24.05.2019 | Welt Hunderttausende bei «Klimastreik» zur EU-Wahl

Stockholm/Berlin (dpa) - Hunderttausende überwiegend junge Menschen haben in aller Welt unmittelbar zur Europawahl ein Zeichen für den Kampf gegen die Klimakrise gesetzt.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin und Schülerin aus Schweden, spricht während des Fridays for Future in Stockholm. /TT NEWS AGENCY/AP/
Foto: Janerik Henriksson/TT Greta Thunberg, Klimaaktivistin und Schülerin aus Schweden, spricht während des Fridays for Future in Stockholm. /TT NEWS AGENCY/AP/

Stockholm/Berlin (dpa) - Hunderttausende überwiegend junge Menschen haben in aller Welt unmittelbar zur Europawahl ein Zeichen für den Kampf gegen die Klimakrise gesetzt.

Allein in Deutschland beteiligten sich am Freitag nach Angaben der Bewegung Fridays for Future 320.000 Menschen an der zweiten Auflage eines globalen Klimaprotesttages - so viele wie noch nie. Demonstriert wurde in allen Bundesländern und in mehr als 200 deutschen Städten. International sollen laut einer Liste von Fridays for Future Demonstranten an 1784 Orten in 128 Ländern unterwegs gewesen sein.

In der Hamburger Innenstadt protestierten nach Polizeiangaben etwa 17.000 Menschen, laut den Veranstaltern waren es bis zu 25.000. In Berlin sprachen die Organisatoren von mehr als 15.000 Teilnehmern. In Freiburg zählte die Polizei zwischen 8000 und 10 000, in Kiel 7000, in der Studentenstadt Münster 6000. Auch in München, Frankfurt und anderen deutschen Großstädten war die Teilnehmerzahl vierstellig.

Vielerorts hielten Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie «Klimaschutz statt Kohleschmutz» und «Es gibt keinen Planeten B» in die Höhe. Nahezu überall war der Slogan «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!» zu hören.

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Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) forderte unterdessen eine entschlossenere Klimapolitik der Bundesregierung. «Wir brauchen Entscheidungen, in der Klimapolitik wie anderswo», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

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Das deutsche Gesicht der Klimabewegung, Luisa Neubauer, rief in Berlin dazu auf, bei der Stimmabgabe ans Klima zu denken. «Wir brauchen ein EU-Parlament, das angesichts der größten Krise der Menschheit die Ärmel hochkrempelt und nicht die Augen verschließt», sagte sie. In Frankfurt sagte Emil Riedel, einer der Organisatoren: «Es muss für das Klima gewählt werden.» Deutschland stimmt wie die meisten anderen EU-Länder am Sonntag ab.

Der Klimastreik am Freitag zog sich einmal quer über die Erde. Den Anfang machten wegen der Zeitverschiebung mehrere neuseeländische Städte, darunter Christchurch und die Hauptstadt Wellington. Nicht nur Schüler, sondern auch zahlreiche Erwachsene marschierten bei den Protesten mit. Im australischen Melbourne legten sich Hunderte Teilnehmer aus Protest wie später auch in Frankfurt kurz regungslos auf die Straße.

Märsche folgten dann in Ländern wie Thailand, den Philippinen und Indien. Selbst im kriegsgebeutelten Syrien versammelten sich rund 50 Menschen zu einem kleinen Protest, in der türkischen Metropole Istanbul waren es 80.

In allen 28 EU-Staaten gingen Demonstranten auf die Straße, auch in Irland und Tschechien, wo am Freitag für die EU-Wahl abgestimmt wurde. Im italienischen Turin war auf einem Plakat US-Präsident Donald Trump abgebildet, dem das Wasser bis zum Oberkörper steht, in Mailand kamen mehr als 30.000 Demonstranten zusammen, im belgischen Brüssel waren es rund 7500.

In Madrid riefen Demonstranten «Wir müssen das System ändern, nicht das Klima». In Warschau war «Nehmt uns nicht unsere Zukunft weg» auf einem Schild zu lesen. In Kopenhagen forderten Demonstranten ein Klimagesetz und machten offenbar von ihrem Wissen aus dem Deutsch-Unterricht Gebrauch: «Klima ist wie Bier. Warm ist scheiße», stand da auf Deutsch geschrieben.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg rief in ihrer Heimatstadt Stockholm zu einem grundsätzlichen Umdenken zur Rettung des Klimas auf. «Wir stehen vor einer existenziellen Krise. Wir müssen Veränderungen in allen Ebenen der Gesellschaft sehen», sagte sie nach einem Protestmarsch, an dem sich 6000 bis 8000 Menschen beteiligten. Thunberg appellierte an Erwachsene, sich dem Kampf für das Klima anzuschließen. «Wir wissen, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Aber im Moment wirkt das nicht so», sagte sie. «Wir bitten euch Erwachsene, gebt uns eine Zukunft!»

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