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Energiewende in Bayern krankt an Vielzahl von Problemen

Fehlende Flächen, Bürokratie, hohe Pachtpreise, kaum Mut und unnötige Debatten: Fachleute benennen im Landtag eine Masse an Gründen, warum im Freistaat der Ausbau der Heimatenergie kaum vorankommt.

Energiewende Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

München (dpa/lby) - Die Umsetzung der Energiewende in Bayern holpert nach Ansicht von Experten wegen einer Fülle an regulatorischen Vorgaben, fehlenden Prioritätensetzungen und bürokratischen Hürden. «Wir brauchen ein neues Mindset auch bei den Behörden», sagte etwa Christian Kraus, Sachgebietsleiter für Deutschland von Österreichs größtem Stromerzeuger Verbund Wasserkraft am Donnerstag bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des bayerischen Landtags. In der Energiedebatte sei es an der Zeit, technologieoffen zu denken.

«Mit dem derzeitigen Tempo werden wir die Ziele der Staatsregierung nicht erreichen», sagte Sepp Bichler, Geschäftsführer der Energiebauern. Ein großes Problem beim Windkraftausbau seien die hohen Pachtpreise für die Flächen - der Staat sei inzwischen einer der größten Preistreiber.

Bei der Ausweisung der Flächen für Windräder gebe es auch noch andere Probleme, sagte Josef Niedermaier, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der regionalen Planungsverbände. Der Freie-Wähler-Landrat des Landkreises Bad-Tölz-Wolfratshausen klagte über rechtliche Unklarheiten, die fortwährende Umplanungen notwendig machten und Entscheidungsträger verunsicherten. In vielen Kommunen sei es nicht klar, wie das gesetzlich festgelegte Flächenziel von 1,8 Prozent bis 2032 erreicht werden könne. Ohne konkrete Vorgaben würden einige Planungsverbände nicht mit der Ausweisung der Windkraftflächen beginnen.

Bernd Wust, bayerischer Landesvorsitzender des Bundesverbands WindEnergie, appellierte an die Landespolitik, bis 2025 die Windflächen auszuweisen. Überall dort, wo schon jetzt klar sei, dass die Flächen für Windkraft genutzt werden sollten, müsse die Ausweisung sofort erfolgen. Zudem müsse die 10-H-Abstandsregel gänzlich abgeschafft werden.

Die Mehrheit der geladenen Experten sprach sich klar für die Energiewende und eine Versorgung mit erneuerbaren Energien aus. Die Debatte über die Kernenergie sei nur «eine Fata Morgana, um von anderen Problemen abzulenken», sagte Bichler. Jörg Ebel, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft nannte den Energieumbau die Schicksalsfrage des Freistaats. Nur eine verlässliche Grundstromversorgung sichere Bayerns Führungsrolle.

Dagegen äußerte sich der Diplom-Ingenieur Frank Hennig kritischer zur Rolle der Windkraft in Bayern: Da der Freistaat ein windarmes Binnenland sei, lohne es sich wirtschaftlich nicht, auf die Technologie zu setzen. Auch den geplanten Windpark Altötting sehe er kritisch - den dort kalkulierten Stromertrag hätte der Atommeiler Isar 2 in 18 Tagen erwirtschaftet.

Die Experten erklärten, dass ohne ausreichende Netze und Speicher nach wie vor zu häufig erneuerbarer Strom abgeregelt werden müsse, da er nicht dann zu den Nutzern transportiert werden könne, wenn diese ihn brauchten.

© dpa-infocom, dpa:240516-99-57012/2

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