13.11.2019 | Welt Venedig kurz vor Rekord-Hochwasser: Stadt der Brücken komplett überflutet

Für die städtischen Behörden durchlebte das von Hochwasser überspülte Venedig „eine der längsten Nächte“. Schon jetzt ist erkennbar, dass die Schäden enorm sein dürften.

Foto: Luca Bruno/AP/dpa Fußgänger an der Rialto-Brücke in Venedig, das von einem Hochwasser heimgesucht wird.

Venedig ist von einem Rekord-Hochwasser heimgesucht worden. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer „Katastrophe“ und mobilisierte am späten Dienstagabend (12.11.) alle Einsatzkräfte. Am Mittwoch werde der Notstand ausgerufen, kündigte er in einem Video auf Twitter an. Er machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. „Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein.“

Venedigs Bürgermeister auf Twitter

Höchster Wasserstand seit 1966

Bis kurz vor Mitternacht stieg das Wasser - angetrieben durch starken Wind - auf 187 cm über dem Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 cm erreicht wurden, teilte die Kommune mit. Der Pegel sank wieder im Laufe der Nacht, wie Brugnaro am frühen Mittwochmorgen twitterte.

Foto: ComunicareVenezia/dpa Der berühmte Markusplatz steht komplett unter Wasser.
Markusplatz und Markusdom unter Wasser

Aber: „Es wird eine lange Nacht.“ Denn nach der Angst komme nun die Schadensauflistung. Denn schließlich hinterlasse eine derartige Flut „unauslöschliche Spuren“.

Nun sei die Regierung gefragt. Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war vollkommen überflutet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend fuhr nur noch die Polizei mit Booten. Auch in den Markusdom drang das Wasser ein. Es habe unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien.

Foto: Luca Bruno/AP/dpa Der Eingang zum Markusdom ist überflutet.

„Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten“, sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der Nachrichtenagentur Ansa. Am Morgen hieß es, dass die gesamte Krypta unter Wasser gestanden habe.

Öffentliches Leben in Venedig steht still

Wegen der außergewöhnlich hohen Wasserstände wurden in der Lagunenstadt Kindertagesstätten und Grundschulen geschlossen, teilte die Kommune mit. Am Mittwoch ist kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen Regen angesagt. 

Foto: ComunicareVenezia/dpa Anwohner waten durch eine überflutete Straße entlang des Kanals in Venedig.

Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser heimgesucht, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Die Stadt will seit langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt.