19.12.2017 | Dunkle Heimat Episode 4: Der verdächtige Nachbar

Sein äußerst auffälliges Verhalten und gleich mehrere potentielle Mord-Motive machen ihn verdächtig: Nachbar Lorenz Schlittenbauer. Was hat er mit dem Mord auf Hinterkaifeck zu tun? Berni Mayer forscht nach!

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Was führt Schlittenbauer im Schilde?

Der Nachbar der Hinterkaifecker, Lorenz Schlittenbauer, hat etwas an sich - etwas Verdächtiges. Tendentiell hat er sogar gleich mehrere Motive und sein Verhalten ist überdies auch mehr als auffällig. Was verbirgt er?

Autor und Erzähler Berni Mayer nimmt ihn genauer unter die Lupe und versucht herauszufinden, was es mit seinem Benehmen auf sich hat. Und dann bekommt er überraschend ein besonderes Interview mit jemandem, der mehr über Lorenz Schlittenbauer wissen sollte als jeder andere: Sein letzter noch lebender leiblicher Sohn Alois.

Transkript zum Interview mit Alois Schlittenbauer:

Aufgrund seines tiefen bayerischen Einschlags könnt ihr hier das Interview mit Alois Schlittenbauer mitlesen:

  • Antwort 1: Da war ich ungefähr acht Jahre.

    Antwort 2: Unseren Vater haben sie ja schon am ersten Tag … Der Sigl, das war der Nachbar, der hat schon einen Verdacht gehabt. Der Sigl und der Schwaiger vom Dorf. Das war so ein Dorf mit 13 Höfen. Der Sigl war sein Nachbar, mit dem hat er ja nachher einen Prozess gehabt. Der hat seinen ganzen Hof mit 39 Tagwerk versoffen. Das war ein Söffling. Insgesamt hat er 12 Kinder gehabt und das war doch denen wurscht, die haben arbeiten müssen, da ist der Hof schon durchgegangen.

    Und 1933 hat mein Bruder ihn mit dem Wagen nach Schildberg gefahren – das waren ja Nachbarn - und da hat er noch einen Hof mit 12 Tagwerk. Und in Gröbern einen Hof mit 39 Tagwerk. Und das hat der Alles mit In-die-Wirtschaft-gehen und mit dem Rauchen durchgebracht. Damals hat's mehr so Leute gegeben. So einen Hof hat man damals tatsächlich versaufen können. Und verrauchen. So war die Zeit. Haufen Kinder waren da, ein Haufen ist gestorben.

    [...]

  • [...]

    Wir waren insgesamt zu fünft.

    1914 musste er in den Krieg. War ein Jahr da. Da haben sie ihn nicht brauchen können. Er war halt schwach. Hat im Krieg die Zähne verloren. Das war kein schöner Mann. Die Zähne sind ihm im Krieg nach und nach rausgefallen Wegen der Krankheit haben sie ihn entlassen. Der war ja bloß ein Jahr im Krieg. Und meistens in der Bäckerei, was ich so gehört hab. Da haben sie nur Brot gebacken. Armeekranz und so. Und dann ist er wieder nach München gekommen. Er war schon da oben am Harras, oder wie das heißt. Und dann haben sie ihn ihn München entlassen, weil sie ihn nicht brauchen konnten, weil er praktisch ein Schwächling war. Genau wie mein Onkel gesagt hat. 

    [...]

  • [...]

    Während dem Krieg ist eine erste Frau gestorben. 1918. Brustkrebs. Die zweite ist auch an Brustkrebs gestorben. Die waren alle so um die fünfzig. Und da waren die Kinder eben da. Und im Krieg hat er seinen Hof mit zwei Russen und einem Franzosen, hat er das Haus gebaut. Ein ganz neues Haus gebaut. Den Stadel hat er schon 1906, 1908 gebaut. Und da war auch wieder ein Neid von den Gröberern da. Nicht von allen. Sagen wir, von einem Viertel. Und unser Vater hat vom Onkel, der war Schmied in Münster und Schwarzach, eine Schmiede bekommen. Einen Blasebalg, eine Feuerstelle, eine Mordstrumm-Bohrmaschine, die haben wir mit der Hand bedient. Es hat ja keinen Strom gegeben in Gröbern. Auch nicht im 2. Weltkrieg. Das war halt ein abgelegenes Dorf, aber es war nicht das einzige, es gab mehrere.

