06.12.2017 | Welt Offiziell: Trump erkennt Jerusalem als Hauptstadt Israels an

Trotz internationaler Warnungen hat US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. «Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es Zeit ist, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen», sagte der Republikaner in einer Rede im Weißen Haus. Nun wird eine neue Eskalation im Nahostkonflikt befürchtet.

  • <p>Jerusalem:&nbsp;Blick auf die Klagemauer und den Felsendom, zwei der wichtigsten Heiligtümer der Juden und Muslimen</p>

    Jerusalem: Blick auf die Klagemauer und den Felsendom, zwei der wichtigsten Heiligtümer der Juden und Muslimen

    Foto: Oded Balilty/AP/dpa
  • <p>Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r) und US-Präsident Donald Trump geben sich am 23.05.2017 in Jerusalem die Hand.</p>

    Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r) und US-Präsident Donald Trump geben sich am 23.05.2017 in Jerusalem die Hand.

    Foto: Matty Stern/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa
  • <p>Palästinenser verbrennen am 06.12.2017 in Gaza (Palästinensische Autonomiegebiete) während eines Protests gegen US-Präsident Trumps Vorhaben, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, die amerikanische und israelische Flagge.</p>

    Palästinenser verbrennen am 06.12.2017 in Gaza (Palästinensische Autonomiegebiete) während eines Protests gegen US-Präsident Trumps Vorhaben, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, die amerikanische und israelische Flagge.

    Foto: Wissam Nassar/dpa

Jerusalem/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch (06.12.2017) Jerusalem entgegen internationaler Gepflogenheiten als Hauptstadt Israels anerkannt und damit Bestürzung und Besorgnis ausgelöst. Israel warnte die Palästinenser eindringlich vor gewaltsamen Protesten. «Ich schlage vor, dass sie keine Spannungen verursachen und diesen Weg nicht einschlagen», sagte Geheimdienstminister Israel Katz nach Angaben seines Beraters vom Mittwoch. «Gewaltsame Proteste wären ein großer Fehler der Palästinenserbehörde.»

Die Verlegung der Botschaft werde aber Jahre in Anspruch nehmen, hieß es. Trump werde die Aussetzung eines US-Gesetzes aus dem Jahr 1995, das Jerusalem als Sitz der US-Botschaft vorschreibt, ein weiteres Mal unterzeichnen. Die Aussetzung verlängert sich somit zunächst um weitere sechs Monate. Trump hatte die Verlegung der Botschaft im Wahlkampf versprochen.

Mehrere palästinensische Gruppierungen haben aus Empörung über die US-Entscheidung von Mittwoch an zu drei «Tagen des Zorns» aufgerufen. In der Nähe von Bethlehem kam es zu einer Konfrontation zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. In Bethlehem verbrannten Demonstranten schon am Dienstagabend Bilder von Trump. In Gaza zündeten am Mittwoch hunderte Demonstranten Trump-Bilder und US-Flaggen an. Die Bundesregierung warnte vor möglichen Ausschreitungen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen.

Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Kriegs den arabisch geprägten Ostteil der Stadt erobert und später annektiert. Es beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt. Unter anderem erkennen die Vereinten Nationen nicht ganz Jerusalem als Israels Hauptstadt an. Die Palästinenser sehen in Ost-Jerusalem ihre künftige Hauptstadt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief angesichts von Trumps Entscheidung sein Volk zur Einheit auf. «Wir haben für den Erfolg der Versöhnung gearbeitet», zitierte ihn am Mittwoch die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die nationale Einheit sei die wahre Antwort auf alle Versuche, die durch internationale Gesetze garantierten Rechte der Palästinenser zu verletzen.

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