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Kreuzzug gegen Boulevard: Prinz Harrys letzte Schlacht?

Harry will bei seiner Klage gegen den Verlag der «Daily Mail» wohl selbst in den Zeugenstand treten. Es ist bereits das dritte Verfahren dieser Art und wohl das letzte. Was treibt ihn an?

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Prinz Harry und Anwalt David Sherborne Frank Augstein/AP/dpa

London (dpa) - Prinz Harry (41) geht erneut rechtlich gegen die britische Boulevardpresse vor. In einer Zivilklage von Harry, Popstar Elton John (78) und weiteren Prominenten um eine angebliche Bespitzelung durch den Verlag der «Daily Mail» beginnt heute in London das Verfahren.

Erwartet wird, dass Harry in der ersten Woche persönlich im Gerichtssaal dabei sein wird. Am Donnerstag soll der jüngere Sohn von König Charles III. (77) einem Medienbericht zufolge selbst in den Zeugenstand treten. Insgesamt sind neun Wochen Verhandlungszeit angesetzt.

Harry und seine Mitkläger werfen dem Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) vor, illegale Recherchemethoden in Auftrag gegeben zu haben. Der Verlag weist die Vorwürfe allesamt zurück.

Wanzen in Wohnungen und Autos?

Den Klägern zufolge sollen Journalisten unter anderem Privatdetektive damit beauftragt haben, Wanzen in Wohnungen und Autos ihrer mutmaßlichen Opfer anzubringen, um Stoff für Schlagzeilen zu finden. Zudem sollen Telefongespräche abgehört und Krankenakten sowie Bankdaten unrechtmäßig eingesehen worden sein. All das soll sich in den Jahren 1993 bis 2011 abgespielt haben.

Für Harry ist es schon die dritte Klage dieser Art. Er klagte bereits erfolgreich gegen den Verlag des «Daily Mirror» und einigte sich auf einen Vergleich mit dem Verlag der «Sun».

Harry führt regelrechten Kreuzzug

Im Prozess gegen den «Mirror-Verlag» saß er schon einmal im Zeugenstand – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für ein Mitglied der britischen Königsfamilie. Die Royals vermeiden solche Auftritte, um nicht ungewollt noch mehr aus ihrem Privatleben offenbaren zu müssen. Daher gilt im Palast die Devise: «Never complain, never explain» («Nie beschweren, nie erklären»).

Doch der Prinz, der sich 2020 aus dem inneren Kreis der Royals löste und mit seiner Frau Herzogin Meghan (44) und den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, führt seit Jahren einen regelrechten Kreuzzug gegen die «Tabloid Press», wie die britische Boulevardpresse genannt wird. Er will eigenen Angaben zufolge zeigen, dass die illegalen Methoden System hatten. 

Doch es könnte wohl die letzte Schlacht sein: Zum einen hat Harry die größten Blätter damit vor Gericht gezerrt und das Klagepotenzial weitgehend ausgeschöpft. Zum anderen wird aber auch spekuliert, er könne eine Aussöhnung mit seinem Vater anbahnen.

Harry Verhältnis zu seinem Vater galt lange als zerrüttet, zuletzt kam es allerdings zu einer ersten Annäherung. Harry hatte Charles im September 2025 einen Besuch im Londoner Clarence House abgestattet. Vater und Sohn hatten sich zuvor Berichten zufolge seit etwa eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen – das Treffen war deshalb eine kleine Sensation.

2011 kam es zu einem Skandal

Dass einige britische Boulevardjournalisten damals nicht vor illegalen Methoden zurückschreckten, ist unumstritten. Ziel von Abhör- und Bespitzelungsaktionen waren nicht nur Prominente, sondern auch Verbrechensopfer und deren Angehörige. Im Jahr 2011 kam es zu einem Skandal um die Wochenzeitung «News of the World», die zum Medienimperium von US-Geschäftsmann Rupert Murdoch gehörte. Das Blatt wurde daraufhin eingestellt. Dass in ihrem Auftrag Prinz Harrys Telefon abgehört wurde, gestand der Verlag später ein.

Doch ob die Kläger auch im Verfahren gegen ANL Erfolg haben werden, gilt als fraglich. So widerrief ein wichtiger Zeuge frühere Aussagen, wonach er als Privatdetektiv im Auftrag der «Daily Mail» an illegalen Recherchemethoden beteiligt gewesen sein soll.

Was treibt Prinz Harry an?

Immer wieder hat Harry deutlich gemacht, dass er den Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana 1997 in Paris den Paparazzi anlastet, die ihr und ihren Begleitern damals auf den Fersen waren. Mehrmals deutete er an, dass er befürchtet, seine Frau Meghan könne ein ähnliches Schicksal ereilen.

Auch den Austritt aus dem engeren Kreis der Königsfamilie, den er und Meghan vor gut fünf Jahren vollzogen hatten, und das Zerwürfnis mit Angehörigen auf beiden Seiten lastet er teilweise den Boulevardmedien an, die ihm seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt folgen.

© dpa-infocom, dpa:260119-930-564255/1