16.10.2019 | Welt Gruppe 9 Jahre im Keller isoliert: Neueste Erkenntnisse zum gruseligen Fall aus den Niederlanden

Was sich jahrelang in diesem Bauernhof in den Niederlanden abgespielt hat, übersteigt jede Vorstellungskraft. Sieben Menschen haben neun Jahre im Keller gelebt. Der Fall gibt viele Rätsel auf. Das wissen die Ermittler bereits.

Foto: Wilbert Bijzitter/ANP/dpa Das Bild einer Drohne zeigt den abgelegenen Hof in den Niederlanden.

Von außen sieht dieser  Bauernhof in den Niederlanden aus wie jeder andere, umgeben von Bäumen und Feldern, ein Gemüsegarten und eine Ziege. Aber was sich jahrelang in diesem Bauernhof abgespielt hat, übersteigt jede Vorstellungskraft.

Total isoliert von der Außenwelt haben ein 58-Jähriger und sechs junge Leute gut neun Jahre lang im Keller des Bauernhofes gehaust. Die Polizei entdeckte die Gruppe auf dem abgelegenen Grundstück. Die Menschen würden nun versorgt, wie die Polizei in der östlich gelegenen Provinz Drenthe mitteilte. Der 58-jährige wurde laut Polizei vorläufig festgenommen. Er wird der Freiheitsberaubung verdächtigt. Das teilte die niederländische Staatsanwaltschaft am Mittwoch (16.10.) mit.

Wer ist der festgenommene Mann?

Klar ist inzwischen: Der festgenommene Mann ist nicht der Vater der jungen Leute, die heute zwischen 18 und 25 Jahre alt sind. Bei dem Mann handelt es sich Behörden zufolge um einen Österreicher. Der Sprecher des österreichischen Außenministeriums in Wien bestätigte am Dienstagabend entsprechende Berichte niederländischer Medien unter Berufung auf die örtlichen Behörden. Demnach handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen gebürtigen Wiener.

Niederländische Medien: Gruppe wartete auf den Weltuntergang

Die Gruppe „lebte in sehr provisorischen Räumen“, sagte der Bürgermeister Roger de Groot. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Warum die Menschen dort so isoliert wohnten, ist unbekannt. Sie sollen auf „das Ende der Zeiten“ gewartet haben, berichteten niederländische Medien. Die Ermittler wollten diese Darstellung zunächst nicht bestätigen. Es gebe noch sehr viele offene Fragen, sagte der Bürgermeister. Es ist nicht bekannt, in welchem Verhältnis der Mann zu den jüngeren Menschen der Gruppe steht.

Foto: RTL Netherlands/AP/dpa
Verwirrter Mann erscheint in Dorfkneipe

Der Wirt der Dorfkneipe in Ruinerwold, nur etwa 50 Kilometer von der Grenze nach Deutschland entfernt, hatte die Polizei am Montag alarmiert. Bei ihm war ein fremder junger Mann im Lokal aufgetaucht.

Er war total verwirrt, wie der Wirt dem TV-Sender RTV Drenthe sagte. „Er sagte, dass er weggelaufen war und Hilfe brauchte.“  Der 25-Jährige habe auch geschildert, dass er neun Jahre lang nicht draußen gewesen sei. Daraufhin rief der Gastwirt die Polizei.

Über die genauen Lebensumstände und den Gesundheitszustand der Gruppe wollte die Polizei vorerst keine Angaben machen. Die Untersuchungen seien noch in vollem Gange. „Alle Szenarien sind noch offen“, sagte eine Sprecherin. Der 58-Jährige sei festgenommen worden, „weil er nicht an unserer Untersuchung mitarbeitete“.

Warum haben Nachbarn nichts bemerkt?
Foto: Wilbert Bijzitter/ANP/dpa Polizisten haben den Zugang
zum Bauernhof abgeriegelt.

Niederländische Medien berichteten, dass die Polizei hinter einem Schrank im Wohnzimmer eine Treppe entdeckt hatte, die in den Keller führte. Dort hätten der Mann und die jungen Leute gehaust. Dorfbewohner sind schockiert. Sie sagten Reportern, dass sie bei dem Hof immer nur einen Mann gesehen hatten. Sie dachten, er bewirtschaftet und lebt auf dem Bauernhof alleine.

Von einer Gruppe hätten sie nichts gewusst. Der Hof liegt versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des Dorfes entfernt. Dazu gehören nach Aussagen von Reportern ein großer Gemüsegarten und eine Ziege. Möglicherweise habe sich die Gruppe jahrelang selbst versorgt.

Fall weckt böse Erinnerungen

In Österreich weckt der Fall - wenn auch eigentlich anders gelagert - Erinnerungen an den Fall Josef Fritzl, der vor elf Jahren aufflog. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter in einen Keller im Bundesland Niederösterreich gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Er wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.