    [...]

  • [...]

    Wie kann eine Frau so schön sein, die den Hof mit 39 Tagwerk, oder im ganzen fast 50 Tagwerk, 11 Tagwerk Holzscheit haben die gehabt … wie kann die so schön sein, wenn die den Hof.... Die haben ja keine Leute gehabt, die haben ja den ganzen Tag arbeiten müssen. Eine schöne Stimme kann sie gehabt haben - im Chor. Aber eine Schönheit, das kann ich mir nicht vorstellen. Und wenn ich das Bild anschaue, auf dem sie sein soll, da werden Sie auch nicht rausfinden, dass das eine wunderbare Frau war.

    Erstens hat er's nicht ganz genau gewusst. Sagen wir mal so. Wir wissen es ja auch nicht, aber ich bilde es mir ein. Und zweitens hat ihm der Hof da oben leid getan. Aber er ging auch nur mit, weil wenn die Höfe zusammengekommen wären – der eine hatte 50 Tagwerk und der andere 81 – das wär ja ein Mordsding gewesen. Und bei unserem Vater gab es einen Haufen Leute zum arbeiten. 

    [...]

  • [...]

    Der hat ja auch noch zwei Kinder von der Schwägerin angenommen, die hat er genauso aufgezogen wie seine Kinder. Die waren alle zwischen 16 – 22 Jahre alt. Die haben Leute gehabt, die hätten die zwei Höfe schon zusammenschließen können. Ich bilde mir ein, dass er den Gedanken gehabt hat.

    14 Tage nachdem seine Frau gestorben ist, ist sie runtergegangen zu ihm und hat gesagt, jetzt könnten wir heiraten. Ihr ist der Mann gestorben und sie könnten sich zusammentun. Mein Vater war ja kein schöner Mann, der hatte ja keine Zähne mehr. Der hat seine Unterlippe bis über die Nase hochziehen können und die andere bis übers Kinn. Wie's halt ist, wenn einer keine Zähne hat. Wenn der immer schon so war. Und dann ist seine Frau gestorben. Und dann kommt die schon runter und spekuliert das aus. Und obwohl unser Vater gewusst hat, dass sie – die Hinterkaifeckerin – mit ihrem eigenen Vater ein Verhältnis hat. Immer schon gehabt hat. Aber das hat man halt in Gröbern und in der damaligen Zeit nicht so eng gesehen.

    [...]

  • [...]

    Und dann haben sie so ungefähr fünfmal, oder einmal im Monat – das kann man ja ausrechnen. Da geht die einmal im Monat ran und lässt sich von unserem Vater ein bisschen gernhaben. Und wenn sie reinsaust mit ihrem Vater, dann braucht die ja jemand für das Kind. Als sie schwanger war, da ist sie nicht mehr runtergekommen.

    Antwort 3: Wer uns das erzählt hat? Eigentlich niemand. Das sieht man aus den damaligen Polizeiberichten.

    Antwort 4: Wo kommt das her? (Frau: Du ziehst das an. Du erfrierst doch hier!)

    [...]

  • [...]

    Antwort 5: Meine Frau, mein Liebling, die ist auch von Gröbern (Frau: Jaja, gib Ruhe! Ich bin aber nicht einverstanden. Jetzt kommt das nächste ausgeschämte Zeug. Im Internet und überall steht alles drinnen. Und alle wissen es.)

    Antwort 6: Die wissen's besser als wir. Wir wissen ja nichts. (Frau: Das ist doch ein Saustall. Das wird jetzt alles aufgenommen was man sagt.)

    Antwort 7: Jetzt lass ihn halt. Das ist doch ein alter Käse. (Frau: Sie wissen doch, was ihn diesem Internet und diesem Facebook oder wie der ganze Dreck heißt, immer drinnen steht, das wissen Sie doch.)

Interviews in dieser Folge:

Vielen Dank an

  • Guido Golla, Autor und Hinterkaifeck-Experte
  • Alois Schlittenbauer, Sohn von Lorenz Schlittenbauer
  • Adelheid Kastner, Psychiaterin und Gerichtsgutachterin im Fall Fritzl. Mehr Informationen
  • Olaf Krämer, Administrator und Betreuer von hinterkaifeck.net
  • Axel Petermann, renommierter Profiler. Mehr Informationen 

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