28.01.2020 | Verkehr & Mobilität Trotz bestandenem Führerschein: Experten fordern Nachhilfe für Fahranfänger

Viele Jugendliche fallen bei der Führerscheinprüfung durch, junge Fahrer sind oft an Unfällen beteiligt – der Verkehrsgerichtstag will das ändern und die Fahrausbildung überprüfen. Müssen Anfänger nach der Führerscheinprüfung bald Kontrollfahrten absolvieren?

PS-starke Autos, wenig Fahrpraxis und eine große Portion Übermut – junge männliche Fahranfänger seien eine Hauptrisikogruppe, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Seit Jahren zeigen die Statistiken: Junge Fahrer fallen überdurchschnittlich häufig durch riskantes Verhalten auf – ihre Unfallbeteiligung ist hoch. Außerdem bestehen immer mehr Führerscheinbewerber nicht – rund 35 Prozent bei der praktischen und 39 Prozent bei der theoretischen Prüfung, Tendenz steigend. 

Änderungsvorschläge für Fahrausbildung

Beim Deutschen Verkehrsgerichtstag diskutieren Experten in dieser Woche (29. bis 31. Januar) in Goslar (Niedersachsen) unter anderem über mögliche Änderungen in der Fahrausbildung. Schon im Vorfeld gibt es Vorschläge.

Idee 1: Verlängerung der praktischen Ausbildung bzw. der Probezeit

Die praktische Ausbildung soll grundsätzlich verlängert werden, schlägt Verkehrsanwalt Matthias Köck vor. Einen ähnlichen Vorschlag hat eine Projektgruppe der Bundesanstalt für Straßenwesen. Sie empfiehlt eine Verlängerung der Probezeit für Fahranfänger – von bisher zwei auf drei Jahre. Nehmen Fahranfänger freiwillig an qualifizierenden Maßnahmen wie begleitendem Fahren teil, könne diese Probezeit verkürzt werden.

Idee 2: Feedback-Fahrten

Sinnvoll seien auch sogenannte Feedback-Fahrten unter Aufsicht eines Fahrlehrers, findet der Verkehrssicherheitsrat. Diese würden alle vier bis acht Wochen stattfinden. Der Experte weise auf Probleme hin, der Fahrneuling müsse bis zur nächsten Stunde üben – mit Hilfe einer klaren Zielvereinbarung. Das soll den Anreiz erhöhen, sich regelkonform zu verhalten: Erfolgreiche Feedback-Fahrten könnten die Probezeit verkürzen.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins, der ADAC und der Automobilclub von Deutschland sind für eine zweite Ausbildungsphase mit vorgeschriebenem Sicherheitstraining und Feedback-Fahrten. Dies schaffe zusätzliche Sicherheit bei Fahranfängern, sagt ein Sprecher. Modellversuche hätten ergeben, dass dadurch das Unfallrisiko sinke.

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Idee 3: Begleitendes Fahren ab 16

Auch das Begleitende Fahren ab 16 ist im Gespräch – aktuell ist es ab 17 möglich. Dadurch sei der Lernzeitraum länger und das Anfängerrisiko geringer, heißt es beim ADAC. Dieser Meinung sind auch der Verkehrssicherheitsrat und der Autoclub AvD. Die Voraussetzungen dafür könnten auf EU-Ebene geschaffen werden.

Idee 4: Verlängerung der Null-Promille-Grenze

Aktuell gilt die Null-Promille-Grenze während der Probezeit und für alle Autofahrer unter 21 Jahren. Die Unfallforschung der Versicherer überlegt nun, das entsprechende Alter auf 24 Jahre anzuheben.

Idee 5: PS-Begrenzung bei Autos

Die Unfallforschung der Versicherer schlägt außerdem vor, bei Fahranfängern die Leistung von Kfz-Motoren auf 66 Kilowatt beziehungsweise 90 PS zu begrenzen. „Damit würde vor allem den jungen Männern der Kick genommen, stark zu beschleunigen oder sehr schnell zu fahren“, glaubt Brockmann. Wie genau das in der Praxis umgesetzt werden könnte, sagte er bisher nicht.

Idee 6: Übungen am Verkehrssimulator

Um gefährliche Situationen zu proben, sollen Simulatoren die Fahrstunden ergänzen. Das regt der Automobilclub AvD an. Denn auch ein Sprecher des Auto Clubs Europa sagt, dass die Straßen immer voller, das Verkehrsgeschehen immer komplexer werde.