16.06.2009 | Welt Ende einer Ära: Khuons Abschied vom Thalia

Ende einer Ära: Khuons Abschied vom Thalia
Zur Spielzeit 2009/2010 wird Ulrich Khuon die Intendanz des Deutschen Theaters Berlin übernehmen.
Der Zwischenruf des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi verschaffte dem damals neuen Thalia-Intendanten Ulrich Khuon seinen Theater-Skandal.

Als sich im Dezember 2000 in Michael Thalheimers «Liliom»-Inszenierung auf der Bühne des Thalia Theaters Peter Kurth und Fritzi Haberlandt anbrüllten, prügelten und im Stehen liebten, rief von Dohnanyi erbost: «Das ist doch ein anständiges Stück, das kann man doch anständig spielen.» Neun Jahre und zwei Auszeichnungen zum «Theater des Jahres» (2003 und 2007) später lassen die Hanseaten Ulrich Khuon nur ungern gehen. Als die Nachricht von seinem Wechsel zum Deutschen Theater in Berlin vor zwei Jahren die Runde machte, hieß es überall: Wer soll ihn nur ersetzen?

«Nach neun Jahren ist ein Wechsel aber einfach richtig, auch wenn man das Loslassen trainieren muss», sagt Khuon in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Obwohl auch ihm der Abschied nicht leicht fällt. «Es ist nicht so, dass ich ungern in das Haus gehe. Das ist überhaupt nicht so. Ich bin eher auf verlässliche Bindungen eingestellt. Die kann ich auch genießen - ohne, dass man bequem wird», sagt der 58-Jährige, der stets bescheiden auftritt. Und bequem ist das Thalia Theater nie gewesen. Regisseure wie Andreas Kriegenburg, Michael Thalheimer, Armin Petras, Stephan Kimmig und Nicolas Stemann konnten sich hier ausprobieren und ihre Stärken entwickeln, das Ensemble gilt als eines der besten in Deutschland.

Kontinuität, Verlässlichkeit und Teamgeist sind wichtige Schlagworte für den gebürtigen Schwaben, der das Theaterspielen oft mit dem Fußballspielen vergleicht. «Da kommt ja vieles zusammen: Dass das Ensemble sich gut findet, dass man viele Talente entdeckt, diese aber auch verbindet. Dass die Regisseure, mit denen man arbeitet, selber einen Lauf haben. Wenn das alles in einem Haus passiert, in dem ein guter Geist weht, und es kommt noch ein bisschen Fortune dazu, dann ist der Erfolg möglich», sagt Khuon. Um gleich hinzuzufügen, dass ihm schon bewusst sei, «dass das zerbrechlich ist». «Ich kann die Panik von Spitzenköche gut verstehen. Wenn man mal bei diesen Sternen angekommen ist, dann stellt sich auch so eine Art Dauerpanik ein, wie man die Erwartungen einlöst.»

Nun ist er gespannt auf Neues in Berlin, auch wenn Oberspielleiter Andreas Kriegenburg und zahlreiche Schauspieler ihm in die Hauptstadt folgen werden. Was nimmt er an Erfahrung mit nach Berlin? «Dass Hartnäckigkeit sich lohnt. Im Grunde auch die wiederholte Erkenntnis, dass mir die schnelle Liebe nicht gelingt - also muss man an der langsamen Liebe arbeiten.» Und welchen Ratschlag hat er für seinen Nachfolger Joachim Lux, ehemaliger Chefdramaturg am Wiener Burgtheater: «Joachim Lux braucht keine Ratschläge. Er hat eine Riesenerfahrung, vielleicht nicht als Intendant, aber als Chefdramaturg. Und Dramaturgen prägen die Häuser extrem. Die Schritte, die er unternimmt, sind sehr klug und souverän.»

Und was waren seine persönlichen Highlights? «Ach, da gab es massenweise. Ich würde sagen, die Armin-Petras-Trilogie, von der die Gaußstraße sehr stark profitiert hat. Dann haben mir "Die schmutzigen Hände" und die Dea-Loher-Inszenierungen von Andreas Kriegenburg sehr gut gefallen. Und "Maria Stuart", "Nora" und "Liebe und Geld" von Stephan Kimmig, natürlich auch die Inszenierungen von Michael Thalheimer - von "Liliom" über "Lulu" bis "Liebelei". Auch der "Reigen" war wieder eine ganz starke Arbeit, oder "Die Räuber" und "Ulrike Maria Stuart" von Nicolas Stemann. Sehr vieles, finde ich, ist doch sehr gut geworden.» Einige der Stücke sind noch bis zum 10. Juli am Thalia Theater zu sehen. (Quelle: Hamburg )