Tirol weitet Fahrverbote auf Schleichwegen bei Kufstein aus
Im Schritttempo auf der Autobahn - den Stau umfahren? Nicht in Tirol. Das Land sperrt wieder Schleichwege. Was sich für Autofahrer im Sommer ändert und wie Navi-Anbieter reagieren.
Innsbruck/München (dpa) - Mit dem Start der Sommersaison sperrt das österreichische Bundesland Tirol wieder Schleichwege: Für Transitreisende auf der Autobahn gelten von 1. Mai bis 1. November tagsüber an Wochenenden, Feiertagen und bestimmten Brückentagen Fahrverbote auf Nebenstrecken, wie das Land mitteilte. Im Bezirk Kufstein weitet Tirol die Fahrverbote zudem auf bestimmte Straßen aus. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Noch mehr Verbote im Bezirk Kufstein
Die Situation im Bezirk Kufstein habe sich an besonders verkehrsreichen Tagen verschärft, begründete Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) den Schritt. «Mit den erweiterten Fahrverboten reagieren wir auf die Bedürfnisse der betroffenen Gemeinden und sichern die Verkehrs- und Versorgungssicherheit.»
Im vergangenen Jahr waren von Mitte April bis Anfang November rund 516.000 Fahrzeuge auf die Hauptverkehrsrouten zurückverwiesen worden. In der zu Ende gegangenen Wintersaison vom 20. Dezember bis Ostermontag waren es 411.000 Fahrzeuge. Allein auf der Transitroute am Fernpass seien 173.000 Autofahrer registriert worden, die verbotenerweise einen Stau umfahren wollten, teilte das Land Tirol kürzlich mit.
Navis sollen Ausweichrouten nicht mehr ausweisen
Inzwischen sei es gelungen, dass Anbieter von Navigationsgeräten die gesperrten Ausweichrouten künftig nicht mehr anzeigten, hieß es weiter. Wie rasch die Anbieter das in die Praxis umsetzten und Änderungen spürbar würden, werde der kommende Sommer zeigen.
«Wir schützen die Gemeinden entlang vielbefahrener Reiserouten und verbannen den Durchzugsverkehr auf die Hauptverkehrswege», erläuterte Landeshauptmann Anton Mattle die seit 2019 geltenden Fahrverbote. «Kaum eine andere europäische Region fasst so starke Maßnahmen, um die Anrainergemeinden zu schützen und mittlerweile machen uns das auch andere Regionen nach.»
Landkreise in Bayern folgen Tiroler Vorbild - und bekommen Kritik
In den oberbayerischen Landkreisen Rosenheim, Berchtesgadener Land und Miesbach gelten die Durchfahrverbote anders als in Tirol nicht an erwartbar verkehrsreichen Tagen, sondern stets von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen. Aber: nur bei Stau. Erst dann kann die Polizei einschreiten. Zudem muss die Polizei die Kontrollen aus ihrem Streifendienst absolvieren.
In Tirol hingegen gibt es dafür zusätzlich Sicherheitskräfte, vielerorts stehen sie direkt an den Abfahrten und fragen Autofahrer nach ihrem Ziel. Nur wer dieses tatsächlich in der Gegend hat, darf passieren.
Stoßstange an Stoßstange im Ort
In Bayern gab es harsche Kritik an den Kontrollen, die nach Ansicht von Anwohnern zu lasch sind. Der Verkehr rolle weiter durch die Orte, ist zu hören. Vor ein paar Wochen blockierten erzürnte Einheimische im Berchtesgadener Land den Verkehr auf eigene Faust mit einem Minibagger und einem Auto.
Durchfahrverbote gelten in den Landkreisen Miesbach (seit 24. Dezember 2025), Rosenheim (seit dem 15. August 2025) und Berchtesgadener Land (seit dem 5. September 2025) an den Autobahnen 8 und 93. Das Landratsamt Ostallgäu hat ebenfalls beschränkte Durchfahrtverbote erlassen, um staubedingten Ausweichverkehr von der Autobahn 7 einzudämmen.