20.04.2009 | Welt Schnelle Bergung des Kölner Archivguts

Schnelle Bergung des Kölner Archivguts
Ein Restauratorin reinigt in Köln ein historisches Dokument.
Die Bergung der verschütteten Archivalien in Köln wird voraussichtlich bis Ende Mai abgeschlossen sein. Das sei «viel schneller als ursprünglich gedacht», sagte am Montag der Sprecher des Kölner Kulturamtes, Peter Schelenz.

«Wenn Sie mal die Meldungen von Anfang März durchsehen, da war von vielen Monaten die Rede.» Man gehe mittlerweile davon aus, dass 65 bis 80 Prozent der Archivbestände geborgen werden könntenin ganz unterschiedlichem Zustand, von nahezu unbeschädigt bis sehr stark beschädigt. Der Rest sei beim Einsturz des Archivs am 3. März zerstört worden.

Am Freitag waren unter den Trümmern unerwartet intakte Kellerbereiche entdeckt worden. Wie Schelenz am Montag erläuterte, enthalten sie aber keine der wirklichen Kostbarkeiten. Es gehe um Zeitungen des 19. und 20. Jahrhunderts und um große Teile der Dienstbibliothek mit Literatur zur rheinischen Geschichte der vergangenen 200 Jahre. «Das sind nicht die großen Schätze», erläuterte Schelenz.

Als «Wunder» gilt dagegen die Bergung der praktisch unversehrten Nobelpreisurkunde Heinrich Bölls am vergangenen Mittwoch. René Böll, der Sohn des Schriftstellers, wies am Montag allerdings darauf hin, dass bisher nur ein «relativ kleiner Teil» des Nachlasses gerettet worden sei. Dazu gehörten einzelne Fotos, frühe Manuskripte und Korrespondenz mit Verlegern. «Es werden manche Sachen nahezu unbeschädigt gefunden, andere sind fast pulverisiert», sagte Böll der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln.

Dabei müsse man bedenken, dass die Familie dem Archiv nur drei Wochen vor dem Einsturz am 3. März allein acht Kartons mit Fotos übergeben habe. Der Verlust sei immens. Ein von der Stadt Köln angekündigtes Treffen von Angehörigen, die dem Archiv Nachlässe geschenkt oder verkauft hatten, habe bisher nicht stattgefundendarauf warte er jetzt. «Die Stadt hat auf jeden Fall die Pflicht gehabt, die Sachen gut aufzubewahren. Wir warten auf ein Gespräch mit der Stadt. Bis heute hat sich ja niemand schuldig erklärt.»

Beim Abtragen des Schuttkegels kommen die Helfer nun an die Grundwasserlinie. «Das ist dann noch mal eine ganz andere technische Herausforderung», sagte Kulturamtssprecher Schelenz. Feuchtigkeit sei Gift für Papierdokumente. Anschließend werde allein das Identifizieren der geborgenen Archivgüter fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen, sagte der stellvertretende Archivleiter Ulrich Fischer.

Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia sagte am Sonntag im Deutschlandradio Kultur, sie hoffe auf eine zügige Entscheidung zum Standort des geplanten Archiv-Neubaus. Man brauche eine Zukunftsperspektive und wolle sich nicht bis zur nächsten Kommunalwahl und darüber hinaus mit der puren Hoffnung auf einen Neubau herumquälen. Standort des Neubaus solle die Innenstadt sein. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Köln ) (Quelle: )