23.04.2009 | Welt Bregenzer Festspiele: Riesenfüße für «Aida»

Bregenzer Festspiele: Riesenfüße für «Aida»
Auf der Seebühne Bregenz dominieren zwei riesige Füße das Bühnenbild.
Spaziergänger am Bodenseeufer in Bregenz reiben sich verdutzt die Augen, wenn sie plötzlich vor der Promenade zwei gigantische blaue Füße mit kupferfarbenen Sternen im Wasser entdecken.

Die bis zu 20 Meter in den Himmel ragenden Extremitäten sind der Blickfang des monumentalen Bühnenbilds für die Opern- Neuproduktion «Aida» der Bregenzer Festspiele auf der Bühne im Bodensee. Die Füße sind 15 Meter lang und sind Teil einer zerborstenen Riesenstatue. Gehörten sie einem Menschen, müsste dieser Schuhgröße 2400 haben. Am Donnerstag wurde Richtfest der spektakulären Kulissen von Giuseppe Verdis Liebes- und Kriegsdrama gefeiert. Bis zur Premiere des Open-Air-Spektakels am 22. Juli sollen weitere Bühnenbild-Fragmente dazukommen.

Gigantische Kulissen und technische Raffinessen sind seit Jahren eine Spezialität der Bregenzer Seebühne. Doch für die Wüstenoper auf dem Wasser hat Bühnenbildner Paul Brown eine Szenerie entworfen, die ihresgleichen sucht. Denn die Kulissen werden wie ein Puzzle zusammengesetztund zwar allabendlich neu. «Das Bühnenbild wird erst während der Aufführung vor den Augen der Zuschauer entstehen», erklärte Brown. Eine tragende Rolle spielt dabei ein 68 Meter hoher Kran. Das Kran-Monster ist Teil der Requisiten und wird während der Vorführung einzelne Teile aus dem Wasser heben. Zu den Fragmenten gehören auch eine Riesenfackel sowie Nachbildungen eines Elefanten sowie der Freiheitsstatue.

Der Technik-Direktor der Festspiele, Gerd Alfons, sprach von einer «Riesenherausforderung für alle». Seit November 2008 werkeln Mitarbeiter von 20 Firmen aus fünf Ländern an Bühnenteilen oder sind mit dem Aufbau in Bregenz beschäftigt. Das Bühnenbild, das ständig in Bewegung ist, soll nach Angaben von Brown und Regisseur Graham Vick den ewigen Kreislauf von Zerstörung und Wiederaufbau symbolisieren. Für Festspielintendant David Pountney ist die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem ägyptischen Feldherrn Radames und der Prinzessin Aida aus dem verfeindeten Äthiopien «eine sehr moderne Parabel über Nationalismus, Kriegslust und Feindeshass, die zeigt, dass es in einem Krieg nur Verlierer geben kann».

Bei der Open-Air-Inszenierung von «Aida», die seit der Uraufführung 1871 in Kairo zu den meistgespielten Musiktheaterwerken gehört, warten die Festspiele mit einer weiteren Neuerung auf: Bei der Oper vom Nil soll der Bodensee stärker ins Blickfeld rücken. Auftrittsorte von Sängern, Chören und Statisten werden deshalb teilweise auf Plattformen oder Schiffen rund um den deutlich verkleinerten festen Beton-Bühnenkern im Wasser liegen.

Das «Spiel auf dem See» ist stets das Herzstück des Kulturfestivals in der Hauptstadt des österreichischen Bundeslands Vorarlberg. Für jeweils zwei Spielzeiten wird eine komplett neue Szenerie in den Bodensee gebaut. Das Programm der Festspiele unter dem Leitmotiv «Sinn und Sinnlichkeit» vom 22. Juli bis zum 23. August umfasst insgesamt 90 Veranstaltungen. Dazu gehören auch wieder eine Opernrarität im Festspielhaus, Operette, Theater und Symphoniekonzerte. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Bregenz ) (Quelle: )