10.06.2009 | Welt Art Basel: Erfolgreiche Rückkehr zur Normalität

Art Basel: Erfolgreiche Rückkehr zur Normalität
Andy Warhols Meisterwerk «Big Retrospective Painting» (Galerie Bischofberger) ist für rund 53 Millionen Euro zu haben.
Die 40. Art Basel wird in Zeiten der Krise sicherlich keine Rekordmesse werden, zumindest nicht, was die Umsätze betrifft. Dennoch wird das wichtigste Rendezvous der Gegenwartskunst, das an diesem Mittwoch eröffnet wurde, wieder ein Erfolg sein.

Für die meisten Galerien ist die Krise eine Chance zur Normalität, was bedeutet: Vernünftige Preise und wahre Sammler, die am Vortag der Preview nicht auf sich warten ließen. Sie kauften wie ehedem, nur vorsichtiger und bewusster vielleicht. «Das übertrifft all meine Erwartungen», sagte der New Yorker Händler David Nash.

Ein Rundgang durch die Galerien der Basler Messehallen bestätigte die euphorische Stimmung der Galeristen. Auf vielen Ständen hing bereits am Vortag der rote Punkt neben den Ausstellungsstücken, was bedeutet: Das Werk ist verkauft. Auch die Stammgast-Promis der Messe blieben dieses Jahr nicht aus: So konnte man Hollywood-Star Brad Pitt sehen, wie er interessiert vor einem Werk von Neo Rauch stand oder den russischen Milliardär Roman Abramowitsch.

Auch wenn die Fachleute von einer Rückkehr zu vernünftigeren Preisen reden, werden auf der Messe immer noch Werke von sieben- und achtstelligen Verkaufspreisen angeboten, so zum Beispiel das elf Meter lange «Big Retrospektive Painting» von Andy Warhol in der Galerie Bischofberger. Der Preis für dieses Riesenwerk, auf dem die Hauptmotive des amerikanischen Pop-Art-Künstlers aneinandergereiht sind: rund 74 Millionen Dollar (etwa 53 Millionen Euro). Der Ölmagnat Abramowitsch, der vor knapp einem Jahr in Moskau ein Museum eröffnet hatte, zeigte bei der Preview starkes Interesse an dem Werk.

«Ich will nicht sagen, dass der Kunstmarkt-Hype zurück ist. Doch was hier stattfindet ist eine gute Messe», erklärte ein Kunstmanager. So gut, dass bei einigen Galerien kurz nach der Vorbesichtigung bereits die Hälfte der Werke verkauft war wie bei der Galerie Lorenzo aus Madrid. Fast leer gekauft wurden auch die kanadischen Galeristen Robert und Alice Landau, die einen roten Punkt zum Beispiel neben einer Harzskulptur von Juan Miró kleben konnten.

«Die wahren Sammler haben ihr Budget in der überhitzten Zeit zurückbehalten. Dass das Ende der astronomischen Preise kommen würde, war absehbar. Jetzt kommen wir wieder zur Normalität zurück», sagte der Galerist Thomas Schulte aus Berlin. Angst davor, dass die Krise die Art Basel in ein Debakel stürzen würde, hatte er nicht. «Wir dürfen Europa nicht mit Amerika verwechseln, dem Zentrum des Kunst-Hypes, das von dem Beben am stärksten betroffen ist.»

«Die Zeiten der Spekulanten sind vorbei», sagte Matthias Rastorfer, Mitinhaber der renommierten Galerie Gmurzynska aus Zürich, der zusammen mit dem Messe-Chef Marc Spiegel zu jenen gehört, die schon lange vor der Messe diese vorhersehbare Kehrtwende begrüßt haben. «Es ist eine gute Zeit für seriöse Leute. Man hat Zugang zu Werken, die man früher nicht bekommen hätte und die Galeristen haben mehr Zeit, mit neuen Sammlern zu arbeiten», erklärte Spiegler.

In Zeiten der Krise besinnt man sich nicht nur auf vernünftige Preise, sondern auch auf sichere Werte. «Der Boom der letzten Jahre ging einher mit einem Boom der Experimente, der nun ein Ende nimmt», erklärte der frühere Messe-Chef Samuel Keller. Und so ist die weltgrößte Messe für Gegenwartskunst weniger risikofreudig geworden.

Namen, die für Qualität bürgen, dominieren die Liste der rund 2 500 Künstler. Alexander Calder, der Pionier der kinetischen Kunst, ist gleich in 15 Galerien ausgestellt, ebenso der Art-Brut-Künstler Jean Dubuffet und der Tachismus-Meister Francis Sam. «Die Galeristen sind mit ihren Meisterwerken nach Basel gekommen», sagte der Londoner Händler Helly Nahmad.

Selbst die Art Unlimited, der Sonderbereich der Art Basel, der als Spielwiese für Experimentelles, Überdimensionales und Provokatives gilt, ist konservativer geworden. Beeindruckend sind die riesigen Skulpturen und Installation von Sterling Ruby, Sarah Oppenheimer und Hans Op de Beeck immer noch, doch sind die Projekte gefälliger geworden.

Sex und Gewalt ist aus ihrem Inhalt verschwunden, bis auf eine Ausnahme, aber die hat den Effekt des Déjà-vu: Nan Goldin. Die New Yorker Matthews Marks Gallery zeigt «The Ballad of Sexual Dependency», ein Ensemble aus 126 Fotografen, die Männer und Frauen beim Masturbieren, Drogenspritzen oder Liebesspiel zeigen. Aufnahmen, die jedoch vor mehr als drei Jahrzehnten entstanden sind. «Bye Bye Glamour: Der Glitter geht und die Klassik kommt», titelte denn auch die Fachzeitschrift «The Art Newspaper». (Quelle: Basel )