10.06.2009 | Welt Verschwinden der Picasso-Skizzen weiter mysteriös

Verschwinden der Picasso-Skizzen weiter mysteriös
Die Vitrine, aus der Picassos Skizzenbuch verschwand.
Das Verschwinden des Skizzenbuches von Pablo Picasso aus dem Pariser Picasso-Museum bleibt mysteriös.

«Die Untersuchung durch die Polizei hat begonnen. Wir schließen zur Zeit weder einen einfachen Diebstahl, noch einen Auftragsdiebstahl oder sogar eine Art Mutprobe aus», erklärte die französische Kulturministerin Christine Albanel in Paris. Gegen die These eines Diebstahls spreche die Tatsache, dass das Skizzenbuch rein wissenschaftlichen Wert habe, sagte Anne Baldassari, Direktorin des Picasso-Museums im Pariser Stadtteil Marais. Das Heft sei kaum verkäuflich, da die 33 Bleistiftskizzen weder signiert noch datiert seien.

Außerdem sei das Pariser Museum die einzige Institution, die diese Art wissenschaftlicher Kunstobjekte erwerbe. Der Wert des Heftes könne auf drei Millionen Euro veranschlagt werden. Am Dienstag war zunächst von acht Millionen Euro die Rede gewesen. Das Heft sei interessant, da sich mit ihm der Arbeitsprozess Picassos (1881-1973) nachvollziehen lasse, sagte Baldassari.

Das Verschwinden der Zeichnungen des spanischen Malers war am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr aufgefallen. Zuletzt waren sie am Montag um 14.30 Uhr gesehen worden. In der Nacht waren keine besonderen Vorkommnisse bemerkt worden.

Am Dienstag sah sich die Leitung des Ausstellungshauses mit Vorwürfen wegen möglicherweise zu lascher Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert. Dies wies Baldassari entschieden zurück. «Das Picasso-Museum ist genauso sicher wie andere Museen», betonte sie. Es sei so gut gesichert, wie es nach ästhetischen und besucherfreundlichen Gesichtspunkten vertretbar sei. Kulturministerin Albanel sagte hingegen, die derzeit laufenden Renovierungsarbeiten hätten auch etwas mit der Sicherheit zu tun. «Wenn die Vorrichtungen auf der Höhe der Zeit wären, würden wir das Museum nicht für Renovierungsarbeiten von August an schließen.»

Die flache Glasvitrine, in der neben dem Skizzenbuch noch eine Gravur ausgestellt wurde, stammt aus dem Eröffnungsjahr des Museums 1985. Sie ist aus schwerem, einbruchssicherem Glas und war mit zwei mechanischen Schlössern gesichert, von denen jedoch eines kaputt war. Anne Baldassari betonte, dass die Museumsmitarbeiter selbst Schwierigkeiten hatten, die Vitrine zu öffnen. Selbst mit geeignetem Werkzeug würde eine Öffnung ungefähr 20 Minuten dauern.

In den sechs Räumen der betreffenden Museumsebene seien während des Betriebs gleichzeitig vier Sicherheitsleute im Einsatz. Nach Schließung des Museums um 18 Uhr würden die Räume verschlossen und der Alarm aktiviert, erklärte Baldassari. Die Werke seien versichert.

Das Picasso-Museum besitzt unter anderem 200 Gemälde, 158 Skulpturen und 1500 Zeichnungen von Picasso. Es zählt täglich etwa 1000 Besucher. Die verschwundenen Zeichnungen waren Teil eines Skizzenbuchs des spanischen Malers aus den Jahren 1917 bis 1924. (Quelle: Paris )