lausanne ) (Quelle: )