20.04.2009 | Welt Flugzeug-Kidnapper auf Jamaika überwältigt

Flugzeug-Kidnapper auf Jamaika überwältigt
Schauplatz der Geiselnahme auf dem Flughafen von Montego Bay in Jamaika.
Knapp acht Stunden dauerte das Geiseldrama auf dem Flughafen Montego Bay im Karibik-Urlaubsparadies Jamaika, dann war alles vorüber.

Ein offensichtlich geistig verwirrter Jamaikaner hatte die Maschine der kanadischen Fluglinie CanJet, die nach Kuba weiterfliegen sollte, am Sonntagabend in seine Gewalt gebracht und acht Besatzungsmitglieder sowie 159 Passagiere mit einer Pistole bedroht. Der Sangster International Airport wurde von einem massiven Polizeiaufgebot abgeriegelt.

Um 6.40 Uhr (Ortszeit) stürmte ein Einsatzkommando das Flugzeug und überwältigte den Mann, wie die Polizei am Montag mitteilte. Verletzt wurde bei dem Geschehen niemand, die Regierung der Insel bangt aber um den Ruf Jamaikas als sicheres Ferien-Paradies.

Informationsminister Daryl Vaz sprach von einer «sauberen Operation». Vater und Geschwister des Geiselnehmers hatten zuvor versucht, ihn zur Aufgabe zu überredenohne Erfolg. Der etwa 20 Jahre alte Mann aus Montego Bay war am Sonntagabend gewaltsam in die Boeing 737 eingedrungen. Der Flug «918» kam aus Halifax, Kanada, und sollte von Montego Bay am Sonntag gegen 23.30 Uhr Ortszeit nach Santa Clara auf Kuba und dann zurück nach Halifax fliegen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich nach Polizeiangaben 167 Menschenalle aus Kanadaan Bord. Davon waren acht Crew-Mitglieder. CanJet selbst hatte zuvor von insgesamt 182 Menschen gesprochen. Zu den Reisenden gehörte auch eine Hochzeitsgesellschaft.

Die Crew-Mitglieder konnten den Geiselnehmer, dessen Namen von der Polizei mit Stephen Fray angegeben wurde, offenbar nach kurzer Zeit überzeugen, die Passagiere freizulassen. Im Gegenzug gaben sie dem Mann ihr Bargeld. Sechs Crew-Mitglieder hielt der Jamaikaner trotzdem rund acht Stunden fest. Zunächst gab es Berichte, der Kidnapper habe den Piloten erschossen. Das bewahrheitete sich nicht. Allerdings gab der Kidnapper nach Schilderungen von Passagieren einen Warnschuss aus der Flugzeugtür ins Freie ab.

Was den Jamaikaner zu dem Coup trieb, blieb zunächst unklar. Informationsminister Vaz sagte: «Seine Forderung war es, nach Kuba zu fliegen.» Doch Kuba war ohnehin das nächste Ziel der Maschine. Kanadas Präsident Stephen Harper nahm die Nachricht über die Entführung nach Aussagen seines Sprechers mit «großer Sorge» auf. Harper war just zu dem Zeitpunkt, als der Kidnapper sich Zugang zur Boeing verschaffte, in Jamaikas Hauptstadt Kingston zu einem Arbeitsbesuch eingetroffen.

Jamaikas Premierminister Bruce Golding war noch in der Nacht zum Ort des Geschehens geflogen. «Ich bin sehr erleichtert, dass es vorbei ist und niemand verletzt wurde. Ich habe mit den Passagieren gesprochen und mich entschuldigt», sagte er. Unklar blieb, wie es dem Mann gelingen konnte, mit der Waffe an Bord des Flugzeuges zu gelangen. Er hatte offensichtlich kein Ticket. Er bedrohte bereits im Terminal Flughafenpersonal mit der Waffe, konnte aber nicht gestoppt werden, weil es dort keine bewaffneten Sicherheitskräfte gab. Es sei nicht üblich, dass sich bewaffnete Sicherheitsbeamte im Terminal selbst aufhielten, sagte ein Flughafenmanager.

Auch Airline-Vizepräsident Woodside zeigte sich «sehr erleichtert» über das unblutige Ende der Geiselnahme und die Festnahme des Täters. Alle Passagiere seien in Hotels untergebracht und eine CanJet- Maschine sie auf dem Weg von Montreal über Toronto nach Montego Bay, um die Passagiere entweder nach Kuba oder zurück nach Kanada zu bringen. Jamaika wird jährlich von 2,5 Millionen Urlaubern besucht. Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen der Insel. Minister Vaz sagte, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Die Tat sei lediglich die eines Verwirrten gewesen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Kingston ) (Quelle: )