13.06.2009 | Welt Tykwer dreht sudanesische Flüchtlingsgeschichte

Tykwer dreht sudanesische Flüchtlingsgeschichte
Schauspieler Daniel Brühl (l), der Sudanese Valentino Achak Deng (M) und Regisseur Tom Tykwer (r) im Admiralspalast in Berlin.
Es ist eine Geschichte, die unter die Haut geht. Regisseur Tom Tykwer will noch dieses Jahr mit der Verfilmung des sudanesischen Flüchtlingsromans «Weit Gegangen» beginnen. Das sagte Tykwer («The International», «Das Parfum») bei der Vorstellung des Buches in Berlin.

Dazu war auch die Hauptfigur Valentino Achak Deng angereist. Deng floh 1987 als sieben Jahre alter Junge vor dem Bürgerkrieg im Südsudan und lebte 13 Jahre in Flüchtlingslagern, bevor er 2001 in die USA kam. US-Autor Dave Eggers hat aus der Geschichte einen Roman gemacht, aus dem der Schauspieler Daniel Brühl im Admiralspalast Passagen vortrug.

Was die Flüchtlingsjungen, die «Lost Boys» wie Deng, in der ostafrikanischen Krisenregion erlebten, ist unvorstellbar: Massaker durch die Reitermilizen, Bomben, Hunger, Durst und die tödliche Gefahr durch wilde Tiere. Nachts, wenn die Jungen im Gänsemarsch auf der Flucht waren, kam es vor, dass sich Löwen Kinder holten, wie im Buch geschildert wird. «Ich habe gesehen, wie Menschen bei lebendigem Leib in ihren Häusern verbrannt sind», erinnert sich Deng. Er warb um Unterstützung für die Region, für die es mittlerweile ein Friedensabkommen gibt. «Frieden ist nur Frieden, wenn es Entwicklung gibt.»

Tykwer sagte, er habe das Buch nicht in einem Stück lesen können und Pausen einlegen müssen, weil es ihn so aufgewühlt habe. Die Geschichte spielt zum Teil in den USA, zum Teil in Afrika. Möglich ist laut Tykwer, dass aus dem Buch ein Kinofilm und ein Fernsehmehrteiler wird. Nach Angaben des Verlages Kiepenheuer & Witsch war «Weit Gegangen» mit 15 000 Lesern bisher ein «mittelmäßiger Erfolg» und nicht der Bestseller, den man sich für das Buch gewünscht habe.

Bei der Diskussionsrunde hatte Deng die Sympathien auf seiner Seite. Er zeigte Bilder der Schule, die mit Hilfe des Buches und von Spenden in seinem Heimatdorf gebaut wurde. Am Ende erntete Deng, der auf seiner Flucht viele hundert Kilometer zu Fuß gegangen ist, auch Lacher: Er könne sich gut vorstellen, dass Tykwer das Buch verfilmt. «Ich habe "Lola rennt" gesehen.» (Quelle: Berlin )