24.06.2021 | Welt WHO-Forderung: Frauen im gebärfähigen Alter sollten keinen Alkohol trinken

Die World Health Organization (WHO) hat ihren neuesten „Action Plan“ geliefert - zum Thema Alkohol. Ziel soll sein, globalen Alkohol-Konsum zu senken. Jedoch kamen bisher primär Vorwürfe zu Sexismus dabei heraus... Was für so viel Kritik gesorgt hat, erfahrt ihr hier!

Foto: Unsplash/ Pablo Merchan Montes

Der globale Alkoholkonsum soll reduziert werden. Das hat sich World Health Organization (WHO) zum Ziel gesetzt. Genauere Details und Fakten berichtet die Organisation in ihrem ersten Entwurf zu ihrer vorgeschlagene Herangehensweise, um Alkoholkonsum und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu mindern. Das war aber nicht, was für heftige Kritik sorgte, sondern genau ein Satz:

„Angemessene Aufmerksamkeit sollte der Verhinderung des Beginns des Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen der Verhinderung des Alkoholkonsums bei schwangeren Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter, (…) gewidmet werden."
Ist das sexistisch?

Während der Schwangerschaft sollte kein Alkohol getrunken werden, das ist bekannt. Aber, dass Frauen insgesamt - während sie sich „im gebärfähigen Alter“ befinden - auf Alkohol verzichten sollten, das ist eine neue Aussage. Und stößt selbstredend auf ein lautes Echo.

Vorgeworfen wird der WHO, dass Frauen als wenig mehr als „Gefäße behandelt“ werden und dadurch „reduziert sie Frauen auf wenig mehr als ihre reproduktiven Fähigkeiten“, so Clare Murphy, Chief Executive von British Pregnancy Advisory Service (BPAS).

„Gebärfähig“ bezieht sich nicht gerade auf einen kleinen Lebensabschnitt. Wenn nämlich von 15 Jahren bis 50 gerechnet wird, wie die WHO es tut, dann wären das um die 40 Jahre vom Leben einer Frau.

Die Erkenntnisse

Das wissenschaftlich fragwürdige über die Aufmerksamkeit, die die WHO auf Frauen beim Alkoholkonsum gelegt hat, ist, dass die Statistiken, die in ihrem 37-Seiten langem Dokument hervorgerufen werden, diese Sorgen nicht widerspiegeln.

Denn 2016 waren die geschätzten Summen der Mortalität wegen Alkohol bei 2,3 Millionen Todesfällen bei Männern und 0.7 Millionen bei Frauen. Mit „alcohol use disorders“ - Alkoholabhängigkeit -  leben hingegen geschätzte 237 Millionen Männer und 46 Millionen Frauen.

Zusätzlich wurden keine Studien referenziert, die auf die Gesundheit von ungeborenen Kindern „gebärfähiger“ Frauen, die Alkohol konsumiert haben mögen, eingeht. Gleichzeitig gab es keine Erwähnung von Männern, die ihrerseits ja durchaus auch einen Tel dazu beitragen, Kinder zu "produzieren" - obwohl es in diesem Bereich schon Studien gab.

Eine wichtige Kernaussage

Jedenfalls sollte Alkohol nicht unterschätzt werden, und darauf weist auch die WHO hin. Ob Frau, Mann, Mensch: Alkoholkonsum ist statistisch gesehen tödlicher als Krankheiten wie Tuberkulose, HIV/AIDS und Diabetes.

Die WHO bezieht Stellung

In einem Statement ergänzte die WHO:

„Der aktuelle Entwurf des globalen Aktionsplans der WHO empfiehlt nicht die Abstinenz aller Frauen, die in einem Alter sind, in dem sie schwanger werden könnten. Er versucht jedoch, das Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen zu stärken, die sich aus dem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ergeben können, auch wenn die Schwangerschaft noch nicht bekannt ist.“

Da der „Action Plan“, der Mitte Juni veröffentlicht wurde, nur der erste Entwurf war, kann man gespannt sein, wie der zweite Entwurf letztendlich formuliert sein wird… 

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