01.06.2022 | Welt Urteil im Prozess von Johnny Depp gegen Amber Heard

Nach sechs Wochen Schlammschlacht sind die Geschworenen in den USA zu einem Urteil im Prozess der Ex-Eheleute Johnny Depp und Amber Heard gekommen. Das Urteil und was das jetzt bedeutet.

Foto: Victoria Jones/Kirsty O'connor/PA Wire/dpa

Nach sechs Prozesswochen voller schwerer Vorwürfe im Verleumdungsprozess zwischen Hollywood-Star Johnny Depp (58) und seiner Ex-Ehefrau Amber Heard (36) sind die Geschworenen am Mittwoch, den 01.06.2022, zu einem Urteil gekommen. Die siebenköpfige Jury, bestehend aus Laien, musste zu einer einstimmigen Entscheidung gelangen. Sie beriet für etwa zwölf Stunden über drei Tage.

Das Urteil

Ursprünglich sollte das Urteil um 21 Uhr Mitteleuropäischer Zeit verkündet werden. Allerdings hatte die Jury vergessen, die konkreten Schadensersatzsummen im Urteil einzufügen. Gegen 21:20 Uhr MESZ schließlich fiel das Urteil. Johnny Depp befand sich nicht im Gerichtssaal, Amber Heard hingegen schon. Johnny Depp ist zur Zeit in England, spielt Konzerte mit Musiker Jeff Beck.

In den Augen der Jury gilt Amber Heard als schuldig. Die siebenköpfige Jury befand, dass der Beitrag, den Amber Heard (36) einst in der Washington Post schrieb, Depp verleumdet habe. Ihre Gegenklage, in der sie von Johnny Depp 100 Millionen Dollar Schmerzensgeld verlangt, wurde von der Jury abgelehnt. Heard hatte Depp Missbrauch und häusliche Gewalt vorgeworfen. 

Amber Heard muss nun Schadenersatz an ihren Ex-Mann Johnny Depp zahlen, in Höhe von zehn plus fünf Millionen Dollar. Letztere Summe reduzierte die Richterin aufgrund entsprechender Regulierungen im Bundesstaat Virginia auf 350.000 Dollar. Johnny Depp geht somit klar als Gewinner des Prozesses hervor - wenn auch nicht in allen Punkten. Auch er muss 2 Millionen US-Dollar Schadenersatz an seine Ex-Frau zahlen. Letztendlich muss die 36-Jährige dem Urteil zufolge 8,35 Millionen Dollar (knapp 8 Millionen Euro) an Depp zahlen. Eine Berufung in dem Fall gilt als wahrscheinlich.

Die Anschuldigungen 

In ihren Abschlussplädoyers hatten die Anwälte beider Seiten am vergangenen Freitag noch einmal heftige Anschuldigungen von sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt, Lügen und Drogenexzessen vorgebracht - und alles daran gesetzt, die sieben Mitglieder der Jury auf ihre Seite zu ziehen. 

Im Gericht im Bezirk Fairfax im US-Bundesstaat Virginia - und über Kameras per Livestream in alle Welt verbreitet - wurden schockierende Handyvideos, Tonaufzeichnungen mit übelsten Beschimpfungen und Fotos mit Blutergüssen präsentiert. Richterin Penney Azcarate erinnerte die sieben Geschworenen daran, zu einem einstimmigen Schluss kommen zu müssen.

Die Anklage

In seiner Zivilklage beschuldigt Depp die Schauspielerin, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies hätte seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung verlangt Depp 50 Millionen Dollar (gut 46 Millionen Euro) Schadenersatz. Heard pocht in einer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar. Sie macht geltend, dass Depps Ex-Anwalt Adam Waldman mit einer Schmutzkampagne ihrem Ansehen geschadet habe.

Rosenkrieg nach 15 Monaten Ehe 

Der bittere Rosenkrieg tobt schon seit Jahren. 2016 hatte Heard nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht. Sie warf dem Hollywood-Star häusliche Gewalt vor.

Vor zwei Jahren hatte Depp in London mit einer Klage gegen die Boulevardzeitung «Sun» eine Niederlage einstecken müssen. Es ging um einen Artikel, in dem behauptet wurde, Depp habe als Frauenschläger («wife beater») Heard körperlich misshandelt. Nach einem Prozess mit heftigen Vorwürfen wies der High Court die Klage am Ende ab.

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